1969 war John Waynes Zeit als Westernstar fast vorüber, als er für „True Git“ alias „Der Marshal“ mit dem Oskar geadelt wurde.
Doch bevor der hierzulande titelgebende Gesetzeshüter auftritt, macht „True Grit“ den Zuschauer erst einmal mit Mattie Ross (Kim Darby) bekannt, einer burschikosen Farmerstochter, welche als Buchhalterin und Verwalterin Daddys Business ganz schön famos schmeißt – bis ein fieser Strolch den Herren Papa im Suffkopp abknallt. Nun heißt es Rache für diese progressive Frauenfigur des klassischen Western nur, als Minderjährige im Wilden Westen ist es da nicht so einfach zu seinem Recht zu kommen.
Doch da hört Mattie von Marshall Rooster Cogburn (John Wayne), der den Gerichten bei seiner Jagd auf flüchtige Kriminelle meist viel Arbeit erspart und die Rechtssprechung vor Ort in Blei vornimmt. Also will Mattie den Mann als eine Art Auftragskiller anheuern, kann den alten Säufer jedoch nur schwer motivieren – ganz im Gegensatz zu Jungspund, Texas Ranger und Möchtegernheld La Boeuf (Glen Campbell). Zwei Figuren, die den strahlenden Westernhelden noch weiter dekonstruieren als es Filme wie „Rio Bravo“ schon getan haben, zumal der Duke sich reichlich ironisch gibt, quasi sein Rollenerbe ein wenig verhohnepiepelt.
Da Cogburn im Grunde seines Herzens aber doch ein dufte Typ ist und gerade eh nix besseres zu hat, jagt man dem Flüchtigen nach, der sich der Bande von Ned Pepper (Robert Duvall) angeschlossen hat…
Ein Kind, ein sichtlich gealterter Revolverheld und ein Greenhorn – man merkt „True Grit“ an, dass der klassische Western einen Endpunkt erreicht hatte, wenngleich der Film diesem Genre noch verhaftet ist, während der Italo- und der Spätwestern zeitgleich solche Werke gebaren wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „The Wild Bunch“. Ganz so radikal will „True Grit“ dann mit dem Genre nicht aufräumen, gerade die Inszenierung wirkt noch so, als werde nach dem Ausknipsen der bösen Buben alles wieder im Lot sein, den Wilde Westen noch nicht zugrunde gegangen – was das Ende ja auch bestätigt, von der Bösartigkeit oder der Aufbruchstimmung der beiden artverwandten Westernstile ist hier noch nichts zu spüren.
Auch John Waynes Spiel ist keine radikale Abkehr, kein besonderer Wandel, sondern ein ironisierte Version seiner klassischen Rolle, die aber immer noch sehr heroisch ist, wenn es drauf ankommt. Doch egal wie neu oder nicht, Wayne spielt durchaus klasse, während Glen Campbell enttäuschend blass bleibt. Kim Darby schlägt sich inmitten des Testosteronhaufens recht gut, während Robert Duvall als Bandenchef noch groß auftrumpft. Des Weiteren rennt auch noch Dennis Hopper kurz vor des Marshalls Flinte.
Was in „True Grit“ leider ein wenig zu kurz kommt, das sind die Beziehungen unter den Figuren. Ned Pepper ist z.B. alles andere als ein klassischer Räuberbaron und Buhmann, er hat eine gealterte, müde Qualität und scheint Cogburn damit durchaus nahe, was der Film allerdings nicht wirklich ausarbeitet. Auch die Ansätze Cogburn teils als Kumpel, teils als Vaterersatz Matties darzustellen bleiben eben nur Ansätze und La Boeuf will sich nie so recht ins Geschehen einfügen, man droht die Figur nach Filmsichtung beinahe zu vergessen.
Doch im Kern ist „True Grit“ trotz einer gewissen Langsamkeit ein wirklich spannender und schön gefilmter Western, der aus seinem Verfolgungsszenario so einiges herauszukitzeln weiß. Das Finale mit der Schlangengrube mag überlang sein, schweißtreibend ist es trotzdem, die sich zuspitzende Hetzjagd von Gesetzeshütern und Gaunern legt von Minute zu Minute mehr an Tempo bis zum befreienden Showdown zu und die Figuren erscheinen mehr als einmal wirklich in Lebensgefahr. Es sind die klassischen Westerntugenden, auf die sich „True Grit“ als Film dieses Genres beruft, die kurzen, aber treffsicheren Schießereien, die Ordnung wiederherstellen – Henry Hathaway hat seine Hausaufgaben gemacht und dementsprechend gut unterhält „True Grit“.
So mag der Film, einer später Western John Waynes, trotz gelegentlicher Requiemansätze das Genre nicht umkrempeln, als spannender Western mit etwas langsamem Tempo und nicht immer genutztem Potential weiß „True Grit“ dennoch zu überzeugen. Eher Handwerker- als ein Künstlerfilm, aber ein guter.