Viele Autoren haben schon versucht unsere Gedanken, geistigen Entwicklungen und dabei besonders unser Unterbewußtsein in Worte zu fassen und damit für uns Leser nachvollziehbar werden zu lassen. Was liegt näher, als es mit dem Medium "Film" zu versuchen und mit einer Visualisierung unserer sich im Unterbewußtsein befindlichen Vorgänge, innere Entwicklungen zu verdeutlichen ?
Doch wie setzt man diese Optik um ?
Betont man die Fülle, den unermeßlichen Reichtum der Gedanken und Erfahrungen ? - Nimmt man Bilder, die an die Ursprünglichkeit und Naivität unserer Kindheit erinnern oder verwendet man abstrakte, an moderne Kunst erinnernde Formen, um damit das Unbegreifliche zu verdeutlichen ?
Ich gestehe, daß ich an diesen Fragen scheitern würde, aber leider ist auch Darren Aronofsky die Umsetzung nicht wirklich gelungen. Er und sein Team, die Jahre daran arbeiteten, entschieden sich für eine übervolle, sehr ästhetische Optik, die sich aber an bekannten Mustern orientiert. Man sieht der Umsetzung der Bilder ihre Arbeit und Engagement an, auch die Wahl von drei Zeitebenen, die eine zusätzliche Tiefe betonen sollen, ist ein intelligenter Ansatz, aber die Motive, die hier gewählt wurden sind von völliger Profanität - der tief verwurzelte Baum der Weisheit, der buddhistische Mönch in seiner Kugel und der Kampf im südamerikanischen Inkareich gegen das Sonnenschwert sind thematischer Raubbau an Tarot-Karten, alten Mythen und weiteren esoterischen Stilmitteln.
"The Fountain" beginnt wie eine Vorgeschichte zu "Indiana Jones". Wir sehen einen spanischen Eroberer in die geheime Welt des Inkareiches eindringen, wo er gemeinsam mit zwei Begleitern von einer Übermacht angegriffen und überwältigt wird bevor er sein Ziel erreicht. Dann gleitet der Film im gleißenden Licht zu einer ätherischen an einen buddhistischen Mönch erinnernde Figur über ,die gemeinsam mit einem uralten Baum alleine durch das All fliegt. Dieses Bild wird immer wieder von "realen" Szenen durchbrochen bis wir plötzlich in der "Jetzt-Zeit" landen und Doktor Tom in einem moderne Forschungslabor bei der Arbeit zusehen.
Alle drei männliche Typen werden von Hugh Jackman verkörpert und es dauert eine gewisse Zeit bis der Film verdeutlicht, daß damit drei verschiedene Gedankenebenen symbolisiert sind :
- Die eigentliche Geschichte wird in der Jetzt-Zeit erzählt und handelt davon wie Tom versucht, ein Gegenmittel gegen den Krebs zu finden, um seiner Frau Izzy (Rachel Weisz) das Leben zu retten. Sie leidet an einem Gehirntumor im Endstadium. "Geschichte" ist dabei deutlich zu viel gesagt, denn im Grunde erzählt der Film nichts, sondern bietet nur eine Zustandsbeschreibung dieser Situation. Jackman verkörpert den Forscher als hyperaktiven "Mad-Scientist", der alles riskiert, um den Wettlauf gegen den Tod zu gewinnen und sich dabei rein von seinem Verstand steuern läßt - ganz deutlich will der Film uns diese Ebene als oberflächlich und unzureichend zeigen.
- Die Erzählung über den spanischen Eroberer geht auf ein Manuskript zurück, daß Izzy für Tom geschrieben hat und bewußt unvollendet läßt. Er selbst soll das letzte Kapitel schreiben und sich so tiefer in ihre gemeinsame Situation hinein und zu Ende denken.
- Die dritte Ebene, in der Jackman einsam in einer durchsichtigen Kugel durch das Universum gleitet, ist die rätselhafteste und soll wohl als Hort der möglichen Erkenntnis dienen...
Alle drei Ebenen werden immer mal zusammengeführt - es gibt verschiedene Berührungspunkte, die der Film aber gar nicht erklären will, denn hier geht es ja um Abläufe in unserem Unterbewußtsein, um innere Entwicklungen, die nicht wirklich logisch nachvollziehbar sein können.
Das die Macher sich für die Umsetzung dieses visuellen Konzeptes die Konfrontation mit dem Tod ausgesucht haben, den möglichen Verlust eines geliebten Menschen ,ist aller Ehren wert und man kann ihnen nur Mut bescheinigen für diesen Film, der uns abseits vom Mainstream-Kino vor allem visuell unterhalten will und auf eine strukturierte Geschichte verzichtet.
Aber trotz dieser hehren Absichten ist es kein guter Film geworden, denn inhaltlich bleibt das Konzept austauschbar und belanglos. Die Bilder setzen viel zu sehr auf eine bekannte Ästhetik und Motive und verraten damit den eigenwilligen Grundgedanken. Mag sein, daß sich die Macher nicht auch noch trauten zusätzlich mit einer außergewöhnlichen Darstellung zu konfrontieren, aber sie müssen sich an ihrer eigenen Intention messen lassen.
Auch Jackman und Weisz bleiben - gerade weil ihnen auf Grund der dauernden Unterbewußtsein-Ebenen kaum Zeit gelassen wird - in ihrem eigentlichen Charakter oberflächlich. Weisz überzeugt zwar als schon in sich ruhende, ihrem Ehemann vorbildlich Gelassenheit vor dem Tod demonstrierende Frau, aber auch hier bleibt der Film in seiner Ästhetik stecken, denn Ansehen kann man Frau Weisz die Krankheit trotz kurz geschorener Haare nicht.
Jackman ist dagegen vor allem aktiv und kämpferisch. In zwei Bewußtseinsebenen behält er seine von "Wolverine" bekannte Tatkraft bei, um dann als "Mönch" besonders ruhig und gelassen daher zu kommen. Wahrscheinlich soll das seine innere veränderte Haltung demonstrieren.
Und genau hier zeigt sich die Schwäche der Umsetzung. Jedes intensiv gespielte Drama, in dem der Protagonist an Hand überzeugenden Schauspiels die Veränderung seiner inneren Haltung verdeutlicht, ist anrührender und nachempfindbarer. Natürlich nicht begreifbarer, aber das wird es hier durch plakative Bilder auch nicht.
Fazit : mutiges Konzept, daß leider an seiner Umsetzung scheitert. Visuell sollen innere Prozesse verdeutlicht und nachvollziehbar gemacht werden - die Bilder kommen aber über bekannte Abziehbilder und "Möchte-gern" Philosophie nicht hinaus, so daß der Film trotz des tragischen Themas nicht mitreißen kann.
Weisz agiert zwar nachvollziehbar, aber auch ihr edler Charakter ist zu oberflächlich - Jackman kann seinen Charakter kaum differenzieren, sondern verliert sich in Aktionismus. Gerade in seiner abschließenden (erkenntnisreichen) Aussage verärgert der Film noch mehr, da er zum Schluß nur noch als Vehikel für Harmonie süchtige Gemüter dient, die den wahren Weg gefunden zu haben scheinen...(3/10).