Review

kurz angerissen*

Wenn Mario Bava den Pinsel führt, impliziert seine Strichführung stets die Entkopplung von den grauen Vorgaben der Realität. An das Machbare muss er sich ebenso wenig halten wie er die griechische Mythologie adäquat abbilden muss. Unendliche Vorräte an Styropor und Farbe verleihen ihm die Macht, die Welt in alle möglichen Farben und Formen zu gießen, sie elastisch zu gestalten und mit der Fähigkeit auszustatten, ihre Erscheinung von einer Szene zur nächsten völlig zu verändern. Kaum liegen Herkules und sein Freund Theseus lachend auf einer Wiese und erfreuen sich am Leben, da hängen sie plötzlich an einem Seil über brodelnder Lava in der Unterwelt. Oder sie springen in einer von Pappfelsen abstrahierten Studiokulisse ins Ungewisse, um einen Schnitt später bei Tageslicht in einem See zu landen, der ganz offensichtlich nicht zu den Studiobauten gehört, von denen man noch Momente zuvor umgeben war. Zwischen diesen teils radikalen Wechseln von Bildhintergründen liegen oft nur wenige Sekunden, wenn nicht gar Wimpernschläge. Heimatfolklore und Unheimliches aus dem Schattenreich gehen Hand in Hand. Man glaubt schon bald, wie ein Grashüpfer in einer Galerie von einem Gemälde zum nächsten zu springen. Während man mit einem Bein noch in Renoirs impressionistischen Wiesenbüscheln steht, tritt man mit dem anderen bereits in die Pfütze einer zerfließenden Uhr aus dem Repertoire Dalís.

Natürlich ist das bezogen auf die visuelle Komponente Bava mit Haut und Haar, auch wenn sich die Produktionsvorgaben offensichtlich wie ein Korsett um die Farbenpracht zwängen, das der gleichzeitige Regisseur, Drehbuchautor und Kameramann auch mit der ungewöhnlich klingenden Paarung aus Sandalen- und Vampirfilm nicht zu sprengen versteht. Die chauvinistischen Absonderungen Giorgio Ardissons sind in ihrer Schärfe durchaus bemerkenswert, ebenso wie die widerstandslose Fügung des Frauenbilds in diese Richtungsvorgabe. Es gibt sogar viel schwarzen Humor, mit dem die allgegenwärtige Dunkelheit von Tod und Missgunst überspielt wird. Inhaltlich lässt sich aber kaum mehr aus der Heldenposse ziehen als aus jedem beliebigen Low-Budget-Epos, das irgendwann mal im Italien der 60er und 70er Jahre entstanden ist.

Doch gerade wegen des leuchtenden Neuanstrichs altbackener mythologischer Schinken schaut man sich "Vampire gegen Herakles" ja heute noch an. Auch wenn die Genre-Paarung aus dem Titel nicht ganz so absurd ist, wie sie zunächst klingt (Herkules hat schließlich schon Gegner von ganz anderem Format zur Strecke gebracht), sie hält auf gewisse Weise doch genau das, was sie verspricht: Fragmente des gotischen Horrorfilms eingebettet in eine griechische Tragödie von wahrhaftigem Schenkelklopferformat.

*weitere Informationen: siehe Profil

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