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Wer bei „Gonin“ einen Film der Marke John Woo erwartet, wird enttäuscht; das Gangsterdrama schlägt eher nach amerikanischen Vorbildern, auch wenn einige der typisch asiatischen „Krassheiten“ eingebaut wurden.
Hauptfigur ist der Clubbesitzer Bandai (Koichi Sato), der bei dem Gangster Ogoshi (Toshiyuki Nagashima) verschuldet ist. Während die Mannen des Gangsters ihm klarmachen, dass ihm das Wasser bis zum Hals steht, entdeckt Bandai jenen geheimnisvollen Fremden, der er schon mal sah, als dieser jemanden in einer Gasse ermordete. Gleich schon zu Beginn werden wild die Stilelemente gemischt; neben der konventionellen Verschuldungsgeschichte wird noch ein wenig Plot vom faszinierenden Unbekannten eingestreut.
Bandai fährt hilflos durch seine Heimatstadt bis er zu einem Baseball-Übungsplatz kommt, bei dem man in einem abgesperrten Areal seinen Schlag gegen die Ballmaschine üben kann. Dort legt er sich auch mit einen Buchhalter auf gewalttätige Weise an, was er aber sofort wieder bereut. So fährt er ihn als Entschuldigung nach Hause.

Der gute Mann ist allerdings ebenso verzweifelt in Geldsorgen wie er selbst. So fasst Bandai einen Plan: Zusammen mit dem Buchhalter und drei anderen verzweifelten Männern (darunter auch Mr. Unbekannt vom Anfang) will er den Gangster Ogoshi ausnehmen. Doch das Unternehmen birgt riesige Gefahren für Leib und Leben...
Der Plot ist recht konventionell und es ist abzusehen, dass nicht alle der Verzweiflungstäter das Ende des Films erleben werden. Zudem zieht sich das mit zu viel unnötigen Sub-Plots angereicherte Stück zu sehr in die Länge, um mehr als durchschnittlich spannend zu sein.
Ab und zu will „Gonin“ durch ungewohnt krasse Ideen überzeugen. So entwickelt sich zwischen Bandai und dem Unbekannten, der aussieht wie Ru Paul nach 10 Minuten in einer Waschmaschine, eine homosexuelle Beziehung – ebenso wie zwischen zwei Killern (darunter auch Takeshi Kitano), die ihnen bald nach dem Coup auf den Hals gehetzt werden. Ähnlich ist es mit dem Buchhalter, der immer von seiner Familie labert, diese aber aus Verzweiflung selbst um die Ecke gebracht hat. Doch diese vermeintlichen Tabubrüche machen den Kohl auch nicht mehr fett.

Was den Film dann vor dem Prädikat „total misslungen“ rettet, ist die Atmosphäre, die Regisseur Takashi Ishii in einigen Szenen aufbauen kann. So ist z.B. die Szene, in der Bandai zu dem Baseball-Übungsplatz kommt. Hier ist die Melancholie und Verzweiflung beinahe greifbar. Leider bleiben diese Szenen in der Minderzahl, so dass man dem Film weiteren Verlauf nur noch oberflächlich folgt.
Die meisten Darsteller spielen ihre Klischee belasteten Rollen bestenfalls routiniert. Vor allem die Auftritte von Takeshi Kitano sind dermaßen kurz und unspektakulär, dass es eine echte Enttäuschung ist. Lediglich Hauptdarsteller Koichi Sato kann teilweise wirklich überzeugen, aber das Drehbuch überlädt seine Figur bald mit so vielen Klischees, so dass auch der gute Sato nicht mehr dagegen ankommt.

„Gonin“ ist ein gut gedachtes, aber oberflächlich und unspektakulär gemachtes Gangsterdrama, dem einfach der Pep fehlt.

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