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New York, am frühen Morgen. Noch ist das Tageslicht nicht angebrochen, als Ahmad seinen kompakten metallenen Container durch die Straßen zieht. Mit einiger Mühe transportiert er seinen mobilen Arbeitsplatz von Brooklyn nach Manhattan, eine Stunde hin, eine Stunde zurück – jeden Tag. Man sieht ihn kleine Pappbecher mit Kaffee füllen, Bagels für Office-Menschen in schwarzen Filzmänteln mit Anzügen, Lederhandschuhen, ein etwas mitleidiges Lächeln auf dem Gesicht. Servil beantwortet Ahmad jede Bitte, ein eilfertiges you got it. Nahaufnahmen der perfekt glänzenden Amaturen, sauber und steril. Oft putzt sein Besitzer seinen Container, wie ein Ritual. Seine nachdenkliche Erscheinung bricht schon in den ersten Minuten hinter dem schwarzen Vollbart und den gestriegelten Haaren hervor.

Ein frequenter Kunde, Mohammed, lädt ihn in sein großes steriles Appartment ein, Ahmad darf die Renovierung vornehmen. Als sein Gönner allerdings feststellt, dass jener vor ein paar Jahren erfolgreicher Sänger war, verspricht er ihm ein paar Kontakte zukommen zu lassen, Networking. Ein paar Porno-DVDs kauft er ihm später auch ab, one for eight, two for fifteen.

Seine Zigarettenmarke Tolerance bezieht Ahmad von einem Kiosk, ähnlich dem seinen, in dem die hübsche spanische Immigrantin Noemi arbeitet. Die beiden Box-Arbeiter lernen sich näher kennen, Noemi nähert sich ihm mit verhaltener Bestimmtheit. Ahmads gestorbene Frau zerstört die Nähe, in die sich beide durch einen intimen Kuss begeben, auch Mohammed macht seine Ansprüche auf Noemi während einer menage-a-trois in seiner Waldhütte deutlich.

In einer stets untergebenen Art widerspricht Ahmad nicht einmal dann, wenn Mohammed ihn den Müll aus dessen Hütte bringen lässt, so wie er ihn auch vorher beifällig mit demütigenden Aufgaben traktiert. Immer still, dankbar und in sich selbst gekehrt erträgt die Hauptfigur den Druck, der auf ihn ausgeübt wird. Sein Container wird gestohlen, ein alter Bekannter verlangt Geld um bei der Suche zu helfen bevor er ihn für einen Kunden abweist.

Erst in den letzten Minuten des Films setzt sich Ahmad physisch zur Wehr, als ihm die ganze Kälte und Indifferenz seines Freundes Mohammed entgegenschlägt, welcher erbost über dessen Kündigung eines von ihm beschafften Nebenjobs die Problematik seines entwendeten Arbeitsplatzes entnervt abschlägt. Nachdem Ahmad ihn im Affekt umwirft verlässt er fluchtartig die Wohnung. Seinen Container findet er wieder, verlassen am Straßenrand. Sogleich nimmt er die Arbeit wieder auf, Noemi eröffnete ihm ihre Rückkehr nach Barcelona. Der erste Kunde kommt, ein neuer Tag beginnt.

So konstatiert sich die gewöhnliche Geschichte Ramin Bahrani's „Man Push Cart“, die am Ende eine zyklische Bewegung andeutet. Wie das kaltgraue vorweihnachtliche New York dargestellt wird, legt es sich auf die stets ruhige Kamera und hält sich selbst und die Akteure frei von Schmutz.

Alles bleibt simpel, transparent und keimfrei. In großen leeren Räumen und übervollen Straßen entfaltet sich so langsam das Bild des Protagnoisten, dessen Melancholie all seine Handlungen und am Ende auch das Tempo des Films bestimmt.

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