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Das haarsträubend katastrophale Finale einer trashigen Filmreihe

Der charismatische Australier Ted besucht ein US-amerikanisches Städtchen und wird dort prompt als Barkeeper eingestellt. Aber Ted scheint ein düsteres Geheimnis mit sich herumzutragen. Als die Stadt von einer Mordserie heimgesucht wird, gerät er in Verdacht. Aber wer ist Ted wirklich? Und: Wen interessiert’s?

Kaum glaubt man, die Howling-Serie hätte sich einigermassen gefangen, kommt diese Gurke angetanzt: Der siebte und bisher letzte Teil (wobei wir jetzt mal grosszügig vom Reboot absehen). Man höre und staune: Howling: New Moon Rising ist der unangefochtene Tiefpunkt der Howling-Saga. Und das will was heissen. Im Regiestuhl sitzt Clive Turner, der seit Howling IV als Schreiberling und Schauspieler mit von der Partie war. Hier übernimmt er neben der Regie denn auch gleich die Hauptrolle und das Drehbuch. Wir haben es hier also mit einem waschechten Autorenfilm zu tun. Clive Turner, der Woody Allen des Werwolffilms? Na ja. Eher weniger.

Turner versucht notdürftig, die vergangenen Sequels in eine sinnvolle Chronologie zu bringen. Das ist gut gemeint, aber zum Scheitern verurteilt. Immerhin bekommen wir ein paar Szenen aus den vergangenen Filmen zu sehen, die traurigerweise die interessanten Stellen in Howling VII sind. Geradezu sympathisch dämlich ist Turners Versuch, die von ihm gespielten Charaktere aus Howling IV und Howling V als eine einzige Figur zu verkaufen. Mein lieber Freund, nur weil Du diese Typen zufälligerweise gespielt hast, heisst das nicht, dass sie jetzt ein und dieselbe Person sein müssen! Mal abgesehen davon, dass die präsentierte Character Arc null Sinn ergibt: Aus Ray im fünften Film wird im siebten Film plötzlich Ted. Und ist Ray damals nicht getötet worden? Egal. Denken wir nicht länger darüber nach, als es Turner selbst getan hat. Trotzdem: netter Versuch.

Der Rest des Streifens ist leider quälend langweilig und sinnfrei. Eigentlich ist hier alles dabei, was man in einem (Horror-)Film nicht sehen will: pseudolustige Gespräche an der Bar; ein Country-Song; Line Dance; noch ein Country-Song; synchrones Biertrinken, erwachsene Männer, die den Boden wischen, während sie einen Sombrero aufhaben; Fäkalhumor; und schliesslich der gefühlt tausendste Country-Song. Dazwischen quasseln sich ein Polizist und ein Werwolfjäger mit unnützen Expositionen voll – und hören bis zum Ende des Films nicht damit auf. Es sieht ganz so aus, als hätte Turner die Bewohner einer westamerikanischen Kleinstadt beim Trinken und Rumalbern gefilmt und im Nachhinein eine Werwolf-Geschichte dran gepappt. Im Abspann wird sogar vermerkt: „The characters depicted in Pioneer Town are real.“

Da ist es auch kein Wunder, dass die Schauspieler im Kollektiv dilettantisch agieren. Der Einzige, der überhaupt ansatzweise einen Charakter hat, ist Clive Turners Protagonist. Aber im Grunde ist auch er nicht viel mehr als der sympathische Saufkumpane Nr. 5. Wirklich unglaublich, was für eine geballte Ladung Langeweile hier über uns herein bricht. Die Detektivgeschichte ist von A bis Z uninteressant, rund 90% der Szenen hätte man sich gleich sparen können. Dann wäre aber nur noch ein zehnminütiges Nichts von einem Plot übrig geblieben. Turner zerrt eine Howling-Veteranin vor die Kamera: Romy Windsor als Marie (Howling IV). Wenn man’s genau nimmt, ist auch Marie ein Untote, da sie am Ende des vierten Filmes draufgegangen ist. Aber Marie trägt ohnehin so gut wie nichts zum Plot bei, und so ist es letztlich auch irgendwie egal.

Und sonst? Ach ja, hätte es in diesem Film nicht um Werwölfe gehen sollen? Wenn der Werwolf auftaucht, versetzt uns Turner in dessen Ego-Perspektive. Dabei färbt er das Bild knallrot ein, sodass man kaum mehr etwas sieht. Wahrlich eine geniale Idee des Auteurs Clive Turner. Am Ende bekommen wir aber tatsächlich noch eine Verwandlungsszene zu sehen, die dermassen aberwitzig ist, dass man nur noch hysterisch lachen kann. Und mit einem weinenden Auge denken wir zurück an die erste Verwandlungsszene in Joe Dantes The Howling (1981). Das vermurkste Finale setzt diesem katastrophalen Film die Krone auf. Es ist die endgültige, spektakuläre Bruchlandung der Howling-Reihe.

Wow. Einfach nur wow. Clive Turners Howling: New Moon Rising ist ein schlechter Film der ganz besonderen Art. So schrecklich ist er, dass man aus dem Staunen und Fremdschämen gar nicht mehr heraus kommt. Letztlich ist dieser Streifen der passende Sargdeckel für die Howling-Reihe. „Wenn wir schon aufhören“, scheint man sich gedacht zu haben, „dann mit einer epischen Explosion der Idiotie.“

1/10

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