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Der blinde Punkt 


Die stilvollste Frau, die Hollywood je hatte, spielt hier eine blinde Mieterin, die von drei diebischen Ganoven alleine zuhause überrascht/ausgetrickst wird. Die drei gewieften Männer (u.a. Richard Crenna und Alan Arkin in noch recht jung!) suchen eine wertvolle Puppe, die sich irgendwo im Appartement der attraktiven Blinden befinden soll - und dafür hat man sich einen perfiden Plan mit Verkleidungen und Lügen einfallen lassen. Aber die tüchtige Sehbehinderte durchschaut schnell, dass hier etwas nicht stimmen könnte...

„Wait Until Dark“ darf man zweifellos als eine der Großmütter des Home Invasion-Subgenres betiteln. Und das meine ich vollkommen positiv und unangestaubt. Ein oft atemloser und noch immer etwas unter den meisten Radaren fliegender Krimi, der exquisit vorgetragen und messerscharf inszeniert ist. Seine Theaterwurzeln mit dem einen wirklichen Setting und vielen Dialogen sind nicht zu verleugnen, lange Zeit ist es ein Tänzeln und Versteckspiel voller Finten, Ahnungen und doppelter Böden. Aber aus seinen minimalistischen Mitteln holt das Kammerspiel nahezu alles heraus. Sogar noch viel mehr als man sich erhofft. Der Sprung Arkins aus dem Schatten hat deutlich „Exorzist III“ inspiriert, schockt noch immer, allgemein ist Arkin hier eine unbequeme Sensation und seine Figur wirklich famos böse, zu allem bereit. Audrey Hepburn kauft man die Blindheit sofort ab, ohne dass sie auch nur einen Hauch ihres Charmes und ihrer Eleganz verliert. Vielleicht gewinnt sie dadurch sogar noch und der Beschützerinstinkt im Zuschauer wird mehr denn je geweckt. Und spätestens das Finale voller Streichhölzer, Springmesser, Spiritus und Schatten muss als meisterhaft bezeichnet werden. „Wait Until Dark“ macht die Schwierigkeiten und Hilflosigkeit genauso wie die Stärken und Sinne eines blinden Menschen stark deutlich und man ist quasi durchgehend auf dem Rande des Sofas vor lauter Aufregung und Mitfiebern. Selbst bei der unausstehlichen Göre, dem schrecklichsten Nachbarskind seit... Dennis the Menace?! 

Fazit: einer der frühesten, elegantesten und noch immer besten Home Invasion-Thriller der Filmgeschichte. Nur ein Geheimtipp?! Unglaublich. Allein die blinde Hepburn, DER famose Jumpscare und der fiese Arkin sind jeden Eintritt wert. Mit spürbarem Einfluss von „Don't Breathe“ bis zum Broadway. Spannungskino per excellence. 

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