Review

Gerade hatte man Jean-Claude van Damme in „Wake of Death“ endlich mal von einer anderen Seite kennen lernen dürfen, lässt er diese bei „Second in Command“ wieder daheim.
Und was machen sie mit dem armen Kerl?
Schicken ihn nach Moldawien, weil das für die Amis ganz weit weg ist und man sich vorstellt, welch raue Sitten dort wohl herrschen mögen.
Hier soll er nun den Helden innerhalb eines kleinen Bürgerkriegs spielen und das klappt immerhin: Kaum hat van Damme die Botschaft betreten, ist diese klotten.

Als Commander Sam Keenan wird er in das Krisengebiet gerufen, soll den neuen Staatschef vor militanten Anhängern des abgewählten Kommunisten retten und in die US-Botschaft karren. Da Kommunisten seit „Rocky IV“ nichts dazugelernt haben, werden die Amis belagert und es kommt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.

Ein typischer B-Film, wie man sie in letzter Zeit an jeder Ecke des Videothekenregals findet: Irgendwo in Südosteuropa gedreht, nur ein namhafter Darsteller als Zugpferd und eine strunzige Story mit hanebüchenem Inhalt.
Kann sich aber dennoch sehen lassen, das Ergebnis von Regisseur Simon Fellows, denn es geht temporeich zur Sache und von Schusswaffen wird reichlich Gebrauch gemacht.

Van Damme steht selbstverständlich im Zentrum der Action und der schnörkellose Verlauf der Story lässt ihm genug Raum für Heldentaten. Denn seine Ficke gerät immer wieder in Gefahr, zunächst als Geisel, später als Totgeglaubte, so dass er sich todesmutig ins Dauerfeuer stürzen kann – in der Botschaft befinden sich ja nur deshalb über 50 Zivilisten, damit der Held am Ende etwas strahlender dasteht, auch wenn ein Teil von ihnen im Bus hochgesprengt wird.

Und da bleibt auch noch etwas Zeit für Kompetenzgerangel, soll man nun evakuieren oder die Botschaft mit den wenigen Schusswaffen verteidigen?
Am Ende bekommt der Held immer Recht, auch wenn´s keinen Sinn ergibt.
Und wer bei einem typischen van Damme Film den obligatorischen Final Fight erwartet, wird ein wenig enttäuscht werden. Er findet zwar statt und auch ohne Schusswaffen, dafür aber recht kurz und unspektakulär. Ein paar knackige Moves mit Zuhilfenahme eines Messers erinnern leider nur schwach an die gute alte Bloodsport-Zeit.

Was hat Simon Fellows denn optisch so zu bieten?
Spontan fällt mir da der blassgelbe Farbfilter ein, der nur während einiger Szenen mit der Handkamera ausfällt. Etwas eintönig.
Handgemachte Explosionen bessern das eintönige Bild aber wieder auf, auch wenn eine Tunnelsprengung nicht so recht überzeugen kann und die finalen CGI-Hubschrauber nicht so doll animiert wurden.
Etwas merkwürdig wirken einige Zoom-Ins auf Gesichter der Protagonisten, die nie auf Close-Up Einstellung enden, sondern eher wie eine unüberlegte Korrektur bei der Kameraeinstellung, sehr befremdlich.

Aber es geht zackig zur Sache und eine kleine Überraschung wird dem Zuschauer auch geboten (Freunde entpuppen sich als Feinde – hat in diesem Zusammenhang stark an „Stirb langsam 2“ erinnert).
Die vielen Ballereien erzeugen zwar kaum Spannung und allzu blutig ist´s auch nicht, aber dafür kann man van Damme noch einmal als Held erleben und immerhin wurde sein Alter und seine Erscheinung einigermaßen an die Rolle angepasst.

Insgesamt ist das nicht so der große Actionfilm, sondern eher einer, den man nach ein paar Tagen wieder vergessen hat.
Da erinnert man sich nur noch an einen van Damme-Hero und die Tatsache, dass in Moldawien alle russisch statt rumänisch sprechen.
Was soll´s, solange die Amis Osteuropa als Krisengebiet betrachten, wird es noch weitere dieser Low-Budget-Produktionen geben und manche kann man sich ja sogar ganz gut reintun.
6 von 10 Punkten

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