Review

Westerns had literally bitten the dust—at least, the kind Duke and me used to make. We’d both struggled in recent years. That’s what happens in life and especially in movies. Clint Eastwood had come along and he was the only one making good Westerns, and he could also play a cop like Dirty Harry, but Duke couldn’t compete. “So I thought Duke had had it. Then I got a call from Hal Wallis in 1972, saying he wanted to do a sequel to True Grit. Duke was all for it, and Wallis had got Katharine Hepburn to be in it too. I thought that combination of Wayne and Hepburn would be sensational. “But then I read the script. Oh boy, was it a dog!

~ Henry Hathaway

Ein Darsteller am Ende seines Schaffens, und einer Karriere, die aufgrund hohen Alters, gesundheitlicher Probleme und auch den Wandel der Zeiten eingeschlossen den Geschmack des Publikums mittlerweile schon sichtlich angezählt und auf den letzten Metern war. Eine Veränderung, die sich bereits die Jahre zuvor, so ca. ab 1968 verstärkt bemerkbar gemacht hat und wo die Einflüsse des Europäischen Western auf der einen Seite und des New Hollywood auf der anderen Seite eine derart starke Konkurrenz aufgebaut haben, dass der einstige Star und Box Office Magnet Wayne mittlerweile fast noch der einzige Fels in der Brandung und der einzige Widerstand gegen von ihm selber ungeliebten Veränderungen war. "Der Westen ändert sich, aber Sie ändern sich nicht mit ihm!":

1880, Fort Smith, Arkansas. Der einäugige US-Marshal Reuben J. "Rooster" Cogburn [ John Wayne ] bekommt von Bundesrichter Parker [ John McIntire ] den Auftrag, das nahegelegene Indianergebiet auf der Suche nach dem skrupellosen Bankräuber Hawk [ Richard Jordan ] und dessen neunköpfiger Bande, darunter sein früherer Scout Breed [ Anthony Zerbe ] aufzustöbern, die nicht bloß einen Transporttrupp der US-Kavallerie überfallen haben, sondern mit dem erbeuteten Nitroglyzerin auch einen Goldtransport anzugreifen. Auf der Fährte stößt Cogburn auf das ebenfalls von der Bande überrannte Fort Ruby, eine christliche Mission, und die wenigen noch verbliebenen Bewohner Miss Eula Goodnight [ Katharine Hepburn ], dessen Vater getötet wurde, und einen ihrer Schüler, einen Teenager namens Wolf [ Richard Romancito ]. Beide nimmt er eher gezwungenermaßen in seine Obhut, weiterhin auf der Spur der Räuber und Mörder.

Eröffnend schon oder noch prächtig, im Verleih diesmal der Universal (statt zuvor Paramount Pictures), mit imposanten Aufnahmen einer weitgehend unberührten und friedlichen Natur, hinten die sich langsam senkende Sonne, das Fallen des Vorhangs, der Abschluss des Tages, majestätische Berge als Blickfänger am Horizont, vorne ein Bachlauf und der Wald als Verzier. Auch die Musik ist belebend bis gravitätisch beschwingt, gleichzeitig leichtfüßig gehalten und dennoch von einer leicht heroischen Umspielung, die so eigentlich das letzte Mal Mitte der Sechziger mustergültig war und seit den Siebzigern und Peckinpah, Leone, Eastwood und Co. normalerweise ganz anders klingt. Einen Umschwung dahingehend gibt es auch hier, für einen kurzen Moment zumindest, als am Ende der Eröffnung (erst die prägnante Augenklappe ins Bild kommt und) "Ihr Schweine! Ihr miesen Schweine!" (im Original für ganze dreimal "You Bastards!") ausgerufen und eine einsam stehende Blockhütte voll mit Zugräubern hopp genommen wird.

Mit fünf Pferden und vier Toten wird wieder heim geritten, mit drei erschossenen Zugräubern Schrägstrich Mördern und einem gefallenen Freund. Die Natur ist immer noch friedlich und erhaben und bleibt es auch den gesamten Inhalt und den gesamten Film, nur der Mensch ist ständig am Ärger machen und permanent der Störenfried. Rooster Cogburn (...and the Lady), geschrieben von Martha Hyer, unter Pseudonym, ergänzt von Ehemann und Produzent Hal Wallis selber plus Buchautor Charles Portis, der 1968 die Vorlage für Der Marshal verfasst hat; Wayne dabei als Fels in der Brandung, als Festung im Sturm, vom Alter (und dem Alkohol und der Fettleibe) gezeichnet, teilweise ein Klamaukcharakter, aber als Bewahrer der alten Sitten und Tugenden immer noch der beste Mann, der Traditionalist, der (Erz)Konservative, der Reaktionäre und der Right-winger, also Figur gleich Darsteller, was die einfachste Lesart hier wäre und für die Meisten auch die einfachste Lesart dann ist. "Die schießen noch immer auf dieselbe Richtung: Auf mich!" Hier braucht man die Person, und warum sieht man gleich bei der folgenden Szene, in einer ein kleiner Trupp Soldaten vollkommen ahnungslos in einen Hinterhalt am Fluss gelockt werden und deren Leben für einen Wagen voll mit Nitro mir nichts, dir nichts ausgelöscht; "Der Krieg ist zu Ende, aber die US-Kavallerie hat schon wieder verloren!"

