Der CIA-Agent hat den jungen Auftragskiller schon vor langer Zeit unter seine Fittiche genommen und ihm alles beigebracht, was man zum Überleben in diesem Metier so braucht. Jetzt ist der CIA-Agent älter geworden, und sein Chef hält ihn für entbehrlich. Schlimmer noch, der Agent soll angeblich ein Verräter sein und Geheimnisse an die Konkurrenz hinter dem Eisernen Vorhang verkaufen. Der CIA-Agent muss weg, und der richtige für diesen Job ist dessen jüngerer Schützling. Der allerdings frühzeitig weiß, dass er selber auf der Abschussliste der Agency steht. Der ausgesprochen akribisch vorgeht, eben weil das Überleben in seinem Job von akribischem Vorgehen abhängt. Und der vielleicht keine Skrupel hat seinen alten Freund zu töten, der aber genau, ganz genau sogar, wissen will warum er dies tut. Und an dieser Stelle hat die Agency keine überzeugenden Antworten …
Ein alter CIA-Agent also, und ein junger Killer. Der Alte hat den Jungen ausgebildet, ihm das Rüstzeug zur perfekten Tötungsmaschine mitgegeben, und jetzt soll der Junge den Alten umbringen. Eine Handlung, die erstmal wenig Überraschungen verspricht, und schnell auch mal im Mittelmaß der uninteressanten Actionszenen und pseudo-philosophischen Dialoge versinken könnte.
Regisseur Michael Winner hat einen anderen Weg gewählt: Als Darsteller des altgewordenen Außenagenten Burt Lancaster, der dem altgedienten CIA-Agenten Cross viel Ausstrahlung und eine gesunde Portion Lebenserfahrung mitgeben kann. Und der junge und hungrige Killer Scorpio wird von Alain Delon gegeben, der hier vor der Situation stand, dass er als europäischer Superstar in einem amerikanischen Film ein No Name war, der sich seinen Namen erst erspielen musste. Der also das junge und hungrige, das seine Rolle verlangte, auch als Schauspieler an den Tag legen musste. Beide Darsteller agieren wie gewohnt erstklassig, und können ihre Rollen mehr als nur reichlich ausfüllen.
Der dritte Darsteller ist die Stadt Wien, in der große Teile der Handlung spielen. Wien mit seiner Melancholie, mit der alten und ehrwürdigen Tradition als Drehscheibe zwischen Ost und West. Als Tummelplatz der Agenten. Wo das Strandgut des zweiten Weltkrieges eine neue Heimat fand, und damit meine ich beide Seiten der Heimatlosen, und die vor allem in den Zeiten des Kalten Krieges immer eine besondere Rolle innehatte. Der alte Mann Cross und der junge Killer Scorpio also inmitten dieser Geschichte und vergangene Dekadenz atmenden Kulissen, die aber auch modern können. Cross und sein Freund Lang, sitzen in einem Straßencafé, draußen rauscht der Verkehr der modernen Stadt vorbei, und im Hintergrund spielt eine Musikerin auf der Zither. Wiener Flair – Alt und modern nebeneinander, und es muss nicht immer passen, aber es ist diese spezielle Atmosphäre von Gestern und Heute, von Alt und Neu. Von Jung und Alt …
Überhaupt, dieser Freund Lang, eine Figur wie aus einem der frühen Romane von Robert Ludlum. Ein Überlebender aus einem KZ, Musiker ein Leben lang, der jetzt in Wien lebt, nach 30 Jahren endlich wieder Brahms spielen kann ohne die Bilder in seinem Kopf zu haben, und der diejenigen, die in die Gasduschen mussten, als glücklich bezeichnet, weil für sie die Qual ein Ende hatte. Cross hat Lang aus dem KZ befreit, und dafür wird Lang ihm ewig dankbar sein. Eine Gestalt, wie sie damals in Europa sicher nicht untypisch war, und wie sie in Romanen und Filmen immer wieder auftauchte. Sei es eben in den Ludlum.-Romanen oder in Filmen nach Johannes Mario Simmel, in denen sich Krieg und Gegenwart oft auf eine ähnliche Weise vermischten.
Daneben dann Scorpio, der Killer. Der neben seinem Job als eiskalter Engel auch ein hoffnungsloser Romantiker ist, der seine Freundin in Washington mit Blumen überhäuft und mit ihr gerne kuschelig Essen geht. Und der gleichzeitig seinen Job perfekt beherrscht, mit schurkischen Auftraggebern genauso gut verhandeln kann wie vermeintlichen Freunden das Lebenslicht auszublasen. Scorpio passt perfekt in dieses Wien zwischen den Zeiten, denn auch er ist ein Mensch zwischen den Welten. Genauso wie Cross, den sein Job nicht zu sehr abgehärtet hat, und der seine Frau und seine Freiheit immer noch mehr liebt als alles andere. Cross bewegt sich wie ein guter und erfahrener Agent sich bewegt: Im Zickzack, immer vorwärts, niemals stehenbleiben wenn er gejagt wird, immer sehr viele Schritte vorausdenkend. Darum braucht das psychische Duell Cross versus Scorpio gar keine gehäuften Actionszenen, allein durch die Ähnlichkeit dieser beiden Männer und ihrer zur Schau gestellten Sensitivität entsteht schon genügend Spannung. Die zentrale Verfolgungsjagd der beiden durch die U-Bahn-Baustelle der Stadt Wien ist packend inszeniert, pure Hochspannung, und hat eine starke Auflösung, aber die eigentliche Spannung des Films speist sich aus eben dem Duell dieser beiden Ausnahmeschauspieler und gut erdachten Charaktere. Beide Männer sind Wanderer zwischen den Welten, genauso wie die Umgebung in der sie sich bewegen. Es ist faszinierend und in hohem Maße aufregend den beiden zuzuschauen, und der salomonische Schluss des Films passt dann auch noch in der gleichen Perfektion zu diesen Männern. Großes Starkino aus Zeiten, in denen nicht der Special Effect das Maßgebliche war, sondern die Wucht der Erzählung. Erstklassig!