Woody Allen spielt einen Kassierer in einem Restaurant, der sich mit illegalen Wettgeschäften ein paar Dollar dazuverdient. Dann wird er von einem befreundeten Autor, der aufgrund kommunistischen Gedankenguts Berufsverbot erhielt, gebeten als Strohmann zu fungieren, also seine Bücher und die seiner ebenfalls gesperrten Freunde unter Allens Namen zu veröffentlichen. Schnell steigt der Strohmann Woody Allen weiter auf und wird schließlich ein gefeierter Autor. Doch dann beginnen Probleme aufzutreten, da seine neue Freundin will, dass er ein Buch über ihre Arbeit schreibt und da die Kommission, die die anderen Autoren sperren ließ, nun auch ihn vorladen lässt.
Die Story ist gut gelungen. Die Charaktere sind wie bei den meisten Allen-Filmen ordentlich konstruiert. Allen selbst ist mal wieder ein relativ liebenswerter Versager, der mit der Zeit immer mehr in seinen Problemen versinkt. Auch die Nebenfiguren werden ordentlich behandelt. Die Dialoge sind einmal mehr amüsant, ironisch und trotzdem tiefgründig. Die Wendungen sind teilweise unvorhersehbar und können größtenteils zünden. An Ideen und innovativen Einfällen mangelt es in diesem Film kaum. Auch die satirischen Aspekte und die Kritik am Berufsverbot der Autoren wird zu keinem Zeitpunkt aus den Augen verloren. Gerade heute, wo fast ausschließlich niveaulose und stereotype Teenie- und Liebenskomödien in die Kinos kommen, liefert diese Story eine geistreiche und erfrischende Abwechslung.
Der Unterhaltungswert ist die ganze Zeit über ziemlich hoch, da der Film sowohl humoristisch, als auch emotional einiges zu bieten hat. Vor allem zum Ende hin, wenn Allen immer weniger Auswege aus seinen Problemen bleiben, wird der Film zunehmend unterhaltsamer, sogar ein bisschen spannend.
Die Umsetzung ist Regisseur Martin Ritt gut gelungen. Die Filmmusik ist, in Anbetracht des Alters des Films gut gelungen und kann vor allem die tragischen und emotionalen Stellen gut unterlegen. Der Humor besteht einmal mehr aus den typischen Woody Allen Wortwitzen in Verbindung mit den amüsanten Dialogen. Die Gags sind gut dosiert, sodass der Film niemals ins Lächerliche abrutscht. Es ist einer der wenigen Filme, in denen Woody Allen eine Rolle spielt, ohne die Regie zu übernehmen. Dennoch trägt der Film ganz klar seine Handschrift, da Regisseur Martin Ritt wirklich hervorragende Arbeit leistet und den Stil von Allen perfekt kopiert und eine humorvolle und stilvolle Leistung abliefert.
Woody Allen spielt seine Hauptrolle wie üblich sehr gut und kann seinem Charakter einerseits emotionale Tiefe verleihen und andererseits auch sehr humoristisch darstellen. Einmal mehr zeigt Allen, dass er der vielleicht beste Komödien-Darsteller aller Zeiten ist. Der Altmeister hat sichtlich Spaß am Spiel. Dies ist der letzte Film vor seinem endgültigen Durchbruch mit dem mehrfach Oscar-Prämierten "Der Stadtneurotiker". Zero Mostel spielt seine Nebenrolle gut und überaus humoristisch und amüsant. Dies sollte nach seiner legendären Hauptrolle in "Frühling für Hitler" seine letzte Rolle vor seinem Tod 1977 bleiben. Auch der übrige Cast leistet überzeugende Arbeit.
Fazit:
Geistreiche Komödien, Tragi-Komödien und Satiren sind bekanntermaßen eher selten. Gerade deswegen ist "Der Strohmann" sehr empfehlenswert. Der Film schafft es durch den genialen Wortwitz, den Sarkasmuss und die lustigen Dialoge hervorragend zu unterhalten, ohne zwischendurch ins Lächerliche abzurutschen. Der Film bietet also wirklich tiefe und gelungene Unterhaltung. Woody Allen, der ausnahmsweise auf die Regie verzichtete, zeigt sich als Hauptdarsteller überaus stark.