Auch folgend wird und dies nach einigen Slapstickszenen durchaus auf Konfrontation gegangen, teils gar unnötig wirkend wie die verbale Provokation der durchreitenden Räuber durch die Ordensschwester in Fort Ruby (drei Holzbauten und ein Zelt), die auch anders hätte enden können und von vornherein eher ziellos wirkt. Ein Gewaltausbruch mit mehreren weiteren Toten in folgender Nacht zerstört endgültig die Unschuld und den scheinbar leichten Ton von Mit Pulverdampf und frommen Sprüchen (Kinotitel), der Mensch als Bestie, als Ausgeburt des Teufels, und auch derart viele von, dass es selbst in dieser geografischen Abgeschiedenheit hier und den Tagesritten zwischen vereinzelten Örtlichkeiten ständig zu Auseinandersetzungen kommt und permanent eine tödliche Gefahr ausbricht. Ein versuchter Racheakt durch die Indianer per Hinterhalt steht auch noch an, welcher durch das Werfen von drei Sprengsätzen und wildem Beschuss abgewehrt wird, sowie eine Prügelei und Messerstecherei unter den Banditen; die eigentlichen Probleme treten hier aber erst auf, als die predigende Lehrerin oder lehrende Predigerin (nach etwa 30 Minuten) beschließt im Film zu bleiben, und dies Bestreben im Namen Jesus Christus weder nachvollziehbar ist — ihre Vorfreude auf das Beiwohnen einer Hinrichtung am Galgen dazugehörig — und auch nicht weiter erklärt wird, und bei 'Vorgängern' wie Ein Fressen für die Geier (1970) besser inkludiert war und bei Hepburns eigenen African Queen auch nicht bloß die Ausrede für andauerndes Gekabbel zwischen Mann und Frau wie folgend dargebracht ist. "Wenn sowas je gewählt wird, dann sei Gott uns gnädig."

Hepburn, die nicht die erste Wahl war (Wayne wollte die wesentlich jüngere Mary Tyler Moore, Wallis ursprünglich Ingrid Bergman) selber schlägt sich trotz ihrer "gewählten Sprechweise" (sowohl im englischen Original als auch im Deutschen durchaus anstrengend) als "Kanzelwanze" dabei tapfer, der Glanz der alten Schule, auch das Bestreben, sich mit 70 fast (und nach einer kürzlichen OP) noch hoch zu Ross und durch die Wildnis zu bewegen, was den ebenfalls betagten und ordentlich beplauzten Wayne dazu 'zwang', trotz seiner fortgeschrittenen gesundheitlichen und emotionalen Probleme — von denen man ohne Wissen hier nichts anmerkt — sich ebenfalls aufs Pferd und eifrig in Wald und Prärie zu begeben. Ihr Bündnis des früheren Hollywoods ist wie so oft in den Spätwerken von Wayne (und dessen Kooperation mit bspw. Kirk Douglas oder Rock Hudson oder Rod Taylor) in der zweiten Hälfte der Sechziger mit der ausschlaggebende Grund, warum auch dieser im Grunde vergleichsweise wenig imposante Teil der Filmografie auch heute noch gesehen wird und rezipiert. Der hier von Produzent und Autor Hal Wallis eigens auserwählte, aber erst nach seiner abgesagten Wunschvorstellung Dick Richards oder Tom Gries engagierte, ansonsten weitgehend unerfahrene Regisseur Stuart Millar (normalerweise und vorhergehend selber ein Produzent), welcher mit seinen etwas aufsässigen Darstellern überfordert war und keine besondere Handschrift aufweisen kann und nichts Spezielles zur Inszenierung zu beifügt, formuliert die bestenfalls solide, allerdings mit einer engen Frist gestrickte Prämisse wie bspw. der Alltagshandwerker Andrew V. McLaglen oder Burt Kennedy, die sich auch eher auf das Bebildern selber verlassen und nicht die Hand nach etwas Speziellem ausstrecken; an Aufwand (Budget je nach Angaben ca. 10 Mio. USD, fast das Doppelte von Der Marshal, 1969, oder auch nur das Gleiche, ca. 4,5 Mio. USD), ständiger Bewegung und Verantwortung für die Second Unit lässt er es allerdings nicht missen. Ein Katz-und-Mausspiel mit vielen Bösewichtern, mit Stunts, mit Varianten wie einer nächtlichen Geiselnahme/Belagerung, dem Einsetzen der Gattling Gun, der "Revolverkanone", einer zunehmend reißerische Floßfahrt die Stromschnellen herunter, plus dem Zünden von Wasserbomben in bald ewig gleicher, dafür erstaunlich grün und farbensatt wirkenden Umgebung (gedreht in Oregon, speziell auch Deschutes County), ein Wald-und-Abenteuerwestern mit Gimmick, indem die Einen den MacGuffin des Sprengstoffes transportieren wollen und die Anderen dies verhindern.

Details
Ähnliche Filme