Als Alan J.Pekula "All the president's men" 1976 - nach dem Buch der beiden Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein - drehte, konnte man das als direkte Reaktion auf einen einmaligen Vorgang in der us-amerikanischen Geschichte verstehen, der nicht nur wenige Jahre zurück lag, sondern dessen Nachwirkungen noch aktuell waren. Entsprechend erfolgreich war der Film damals an der Kinokasse, denn die "Watergate Affäre", die 1974 im Rücktritt des amerikanischen Präsidenten Richard Nixon gipfelte, war noch in aller Munde. Der Begriff "Watergate" hat sich bis heute als Symbol für investigativen Journalismus gehalten, aber die eigentlichen Hintergründe, mehr noch Pekulas Intention, sind über die Jahre in Vergessenheit geraten.
"All the president's men" wird dem Genre des Polit-Thrillers zugeordnet, das in den späten Sechziger Jahren bis in die Siebziger seine Blütezeit erlebte. Geprägt wurde das Genre von einem wachsenden Misstrauen gegenüber den Führungseliten, das parallel zu den Studentenunruhen und dem Vietnam-Krieg an Schärfe zunahm und auch nicht vor "New Hollywood" halt machte. Doch schon das Anhängsel "Thriller" sollte den kritischen Gehalt der Filme eher diskreditieren, denn dieser assoziiert Action und Spannung - beides Elemente, die Pekula mit seinem Film nicht vordergründig bedienen wollte.
Die beliebteste Form, den politischen Filmen die Seriosität zu nehmen, war und ist der Begriff "Paranoia". Auch wenn für Freunde der Verschwörungstheorien dieses Attribut einen positiven Klang hat, so sollte die Einordnung des Films in Pakula's so genannte "Paranoia Trilogie" eher deren spekulativen Charakter betonen. Von konservativer Seite wurde den kritischen Polit-Filmen ganz allgemein - von Costa-Cavras über Damiano Damiani bis Alan J.Pakula - überbordende, links gerichtete Schwarzmalerei unterstellt. Doch selbst, wenn das im Einzelfall gerechtfertigt wäre, träfe dieses nicht auf "All the president's men" zu, der ja im Gegenteil geradezu dokumentarisch ein Kapitel beleuchtete, dessen Realität sich längst bestätigt hatte.
Doch wer sich dem Film genauer nähert, begreift, warum auch diesem die üblichen Attribute verliehen wurden, denn Pakula ging es nicht darum, längst bekannte Fakten, wie die Bespitzelung und bewusste Verunglimpfung der Demokraten durch die Republikaner, nochmals durchzukauen, genauso wie Nixons Rücktritt nur ganz am Ende in einem Satz erwähnt wird, sondern um das grundsätzliche Aufzeigen totalitärer Strukturen innerhalb einer Führungselite, die sich der demokratischen Kontrolle entzogen hatte. Um so ärgerlicher ist der deutsche Titel "Die Unbestechlichen", der keinerlei Grundlage in der Handlung findet. Keinen Moment geht es um Bestechung in Pakulas Film, nicht einmal um Beeinflussung, denn Bob Woodward (Robert Redford) und Carl Bernstein (Dustin Hoffmann) sind keine eifernden, selbstlosen Weltverbesserer, die sich als Einzelkämpfer durchschlagen, sondern junge, ehrgeizige Journalisten, die eine gute Story wittern.
Dagegen vermittelt "All the president's men" ganz subtil das, worum es hier geht. Eine Machtelite verselbstständigt sich, löst sich von der Gesellschaft, die sie eigentlich vertreten soll, und schafft ihre eigenen Gesetze. Das ein Gegner mit kriminellen Mitteln verunglimpft wird, um die Macht zu erhalten, ist hier nicht das Werk weniger Einzelner, sondern wurde mit absoluter Selbstverständlichkeit über einen langen Zeitraum großflächig organisiert, ohne das diese Vorgehensweise irgendwie in Frage gestellt wurde - Alle gehören zum Präsidenten. Deshalb konzentriert sich Pekula auch so detailliert auf die Arbeit seiner beiden Protagonisten, denn deren unzählige Telefonate, Hausbesuche und entsprechenden Rückschläge verdeutlichen zum Einen, wie viele Menschen in dieser Organisation eingespannt waren, ohne das die Öffentlichkeit etwas davon mit bekam, und zum Anderen, dass es nur Glück und unglaublicher Fleiß war, dass sie der Sache überhaupt auf die Schliche kamen.
Durch das kleinschrittige Verfolgen einer unsicheren Spur, baut Pakula eine erstaunliche Spannung auf, die weder einer übertriebenen Dramatisierung bedarf, noch ein unbekanntes Ergebnis benötigt. Es genügt schon, erleben zu müssen, wie eine fast unüberschaubare Menge an Menschen sich verweigert, sich windet und sich nicht traut, bis die ungeheure Hartnäckigkeit der beiden Journalisten wenige Informationen heraus filtert, die sie letztlich zu einem Puzzle zusammen fügen, dass die demokratischen Kräfte wieder in Gang setzt. Selbst wenn die Story ein paar detektivische Attribute hat, auch bedingt durch den geheimnisvollen Informanten "Deep Throat", so liegt die Betonung mehr auf der Akribie einer Beweisführung, die sich bewusst von den kriminellen Methoden der Politiker-Elite abgrenzt.
Darin wird der generelle Charakter von "All the president's men" deutlich, denn dieser zeigt nicht nur die Gefahr auf, wie ein demokratisches System unmerklich in ein totalitäres umgewandelt werden kann, sondern auch die unbedingte Notwendigkeit, nicht mit den selben Mitteln dagegen vorzugehen, um sich nicht letztlich mit dem Missbrauch eines freiheitlichen Systems gemein zu machen (9/10).