Review

Nach dem ernüchternden Abschneiden von Candyman 2 - Die Blutrache an den amerikanischen Kinokassen (14 Millionen Dollar Einspiel) war es eigentlich fast klar, dass wenn eine Fortsetzung folgen würde, diese nur noch für den DVD Heimkinomarkt produziert wird. Obwohl zum Thema Candyman mit den beiden ersten unterhaltsamen Teilen meiner Meinung schon alles gesagt wurde, entschied man sich im Jahr 1999 für einen weiteren, bis heute letzten Auftritt vom Mörder mit der Hakenhand. Die tatsächliche Notwendigkeit von Candyman 3- Tag der Toten kann vom aufmerksamen Leser aus diesen Zeilen problemlos abgeleitet werden und Turi Meyers Low-Budget Ableger ist, dass darf vorweg genommen werden, der mit Abstand schwächste Teil der Saga, welcher nur für eiserne Komplettisten einen deutlichen Mehrwert darstellt, für alle anderen heißt es: Einmal gesehen, reicht!

Der Innovationspreis 1999 ging mitnichten an Turi Meyer, denn storytechnisch fiel dem Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion nichts besseres ein, als kräftig auf die Copy & Paste Taste zu drücken und den Plot sowie das Konzept vom direkten Vorgänger fast 1 zu 1 zu übernehmen. Dem Zuschauer wird wieder einmal im Schnellverfahren Daniel Robitailles grauenhafte Verwandlung vom gepeinigten Sklaven zum mordenden Candyman vor Augen geführt und dessen Jahrhunderte alte Legende erklärt. Robitailles Nachahnin Caroline McKeever (Donna D'Errico) beschwört mit Ihrer Freundin Tamara (Alexia Robinson) aus Neugier den Candyman (Tony Todd), in dem sie seinen Namen 5 mal gemäß der Sage vor einem Spiegel ausspricht. Der Geist, welchen sie gerufen haben, lässt sich nicht lange lumpen und rafft brutal Opfer um Opfer in Carolines Umfeld mit dem Ziel dahin, sie ins Jenseits zu entführen, damit sie an seiner Seite für ewig existiert. Caroline wird indessen von der Polizei für die Morde verdächtigt und versucht in einem gnadenlosen finalen Kampf ihrem Schicksal zu entfliehen und den Mythos des Candymans zu zerstören...

Wer die guten alten VHS Videokassetten kennt, der weiß, dass jedes weitere Überspielen auf Kosten der Qualität ging, was das Bild irgendwann fast ungenießbar machte. Candyman 3 wirkt wie ein Schatten seiner selbst, von Glanz und Gloria des strahlenden Originals ist nicht mehr viel übrig geblieben und die anscheinend deutlich reduzierten finanziellen Möglichkeiten spiegeln sich in den phasenweise recht schlicht und billig wirkenden Kulissen wieder. Des weiteren gelingt es Meyer wenn überhaupt nur bedingt, eine spannende und mystische Atmosphäre zu erzeugen, gerade im langgezogenen Mittelteil herrscht gähnende Langweile, wozu auch das missratene Fasching-Tag-der-Toten Setting mit den grässlichen Verkleidungen seinen gehörigen Teil dazu beiträgt. Immerhin sind die Tötungssequenzen technisch im Rahmen der beschränkten Geldmittel größtenteils annehmbar realisiert und auch  in Punkto  Härte sowie beim Blutgehalt stellt Candyman 3 keinen völligen Rohrkrepierer dar. Mit weiterem Wohlwollen habe ich Candymans zynischen Sarkasmus wahrgenommen, welcher exemplarisch bei der "Säuberung" unter seinen Möchtegern Gefolgsleuten eindrucksvoll zum tragen kommt.

Knallhart ausgedrückt einfältig und primitiv sind die Lösungsansätze, welche der Heldin hier angeboten werden, den Candyman endgültig zu besiegen. Das tödliche Spiegelbild der Blutrache war schon in Candyman 2 grenzwertig, die Gemäldezerstörung und das Vorgaukeln eines anderen Täters, was den Mythos wohl entkräften soll, ist aus meiner Sicht an Lächerlichkeit kaum mehr zu überbieten. Bei allem nötigen Respekt Herr Meyer, wie viel Promille hatten Sie da im Turm, als Sie sich diesen Nonsens ausgedacht haben? Ich kann mir jedenfalls schwer vorstellen, dass jemand bei klarem Verstand sich solche Hirngespinste einfallen lässt. Aber vielleicht wollte Mayer ja dem etwas schwächelnden Franchise einfach nur den Garaus machen, wenn ja ist ihm dies dann ganz gut gelungen, die streckenweise vernichtenden Resonanzen von Fan- und Kritikerseite sind jedenfalls der verdiente Lohn dafür.

Als Trauerspiel mit vereinzelten Lichtblicken würde ich die schauspielernde Zunft mit den dazugehörigen Charakteren bezeichnen. Donna D'Errico hinterlässt neben dem allseits bekannten Tony Todd noch den professionellsten Eindruck. Candymans auserkorenes Objekt der Begierde gefällt auch ungeahndet ihrer zweifellos vorhandenen weiblichen Reize mit ausdrucksstarken Gesten und emotionaler Transparenz. Todd indessen habe ich schon deutlich motivierter gesehen, obgleich dies mühelos reicht, den Rest des Ensembles blass aussehen zu lassen. Hochgradig unsympathisch fällt die Rolle von Carolines Freund David (Jsu Garcia) aus. Er scheitert kläglich mit dem stümperhaften Versuch,  eine einigermaßen annehmbare Darbietung abzuliefern und wurde mit viel zu viel Aufmerksamkeit bedacht. Klassisch fehl besetzt ist meines Erachtens nach auch Wade Williams als korrupter Polizist Lt. Kraft,  überzeichnetes Minenspiel und  strapaziöses Auftreten lassen ihn freundlich formuliert absolut überflüssig wirken. Der freakige Candyman "Fanclub" schießt dann im wahrsten Sinne des Wortes den Vogel ab. Welcher Teufel Meyer dabei geritten hat, solche unterbelichteten Figuren ins Drehbuch zu schreiben, weiß wahrscheinlich nicht einmal er selbst.

So verschwand der Candyman still und heimlich ein wenig enttäuschend Ende des letzten Jahrtausends von der Bildfläche, bis im Jahr 2018 erste Gerüchte aufkamen, über ein potenzielles Remake, welches dann 2021 in die weltweiten Kinos kam. Aber hier geht es ja um Candyman 3. Dieser hat mit ein paar annehmbaren blutigen Kills und zwei "funktionierenden" Hauptdarstellern nur wenig nennenswerte Argumente, welche eine Sichtung schmackhaft machen. Letzten Endes sorgen aber jene auch dafür, dass zumindest der harte Kern von Todd bzw. Candyman Anhängern daran gefallen finden könnte.  MovieStar Wertung = Mit beiden Augen zu 4 von 10 Punkte. So verabschiede ich mich jetzt mit den Worten Candyman, Candyman, Candyman, Candyman, Candyman.....


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