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Jahre nach dem Ende des spanischen Bürgerkriegs wird während der Franco-Diktatur im Norden Spaniens immer noch von Rebellen gegen das Militär gekämpft. Ivana Baquero spielt ein junges Mädchen, das in eben diese umkämpften Regionen gerät, weil ihre Mutter nach dem Tod ihres Vaters ein Verhältnis mit einem besonders unbarmherzigen Hauptmann, gespielt von Sergi Lopez, begonnen hat. Sie flüchtet sich in diverse Fantasiewelten, um dem Kriegsgrauen zu entgehen.

Vor allem dank "Pans Labyrinth", der als einer der einzigartigsten Filme seit der Jahrtausendwende gefeiert wurde, konnte sich Guillermo del Toro den Ruf als eines der größten Regietalente Hollywoods erarbeiten. Der Film kam bei Kritikern und Fans gleichermaßen gut an, wobei besonders del Toros ambitionierter Versuch, die Schrecken des Krieges parallel zu einer Fantasiewelt darzustellen, gefeiert wurde, doch gerade daran krankt der Film letztlich.

Zurück bleibt nämlich eine zentrale Frage: Warum das Ganze? Flüchtet sich die junge Ofelia in die Fantasiewelt, um dem Kriegsgrauen vor ihren Augen, der Gewalt, ihrem gehassten Stiefvater, dem sich abzeichnenden Tod der Mutter zu entgehen? Doch warum findet der Eskapismus ausgerechnet in eine ebenso düstere Welt statt, die mit ihren Kreaturen mehr einem Alptraum entlaufen zu sein scheint, als der Fantasie eines Kindes, das sich gewissermaßen aus der Realität herauszuträumen versucht. In dieser Hinsicht ist allerhöchstens noch das Ende ganz gut gelungen, bei dem Ofelia in ihrer Traumwelt eine Art Erlösung findet.

Vielleicht soll Ofelias Traumwelt die Schrecken des Krieges aber nicht kontrastieren, sondern ihnen ein Gesicht geben, ihnen auf einer anderen Ebene entsprechen. Hier stellt sich dann aber die Frage: Wozu das Ganze? Wieso träumt sich Ofelia in einen Alptraum und wofür brauchen wir den überhaupt, wenn die Schrecken des Krieges eigentlich düster, bedrohlich und erschütternd genug sind. So laufen reale Welt und geträumte Welt jedoch recht bezugslos aneinander vorbei, weswegen "Pans Labyrinth" allerhöchstens stellenweise mal ein wenig an Fahrt aufnimmt.

Da nutzt es letztlich wenig, dass die Fantasiewelt zugegebenermaßen sehr gut gemacht ist, dass del Toro visuell eine beeindruckende Welt auf die Beine stellt, die mit dem einfallsreichen Design und den atemberaubend guten Figuren tricktechnisch und maskenbildnerisch voll überzeugt. Letztlich verkommen die tollen Bilder aber zum reinen Selbstzweck und bringen den Film überhaupt nicht voran, genauso, wie der Subplot um Ofelia, die eine Prinzessin sein soll und eine handvoll Aufgaben im Wunderland zu lösen hat.

Die reale Welt ist da wesentlich schockierender dargestellt und überzeugt mit ihrer brutalen Härte durchaus, aber echte Empathie für Ofelia will sich einfach nicht einstellen, da sie unglaubwürdig konstruiert bleibt und zudem von Ivana Baquero recht hölzern verkörpert wird. Ansonsten bleibt ein solides Kriegsdrama, das von der Fantasiewelt ausgebremst wird und deshalb auch nicht wirklich überzeugen kann. Einzig und allein der hervorragenden Darstellung von Sergi Lopez, der den brutalen Hauptmann regelrecht beängstigend gut spielt, ist es geschuldet, dass del Toros Film nicht gänzlich untergeht, aber die herausstechende und einprägsame Figur krankt letztlich an ihrer Klischeehaftigkeit.

Fazit:
Bezugslos wird eine kindliche Alptraumwelt einer Kriegsszenarie gegenübergestellt und so bremsen sich beide Anteile des Films leider gegenseitig aus. Da nutzt es wenig, dass das Kriegsdrama zumindest solide gestrickt ist und stellenweise schockiert und dass der Fantasy-Anteil visuell überzeugt.

43% 

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