Zugegeben bin ich – relativ uninformiert – mit ganz anderen Erwartungen in Pans Labyrinth gegangen. In erster Linie hatte ich einen Fantasy-Film erwartet eingebettet in das Geschehen in Spanien um 1944, als der spanische Bürgerkrieg tobte. Es ist vielmehr aber umgekehrt und so beschreibt de Toro, wie die kleine Ofelia in eine Welt der Fantasie flüchet, um dem Entsetzen des Krieges, dem Leiden ihrer Mutter und dem grausamen neuen Mann ihrer Mutter – Hauptmann Vidal – zu entfliehen. Und so laufen die Fantasy-Elemente, in denen Ofelia Prüfungen bewerkstelligen muss, um ihre rechtmäßige Stellung als Prinzessin in einem Zauberland, darauf hinaus, die Thematik der faschistischen Diktatur, allen voran den unhinterfragten Gehorsam, zu verarbeiten.
Es ist schon grausam und zutiefst traurig, wie del Toro, die Realität darstellt – dabei geizt er nicht mit expliziter Gewaltdarstellung, welche in ihrer Intensität dem Zuschauer einiges abverlangt. Da erfolgt kein Schnitt, wenn der Hauptmann einem unschuldigen Bauern mit einer Flasche den Schädel einschlägt. Zu Recht der Vergleich in einem anderen Review mit einer Szene aus Irrversibel. Und selten habe ich so einen verachtenswerten Bösewicht im Film erlebt. Auch wenn der Fantasyteil nur Fantasie ist, schafft es del Toro auf bemerkenswerte Weise die Teile schlüssig ineinander zu verweben. Zurück bleibt ein wunderbares Ganzes, für das ich persönlich ein wenig Zeit brauchte, um es im Nachhinein zu verarbeiten. Auch wenn Pans Labyrinth kein sperriger Film ist, bleibt er von leichter Kost weit entfernt.
Visuell beeindruckt Pans Labyrinth auf ganzer Linie, wobei natürlich hier die Fantasy-Elemente hervorzuheben sind. Die Wesen von Elfen, dem Faun bis zu dem furchteinflößenden Paleman sind alle mit viel Liebe und Fantasie dargestellt. Überhaupt scheint der Fantasie keine Grenze gesetzt zu sein. Man denke nur an die Alraune – die Pflanze die davon geträumt hat, ein Mensch zu sein. Einfach herrlich…So etwas durfte ich schon lange nicht mehr im Kino erleben. Aber auch die realen Darsteller können durchweg überzeugen, allen voran Ofelia, die von Ivana Baquero dargestellt wird.
In diesem Kinojahr ist Pans Labyrinth mit Sicherheit das Highlight. Eigentlich fällt mir nur ein Wort ein: Schön. Bleibt nur die Empfehlung: Unbedingt ansehen! 9/10 Punkten.