Der Ehren-Oscar für Roger Corman war längst überfällig, denn bei annähernd 400 Produktionen gilt er für viele Regie-Neulinge immer noch als Vorbild: Geringes Budget, maximale Wirkung.
Das gelang Corman vor allem mit seinen legendären Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen 1962/63, während einige Ausflüge ins Sci-Fi-Genre zwar effizient erzählt werden, jedoch Atmosphäre und Charme ein wenig ermissen lassen. Dieser Streifen ist ein gutes Beispiel dafür.
Die 50er und die Invasorenfilme der Amerikaner. Hier steht jedoch nur ein Extraterrestrischer im Fokus, denn Paul Johnson muss im Auftrag seines Planeten Davanna herausfinden, ob seine Art mit menschlichem Blut überleben könnte, wofür bereits ein Dutzend Menschen sterben mussten. Eine Krankenschwester und ein Cop könnten ihm jedoch auf die Schliche kommen…
Details der Geschichte regen heutzutage natürlich zum Schmunzeln an.
Der Außerirdische in Menschengestalt trägt Tag und Nacht eine Sonnenbrille, wird aber weder vom Arzt, noch von der ihn später behandelnden Krankenschwester darauf angesprochen. Der Mann benötigt halt Blut und wer ihm quer schießen könnte, wird hypnotisiert, denn unter seiner Sonnenbrille befinden sich hypnotisierende Augen (weiße Kontaktlinsen), die einen Arzt auch schon mal zur endgültigen Schweigepflicht verdonnern können.
Gedankenaustausch zum entfernten Planeten durch Dimensionskrümmung ist natürlich auch herrlich hanebüchen, doch der Höhepunkt für Trash-Fans dürfte wohl eine Art Gummikapsel darstellen, die sich über ein Opfer stülpt und dadurch bereits tödlich wirkt.
Ansonsten kommt der Trash-Faktor leider kaum zur Geltung und man hat bereits nach zehn Minuten den Eindruck, es mit einem eher käsigen Film zu tun zu haben.
Da gibt es halt die Krankenschwester, die gegen Ende gerettet werden muss und am Pool des Bösewichts immerhin ein wenig Bein zeigt. Daneben den Bediensteten des charismatischen Brillenträgers, der ein paar freche Sprüche bringt und natürlich auf die Blondine am Pool fliegt, während Cop und Arzt mit ihrer schwachen Charakterisierung fast schon außen vor bleiben.
Das Figurengeflecht bildet hierbei ein auffälliges Manko.
Hinzu kommt die Bewegungsarmut, denn bis auf sehr kurze Verfolgungsszenen läuft die Geschichte ein wenig eindimensional und ohne erwähnenswerte Überraschungen ab: Kurz die Sonnenbrille abgenommen, diverse Opfer wie Landstreicher oder Staubsaugervertreter fallen mit gellendem Schrei zu Boden und fertig. Spannung will bei alledem kaum aufkommen, weil erst gar keine Gegenwehr entsteht und die Randbedingungen wie Score und Kulisse leider kaum punkten können, da sich die überwiegende Szenerie im austauschbaren Haus des Außerirdischen abspielt und ein paar flott gespielte Streicher kein wirkliches Thema aufgreifen, sondern eher willkürlich und ohne erkennbare Melodie fiedeln.
Cormans „Gesandter des Grauens“ leistet sich aufgrund der kurzen Laufzeit von knapp 65 Minuten keine wirklichen Hänger, überzeugt mit seiner Geschichte aber nur bedingt.
Die Figuren wirken zu wenig sympathisch, die Message der Story kommt zwar (vor allem aufgrund der letzten Bilder) an, doch die etwas einfältige Umsetzung löst im Vergleich zu seinen späteren Werken im Gesamtbild nur ein leidliches Interesse aus.
Nicht übel, aber es gibt weitaus wirkungsvollere Invasorenstreifen aus den Fünfzigern, die sich effektiver um die Bedrohung durch das Fremdartige bemühten.
5 von 10