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Ein wenig eigenartig ist es schon, dass „Michael“ im Winter 96/97 in den USA zum Kassenschlager wurde dort fast die 100 Millionen Dollar Grenze knacken sollte, denn wirklich komisch ist diese Fantasykomödie mit einer ordentlichen Portion Romantik sicher nicht. Lag es vielleicht an Regisseurin Nora Ephron, die mit „Schlaflos in Seattle“ und „E-Mail für dich“ zwei ordentliche Romanzen ablieferte oder etwa an den Namen wie Travolta, Hurt und MacDowell, die den größeren Erfolgen auch schon etwas hinterher trauerten? Man weiß es nicht, vielleicht hat man damals auch einfach nur die Stimmung des Publikums getroffen…

Dabei zeigt Ephron zu Beginn, dass durchaus Potential im Stoff steckte. Zwei Reporter, um ihre schwindenden Karrieremöglichkeiten (Putzig: Bob Hoskins als Chef) bangend, machen sich nach einem sensationsträchtigen Anruf auf, um einem gefallenen Engel als große Schlagzeile auszupressen und, man ahnt es schon, eine Nachfolgerin mitzuschleppen, die sich als Engelexpertin austoben soll. In der ländlichen Gegend angekommen entpuppt sich dieser Engel, genannt Michael (Travolta mit sichtlichem Spaß), als sehr eigenartiges Exemplar: Rauchend, sich zwischen den Beinen kratzend, mit Plauze und ohne Manieren. Nicht das Bild, was man sich von einem Boten Gottes gemacht hat. Diese Darstellung des Erzengels (kämpfte schon gegen den Teufel) ist und bleibt das große Highlight des Films, sowie der Grund um Einzuschalten. Travolta, herrlich vulgär, benimmt sich wie ein unzivilisiertes Aas mit Flügeln und leichtem Hang zur Arroganz.

Was leider folgt ist ein belangloser Roadtrip Richtung Chicago, auf dem die Rivalen William Hurt und Andie MacDowell sich zunächst herzhaft angiften, um später, dank Michael, zu einem Liebespaar zusammenzuwachsen. Super gelle? Nur leider ist diese Entwicklung frei von irgendwelchen richtig komischen Situationen oder gefühlsbetonten Momenten. Michaels Eskapaden erweisen sich dabei zwar insgesamt als recht harmlos, bleiben aber noch die einzigen Gründe, um nicht einzuschlummern. So folgt „Michael“ nach Schema F dem gleichen Pfad tausender Romanzen vor ihm, um sich final dem süß-klebrigen Happy End zu ergeben, indem weder Hurt noch MacDowell komisch, sondern nur krampfhaft (immerhin!) romantisch erscheinen.

Fazit:
Überflüssiges, viel zu lange Fantasyromanze, in der nur John Travolta Spaß macht. Der Rest ist eine zähe, unkomisch Beziehungskiste, die gemächlich vor sich hin plätschert und keinerlei nette Momente zu bieten hat. Wer mit seiner Zeit nichts Besseres anzufangen weiß, bitte!

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