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Boris Gruschenko (Woody Allen) ist ein Drückeberger und Feigling. Als in seinem Vaterland Russland der Krieg mit Frankreich ausbricht und Napoleon drauf und dran ist, Stress zu machen, will Boris eigentlich gar nichts damit zu tun haben und sich lieber mit Sonja (Diane Keaton) vergnügen. Sie, obwohl sie durchaus durchtrieben ist, erwidert dessen Liebe nicht. Zu allem überfluss wird Boris dann doch noch eingezogen und überlebt überraschenderweise die erste Schlacht. Durch einen Zufall wird er gar zum Kriegshelden. Als er zu einem scheinbar aussichtslosen Duell herausgefordert wird, kann er Sonja sogar zur Heirat überreden. Er überlebt das Duell und plant schon bald ein Attentat auf Napoleon Bonaparte...

Die Geschichte ist herrlich abwechslungsreich und gefüllt mit unerwarteten Wendungen. Anfangs erwartet niemand, dass Boris es tatsächlich noch irgendwann schaffen würde, das Herz der Sonja zu erobern. Auch seine Erlebnisse im Krieg gehen erstaunlich positiv an ihm vorbei. Nach dem gewonnenen Duell schließlich zweifelt man praktisch gar nicht mehr an Boris Glück, doch wird man schon bald wieder vom Gegenteil überzeugt. Der Film wirkt zu großen Teilen wie eine Persiflage auf Kubricks "Barry Lyndon".

Dabei ist unverkennbares Merkmal des Films natürlich die typische Dialoglastogkeit eines Woody Allen. An allen Enden schäumt der Wortwitz und die Schlagfertigkeit geradezu über. Besonders harmonisch erweist sich hier natürlich das Gespann Allen/Keaton, die superb miteinander spielen. Doch irgendwie hat es Woody Allen in diesem Streifen ein wenig übertrieben mit seinen ausufernden Dialogen (dazu neigt er leider) und zusammen mit der wenig durchdachten, pseudobiografischen Geschichte treten doch teilweise arge Längen auf. Viele Dialoge rufen auch nicht wirklich richtige Lacher hervor.

Im Film treten dazu noch einige illustre Gestalten auf, wie Boris Vater, der stolz auf sein kleines Stück Land ist. An solchen Stellen zeigt Woody Allen erfreulicherweise einen wirklich unterhaltenden Humor. Die Darsteller sind zwar nicht alle überwältigend und Allen spielt seine Figur etwas zu frech und aufmüpfig, Diane Keaton gefällt aber durchaus. Auch James Tolkan als Napoleon fand ich wirklich lustig.

Von der Machart her scheint der Film etwas unmotiviert fabriziert worden zu sein. Teils langweilige Perspektiven mit wenigen Lichtblicken (zum Beispiel, als sich Boris und Keaton in innere Monologe verstrcken), wacklige Kamerafahrten und ein abwechslungsarmer und zu aufdringlicher Score verleihen dem Film eine uninspirierte Note.

Insgesamt ein gelungener Allen Film, der beim ersten Anschauen noch wirklich gut unterhält. Er bleibt aber hinter weitaus besseren Allen Filmen zurück, zu sehr verlässt sich Woody Allen auf seine Dialoge und vernachlässigt ein gute Inszenierung sowie interessante Story.

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