Review

Gesamtbesprechung

Es gibt Filme oder Serien bei denen eine Inhaltsangabe eigentlich schon zu viel Information vermittelt. Die Anime-Serie KIMI GA NOZOMU EIEN ist ein gutes Beispiel dafür. Wer sich nicht um eine unvorhersehbare Storywendung am Anfang der Serie bringen möchte, sollte um Inhaltsangaben jeglicher Art, auch die auf den DVDs, einen großen Bogen machen. Deswegen habe ich mich also, auch wenn's schwer fiel, konsequenterweise dafür entschieden, nur den spoilerfreien Beginn der Geschichte zu erzählen.

Die Oberstufenschüler Takayuki und Mitsuki sind schon seit Längerem befreundet. Als Mitsuki Takayuki eines Tages unerwartet um ein Date bittet, ist die Überraschung für Takayuki umso größer, als plötzlich Mitsukis beste Freundin Haruka auftaucht. Sie gesteht ihm, dass sie schon sehr lange in ihn verliebt sei und fragt ihn ob er nicht mit ihr gehen wolle. Obwohl er wahrscheinlich insgeheim hoffte, dass Mitsuki ihm diese Frage stellen würde, nimmt Takayuki das Angebot zögernd an, auch um Haruka nicht zu verletzten... Anfänglich etwas unbeholfen im Umgang mit ihr, merkt Takayuki schnell, was Haruka für ein wundervolles Mädchen ist und fühlt sich immer mehr zu ihr hingezogen.

KIMI GA NOZOMU EIEN, oder hierzulande vielleicht auch unter dem klangvollen Titel „Die Ewigkeit, die du dir wünschst" bekannt, basiert auf einem der zahlreichen Dating-Computer-Games aus Japan, wo sich dieses Genre großer Beliebtheit erfreut. Der Herkunft nach hätte KGNE also z.B. Komödie oder aber auch Hentai werden können. Die Macher entschieden sich aber glücklicherweise für ein Romantic-Anime-Drama. Das Ergebnis ist so gut geraten, dass KGNE nicht nur mit den ganzen real verfilmten Hollywood-Schmonzetten locker mithalten kann, sondern die meisten davon auch noch mühelos in den Schatten stellt.

Die Serie schafft das vordergründig erst mal mit einer mitreißenden Story. Die wartet mit einigen Überraschungen auf, springt in den ersten Episoden immer dann wenn's dramaturgisch angebracht ist, durch verschiede Zeitebenen der Handlung und vermag es dadurch jeden Anflug von (sowieso nie aufkommender) Langeweile im Keim zu ersticken. Wenn die verschiedenen „Ebenen" der Geschichte dann in der narrativen Gegenwart münden, wird der Spannungsbogen bis zum viel diskutierten Ende der Serie konstant aufrecht erhalten. Die Qualität der Story steht und fällt natürlich auch mit der Glaubwürdigkeit der handlungsbestimmenden Figuren. Egal ob die schüchterne Haruka, der verträumte Takayuki, Harukas resolute Schwester Akane oder mein persönlicher Lieblingscharakter, die extrovertierte, doch von Selbstzweifeln geplagte Mitsuki Hayase, sie alle tragen perfekt zum erstklassigen Gesamteindruck der Geschichte bei.

Da sich das ganze Geschehen doch sehr stark in melancholischen und traurigen Sphären bewegt, war ich den Machern der Serie regelrecht dankbar für die Charaktere Ayu und Mayu, Kellnerinnen in Takayukis Restaurant, die den dramatischen Stoff durch ein paar gelungene Gags vorrübergehend auflockern können. Gut auch, dass KGNE vergleichsweise recht erwachsen wirkt. Bedeutet im Klartext: Hier spielt Sex durchaus eine Rolle, aber nicht etwa um den Speichelfluss diverser Höschengucker anzuregen, sondern ausschließlich, um die Story voran zu bringen! Nebenbei bemerkt gibt's eh nicht viel zu sehen... Überzeugen konnte mich auch die komplette Vertonung des Animes. Ich habe KGNE mit deutscher Synchro geschaut und kann mich diesbezüglich in keinster Weise negativ äußern, kenne jedoch die Original-Stimmen nicht, habe somit also keinen Vergleich. Durch den geschickten Einsatz von wunderschönen Melodien in tieftraurigen Momenten, könnte man als Zuschauer durchaus Schwierigkeiten bekommen, die tendenziell feucht gewordenen Augen wieder trocken zu bekommen. Zu besagten Melodien gehört z.B. das Piano-Thema aus "Hoshizora no Waltz" von Minami Kuribayashi, der Song des Ending-Themas von KGNE. Gute Songs haben durchaus mal eine Erwähnung verdient!

Zusammenfassend lässt sich sagen: Auch wenn ich sicher kein Experte für Romantic-Anime (oder wie immer man's nennen will) bin, da einfach zu wenig gesehen, steht für mich fest: KIMI GA NOZOMU EIEN ist die Referenz dieses Subgenres, weil ich mir schwerlich vorstellen kann, dass es nochmal ein Love-Anime schafft, mich mit seiner Geschichte, der Erzählweise und den sympathischen Charakteren so in seinen Bann zu ziehen, wie dieser es getan hat.

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