Review

Einige Spoiler vorhanden, auch wenn ich mir eine reine Plotbeschreibung spare (Inhaltsangabe habe ich seperat hier in der OFDB verfasst ); aber nun zum Review:

"War es wirklich Mord" oder "The Nanny" zu bewerten ist nicht leicht!
Zuerst einmal ist da überhaupt die Frage in welches Genre man den Film überhaupt einordnen soll, beinhaltet er doch Elemente aus Horror, (Psycho-)Drama, Krimi, Mysterie und Thriller.
Nun kommen wir erst einmal zu den positiven Elementen des Films:
Der Film baut ca. die Hälfte bis 2/3 seiner Lauflänge ordentlich Spannung auf und lässt den Zuschauer mehr oder weniger im Unklaren, ob der Tod des kleinen Mädchens nun Mord (daher auch der deutsche Titel, der nicht so unpassend ist, wie man meinen könnte; auch wenn ich den Originaltitel beiläufig bemerkt auch kerniger finde) und die "Phantastereien" des Jungens Joey begründet war/en.
Hierzu werden viele Elemente der Spannungssteigerung harangezogen, z.B .hat mir gut das Herzklopfen der Tante gefallen.
Die Schauspieler machen ihre Sache alle recht gut: Besonders heraus stechen neben Bette Davis die beiden Jungdarsteller William Dix und Pamela Franklin([?] -meine die Darstellerin des 14 jährigen Mädchens)
Gerade das der Film in schwarz-weiß ist, ist noch einmal ein Bonus für die Atmosphäre des Films, gerade zum Schluss hin!

Leider hat der Film aber auch so einige Schwächen:
Meines Erachtens zu früh, wird die "Wahrheit" aus der Sicht Joeys dargestellt; zu diesem Zeitpunkt ist unter den vorliegenden Indizien, die man geliefert bekommen hat, bereits völlig klar, wessen "Wahrheit" der Geschichte um den Tod des Mädchens die richitige ist!
Ab diesem Zeitpunkt nimmt der Film eine dramatischere und auch sozialkritischere Wendung, die mir sehr gut gefallen hat, die aber leider nicht konsequent und eindringlich genug herausgearbeitet wurde: Das Kindermädchen hatte (wohl aus [falschen] morlischen Vorstellungungen heraus und eventuell auch aus falschem Pflichtgefühl und/oder Scham) das eigene uneheliche Kind im Stich gelassen, dass nun allein bei einer billig vorgenommen Abtreibung ohne die leibliche Mutter noch einmal sehen zu können, ja man kann es nicht anders sagen, elendigst verreckt ist!
Hätte man sich hier nur ein paar Minuten mehr Zeit genommen, das sozialkritische Moment und vielleicht auch die Motive des Kindermädchens das eigene KInd im Stich zu lassen genauer zu beleuchtet, was hätte das ein Film werden können?!
So bleibt es bei einem Krimi, angereichert vorwiegend mit Horror- und Mysterieelementen - letztlich nichts besonderes, da wenig innovativ und schon wesentlich besser gesehen!
Am Schluss bricht der Film völlig ein, wohl auch als Geisel seines Produktionsjahres, denn mehr als eine Kinderleiche (mich hat die zur Schaustellung des kleinen toten Mädchens ohnehin schon gewundert) konnte und wollte man dem Zuschauer wohl nicht zumuten: Die mitgefilmte Tötung eines Kindes in der Nahaufnahme ein No-Go, das prinzipiell bis heute nicht überschritten wurde (selbst Hostel 2 zeigt nicht wirklich die Erschießung des Jungens; dies geschieht im Close Up ohne zu zeigen die wie Kugel den Schädel des Jungen trifft); das ach so skrupellose Kindermädchen, das bereits die Tante auf dem Gewissen hat (diese war immerhin auch ein Ziehkind der Nanny), wagt nun doch nicht den offensichtlich oft geplanten Mord des Jungen zur Verschleierung ihrer Mitschuld an dem Tod des kleinen Mädchens und der Tante, sondern bricht das ganze Tun ab, um sich zu stellen und damit wir doch noch ein schönes Happy End haben. Erklären kann man dieses Tun nur mit ihrer völligen Geisteskrankheit. Dass am Schluss Mutter und Sohn, nach all dem was der Junge zu Unrecht, gerade auch wegen seiner Mutter (die ihm nie geglaubt hatte), durchmachen musste, sich in den Armen liegen als Schlusseinblendung empfinde ich als planker Hohn; spätestens hier gibt der Film es auf halbwegs realistisch die Emotionen seiner Protagonisten zeigen zu wollen zu Gunsten eines Happy Ends und damit wohl des Mammons.

Letztendlich bleibt ein reiner Unterhaltungsfilm mit leicht aufflakernden sozialen Ambitionen, die er aber zu Gunsten eben besagter Unterhaltung leider opfert und sich damit selbst bedeutungslos macht! Dergleichen Krimistorys mit einem Schuss Horror hat Hammer viele gemacht (z.B  Paranoic) und auch besser!
Für mich bleibt zum Schluss von "War es wirklich Mord" ein sehr bitterer Beigeschmack, gerade weil ersichtlich ist, was man aus dem Film hätte machen können mit etwas mehr Mut: Weder das Sozialkritische noch der Horror werde konsequent umgesetzt.
Da ich wie gesagt schon deutlich besseres aus der gleichen Ecke, auch von Hammer, gesehen habe, schlägt sich dies auch in meiner Bewertung nieder: 4,5 Punkte für einen leicht unterdurchschnittlichen Film, der es nicht vermochte sein vielversprechendes Konzept durchzuziehen!

Details
Ähnliche Filme