Neben dem Griechen Costa-Gravas wird der Italiener Damiano Damiani immer wieder als einer der Väter des kritischen Politthrillers angeführt, vor allem aufgrund von „Der Tag der Eule“.
Basierend auf dem gleichnamigen Roman widmet sich Damianis Film der ehrenwerten Gesellschaft wie sich selber nennt, der Mafia. Diese ist in diverse krumme Geschäfte bei Bauprojekten ermittelt. Der einzige Unternehmer, der sich ihnen widersetzt, wird bereits in der Auftaktszene erschossen. Bereits hier ist eine bittere Form von Pessimismus zu spüren: Kaum jemand traut sich den Leichenfund auch nur zu melden, von Zeugenaussagen oder sachdienlichen Hinweisen ganz zu schweigen.
Der örtliche Polizeichef Bellodi (Franco Nero) ist jedoch Idealist und will die Verantwortlichen drankriegen. Schlüsselfigur für ihn ist Rosa Nicolosi (Claudia Cardinale), deren Mann am Morgen des Attentats verschwand. Doch auch sie will sich lieber in die Mauer des Schweigens eingliedern...
„Der Tag der Eule“ ist ein wirklich bemerkenswerter Film, vor allem in seinem zutiefst sitzenden Pessimismus, der aber bloß traurige Realitäten widerspiegelt. Bellodi bleibt da hart, wo alle anderen kneifen, doch im Gegensatz zu anderen Filmhelden wird solcher Idealismus nicht belohnt. Jede Verhaftung, jeden noch so kleinen Fortschritt muss er schwer erkaufen, während die Mafia weder vor Rufmord noch vor Gewalt zurückschreckt – Bellodis Handlungen haben nicht nur für ihn bittere Konsequenzen, wie er am feststellen muss. Dementsprechend pessimistisch ist dann auch das Ende, an dem sämtliche Teilerfolge Bellodis wie weggewischt sind und die Mafia sich doch durchgesetzt hat.
Doch den Konflikt von Staatsmacht und Polizei stattet „Der Tag der Eule“ mit zwei starken Charakterköpfen aus: Bellodi auf der einen Seite, der ortsansässige Don Mariano Arena (Lee J. Cobb) auf der anderen. Gegenspieler, die Respekt füreinander empfinden, was Arena auch im Dialog mit seinen Untergebenen zum Ausdruck bringt. Den beiden liegt das Taktieren mehr, weshalb es nur wenige schnellere Passagen gibt, z.B. beim Versuch eine Autobombe anzubringen. Stattdessen liegt bei „Der Tag der Eule“ die Kraft in der Ruhe, während sich die Kontrahenten versuchen gegenseitig auszubooten.
Dazwischen beleuchtet die Figur der Rosa dann den dritten Pol, die Zivilbevölkerung zwischen den Fronten. Rosa wird von beiden Seiten benutzt und kann sich bald nur noch in Zynismus flüchten. „Der Tag der Eule“ zeichnet das Bild eines übermächtigen Verbrechersyndikats, das durchaus glaubwürdig diverse italienische Realitäten seiner Zeit anprangert.
Jedoch erzählt Damiani sein Lehrstück ausgesprochen spannend und vernachlässigt bei aller Message den Unterhaltungswert nicht, auch wenn sein Film nicht ganz frei von Schnitzern ist. So sind die Zeitsprünge in der Erzählung teilweise etwas holprig, da kaum markiert, und man erfährt erst im Dialog, dass seit der vorigen Szene bereits eine Woche vergangen ist. Zudem hängt „Der Tag der Eule“ kurz vorm Finale, in dem Bellodi eine ganz besondere Entdeckung machen muss, leider etwas durch, obwohl man sich gerade hier mehr Fahrt wünschen würde.
Schauspielerisch ist „Der Tag der Eule“ dafür über jeden Zweifel erhaben. Franco Nero zeigt, dass er nicht nur Django verkörpern kann, sondern auch auf der Seite der Guten sein Charisma und seinen durchdringenden Blick überzeugend einsetzen kann. Lee J. Cobb als gemütlicher Mafiaboss ist da ein Gegenpol, dessen Ruhe stets etwas Gefährliches ausstrahlt. Claudia Cardinales Rolle ist etwas stereotyp, im Gegensatz zu den Männern recht passiv, doch sie holt noch das Maximum aus dem Part heraus, spielt diese Passivität als Ausdruck einer Hilflosigkeit.
„Der Tag der Eule“ hat ein paar kleine Schönheitsfehler, ist aber ein bemerkenswert direkter wie pessimistischer Politkrimi über die Gesellschaft Italiens. Spannend, toll gespielt und ohne falsche Hoffnungen.