Der schottische Police Sgt. Howie bekommt einen Brief, dem ein Foto von einem verschwundenen Mädchen beigelegt ist. Er macht sich auf zu dem abgelegenen Eiland Summerisle, um diese zu suchen. Doch zunächst stösst er auf wenig kooperative Inselbewohner, die bestreiten, das Mädchen je gesehen zu haben. Als er jedoch Beweise für ihre Existenz findet, wird er offensichtlich von den Dorfbewohnern belogen, ja sogar verhöhnt. Immer mehr verärgert ihn, den gläubigen Katholiken, der frivole, heidnische Kult, der die Insel unter der Führung von Lord Summerisle (Christopher Lee) einzunehmen scheint. Hilflos strampelt er sich ab, die Bewohner bereiten sich derweil auf das große Fest zu Ehren des Sonnengottes vor, bei dem in alter Tradition ein Opfer erbracht wird... Die Anzeichen für den Verbleib des kleinen Mädchens, die der Plot scheinbar so freizügig ausstreut, entpuppen sich in einem überraschendem Finale als geschickte Finte, als wirklich spannender Mysterythriller ist "The Wicker Man" jedoch nicht ausgelegt. Besonderes Augenmerk legte Regisseur Robin Hardy auf die zahlreichen Darstellungen der altertümlichen Gebräuche, mal in Setdetails angedeutet, mal ausgiebig mit Kostümen und Musik inszeniert. Ein Höhepunkt ist unter anderem, wie Britt Ekland (bzw. ihr Double) einen Folksong nackt tanzend singt und damit den Police Sgt. Howie durch eine Mauer hindurch betört. Interessant ist in dieser alten Verfilmung die Gegenüberstellung der naturverbundenen Glaubensgemeinschaft und des verbohrten Katholiken, der alles, was er sieht, als Barbarei abtut und verachtet, ohne jedoch etwas wirklich zu begreifen. Blasphemisch mögen das die einen finden, humoristisch die anderen, wie der pflichtbewusste Sergeant vorgeführt wird. Dazu werden zunehmend komödienhafte Dialoge und sogar vereinzelt Slapstickeinlagen geboten, von psychedelischen Momenten wie Christopher Lee mit Langhaarperücke einmal ganz abgesehen. Das richtige Flair für diesen keltisch angehauchten Thriller bietet die schöne schottische Natur allemal, die Darsteller können durchgehend darin überzeugen. Was man dagegen nicht erwarten sollte, ist ein düsterer Horrorfilm oder gar Goreszenen, dafür sind die Beteiligten wohl auch zu musikalisch veranlagt. Mystische Atmosphäre gibt es durchaus bei dem eingeschworenen Inselvolk, stets versucht "Wicker Man" die Riten ohne wilde Hirngespinste darzustellen. Das Buch stammte übrigens von Anthony Schaffer, der auch schon "Frenzy" schrieb. Man kann gespannt sein, was das von Robin Hardy eigens gefilmte Remake in diesem Jahr bringt.
Fazit: Ungewöhnliches Ritualdrama , facettenreich und genreübergreifend. 7/10 Punkten