"Pan´s Labyrinth"
Ist das was wir Realität nennen tatsächlich die Realität? Oder gibt es soetwas wie Realität überhaupt nicht und ist unser ganzes Leben nur ein Traum? Es gibt viele Fragen auf die der Mensch nie eine Antwort finden wird, auch wenn sich die Wissenschaft noch so rasch weiterentwickelt. Denn vielleicht ist die ganze Wissenschaft nur eine Einbildung, weil wir davon ausgehen, dass die physikalischen Gesetze die Realität sind! Wie dem auch sei, in "Pan´s Labyrinth" lässt Guillermo del Toro die Grenzen zwischen unserer sogenannten "Realität" und der Traumwelt eines jungen Mädchens verschwimmen.
Zur Handlung: Die Handlung spielt in Spanien im Jahre 1944 gegen Ende des Bürgerkrieges. Ophelia (Ivana Baquero), die im Mittelpunkt des Filmes steht, zieht mit ihrer schwangeren Mutter zu ihrem Stiefvater, einem Stützpunktkommandanten des spanischen Militärs, von dem sie zu diesem Zeitpunkt so gut wie nichts weiß. Als sie ihn schließlich kennenlernt, hält sich ihre Begeisterung in Grenzen: Der Kerl ist ein eiskalter, brutaler Typ, der wirkt, als hätte er seine Miene noch nie im Leben verzogen. Irgendwie erinnert dieser von Sergi López gespielte Charakter an Ralph Fiennes in "Schindlers Liste". Die knarrenden Wände des Militärlagers, sowie die Gewaltausbrüche ihres "neuen" Vaters bringen Ophelia schon bald zur Verzweiflung. Doch schließlich bekommt sie Besuch von einer Art Fee, die sie zu einem "Pan", der im Labyrinth nahe des Lagers wohnt, führt. Der erzählt ihr, dass sie in ihrem vorigen Leben die Prinzessin in einer Traumwelt war und er sie wieder dorthin zurückbringen könne, wenn sie im Gegenzug drei Aufgaben noch vor dem nächsten Vollmond bewältigt. Doch im gleichen Maße wie der Mond aufgeht, spitzt sich auch die Lage im Militärposten immer mehr zu... Soviel zum Inhalt.
Der Film lässt nicht nur Ophelia an ihre Grenzen stoßen, sondern auch den Zuseher. Ist das alles nur Fantasie des Mädchen oder ist es Wirklichkeit? Und hier wären wir wieder beim Thema Realität. „Pan´s Labyrinth“ lässt andauernd die märchenartigen Erlebnisse von Ophelia mit der Brutalität des Krieges zusammenkrachen. Und Brutalität wird hier groß geschrieben- auf keinen Fall kann man „Pan´s Labyrinth“ als Kindermärchen verkaufen. Die Folterungen von Gefangenen und auch andere Grausamkeiten werden dem Zuseher detailliert vor Augen geführt. Keine Möglichkeit wird dabei ausgelassen, um ihren Stiefvater als verabscheuungswürdigen Menschen darzustellen. Seine Figur steht dabei für viele schlechte Tugenden unserer Gesellschaft.
Handwerklich ist der Film erste Sahne: Vor allem die Kameraarbeit, die zurecht mit einem Oscar belohnt wurde trägt zur großteils düsteren Atmosphäre des Films bei. Obwohl die Schauspieler bis dato noch nicht allzu bekannt sind, leisten sie allesamt gute Arbeit. Hervorzuheben ist natürlich Ivana Baquero, die das kleine Mädchen spielt. Einerseits gibt sie ein intelligentes Kind, andererseits ist eine gewisse Naivität im Verhalten ihrer Figur nicht zu übersehen. Meine Befürchtungen vor dem Film, mich mit der Hauptakteurin nicht identifizieren zu können waren bereits in den ersten Minuten verschwunden.
Lange Rede- kurzer Sinn: „Pan´s Labyrinth“ ist einer der besten- wenn nicht sogar der beste Film des qualitativ hochwertigen Kinojahres 2006. Für zwei Stunden erlebt man eine dichte Atmosphäre, fast so etwas wie einen Traum aus dem man erst beim Abspann wieder aufwacht. Ich brauchte auch nach dem Film noch lange, um mich wieder zu sammeln.
„Pan´s Labyrinth“ erinnert uns an was, das wir nie vergessen sollten: Egal wie kindisch es oft erscheinen mag, egal wie abwegig es wirkt, wir sollten nie unsere Phantasie verlieren. Unsere Träume und das woran wir glauben, ist zumindest in unserer eigenen Welt die Wirklichkeit.