Review

„Wir sind im Arsch!“

Als ich die von mir ohne große Erwartungen als Wundertüte behandelte Mogelpackung „Tierhorror-Collection“ von „Savoy“, die gleich vier Filme auf eine DVD zwängte, ansah und im Zuge dessen auch den US-Abenteuer-Film „King of the Lost World“ von Regisseur Leigh Scott („Pirates of Treasure Island“) aus dem Jahre 2005 konsumierte, dachte ich so bei mir, dass das gut ein Film der „Asylum“-Produktion sein könnte, über die ich schon einiges gehört, aber mir noch keine ihrer Veröffentlichungen angesehen hatte. Und siehe da – „King of the Lost World“ ist tatsächlich einer dieser berüchtigten „Mockbuster“, also vorsätzlich billig produzierten Plagiate erfolgreicher Mainstream-Blockbuster. Verwurstet werden hier gleich drei Vorbilder, nämlich „King Kong“, „Lost World“ und die TV-Serie „Lost“, was mir angesichts des Titels schon ein Schmunzeln entlockt.

Ein Passagierflugzeug macht eine Bruchlandung auf einer unbekannten Insel, wo die Überlebenden sich mit riesigen Tieren – unter ihnen ein überdimensionaler Gorilla –, einem Eingeborenenstamm und einer rätselhaften zweiten, ebenfalls der Zivilisation entsprungenen Gruppe Verschollener herumschlagen müssen.

Die Charaktere und ihre Entwicklung sind geklaut aus „Lost“ und der Rest eben aus „Lost World“ und „King Kong“. Im Falle der Kreaturen bekommt es man es mit mal weniger, meist aber mehr seelenloser CGI zu tun, auch beim Flugzeugabsturz kommen Computeranimationen zum Einsatz. Die Handlung weist kaum Eigenleistung auf, strotzt dennoch vor fragwürdigen Dialogen, Logiklöchern und Unglaubwürdigkeit. Visuelle Härte bekommt man so gut wie keine zu sehen, der mies animierte Riesenaffe spielt nur eine Nebenrolle und die Regie fabriziert munter Anschlussfehler, während das Drehbuch seine „Charaktere“ sich sorglos mal in die eine, mal in die andere Richtung entwickeln lässt, als hätte der Autor sie zwischenzeitlich verwechselt, und greift Handlungsstränge auf, nur um sie nach halbherziger Behandlung wieder fallen zu lassen. Nach nur rund 75 Minuten endet der Film mit der Bankrotterklärung eines jeden uninspirierten Drehbuchautors, indem er alles mit einer Atombombe in die Luft jagen lässt.

Es wurde also so ziemlich alles verkehrt gemacht, was man verkehrt machen kann. All das wird aber in einer Ernsthaftigkeit betrieben, dass der Filmlaie, dem das „Mockbuster“-Konzept vermutlich gänzlich unbekannt ist, die feine Ironie gar nicht bemerken dürfte. Auch ich bin mir nicht im Klaren darüber, was davon bewusst als Persiflage angelegt wurde und was tatsächlichem filmischem Unvermögen geschuldet ist. Um das richtig einordnen und beurteilen zu können, müsste ich mich vermutlich mehr mit „Asylum“-Produktionen auseinandersetzen. Oberflächlich betrachtet jedenfalls ist „King of the Lost World“ dummdreist und leider auch ziemlich langweilig, denn ein überzeichnetes Trash-Feuerwerk wird hier nicht abgebrannt – stattdessen wirkt der Film seelenlos und steril. Ich hingegen verfolgte das Geschehen mit einem gewissen Interesse, da es sich um meine erste Konfrontation mit dieser Art von Film handelte und habe mich durch das Wiedererkennen typischer Filmfehler kommerzieller Cash-In-Produktionen bisweilen dann doch zumindest einigermaßen amüsiert

Die Darstellerriege besteht in erster Linie aus No-Names und „Asylum“-Stammspielern, als Zugpferde konnte man allerdings Bruce Boxleitner („Tron“) in einer der Hauptrollen und Steve Railsback („Insel der Verdammten“, „Lifeforce“, „Dich kriegen wir auch noch!“) für eine Nebenrolle verpflichten, die dem Spektakel in der Tat etwas Charakter verleihen. Die Mädels sind nett anzuschauen und eine zieht sogar obenrum blank. Vielmehr gibt es über „King of the Lost World“ aus meiner Sicht auch gar nicht zu sagen; ich bin um eine Erfahrung reicher und dank seiner kurzen Laufzeit und der Verramschung auf dem Heimkinomarkt kostet der „Filmgenuss“ all diejenigen, die auf diese Erfahrung gut verzichten können, weder allzu viel Lebenszeit noch Taler.

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