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Nach seinem Aufstieg Wake of Death kann Jean-Claude Van Damme (Leon) auch mit Second in Command wieder an solide Erfolge a'la Maximum Risk oder Double Team anknüpfen, wenngleich man hier keine Granate in Form von Harte Ziele und Universal Soldier erwarten darf. Dafür hat Van Damme erfreulicherweise herausgefunden, dass das stets gleiche blutige Gemetzel am laufenden Bande auf Dauer auch ermüdent sein kann, weshalb er die lokale Action etwas zurück schraubt und auf eine passable Storyline baut. Ein Seagal ist bis jetzt noch nicht dahinter gekommen.

Just, als in Moldawien ein Bürgerkrieg ausbricht und der Mob bereits US-Flaggen auf der Straße verbrennt, tritt Ex-Navy-Seal Samuel Keenan (Jean-Claude Van Damme) seinen Posten als Sicherheitschef in der amerikanischen Botschaft an. Prompt sucht der rechtmäßig gewählte Präsident überstürzt Asyl in der Botschaft, und der Botschafter selbst kommt bei einem Attentat ums Leben. Belagert von schießwütigen Kommunisten muss Sam die Verteidigung organisieren und hat dabei auch mit Streithanseln aus den eigenen Reihen zu kämpfen...

Auch wenn er hier schauspielerisch weniger herausgefordert wird wie in Wake of Death oder In Hell, scheint der kickboxende Belgier wieder Spaß an seinem Beruf gefunden zu haben, weshalb Van Damme nicht mehr so depressiv daher kommt und zudem fit wie ein Turnschuh ist. Seine alte Synchronstimme hat er zudem auch wieder gefunden. So will zumindest ich einen Van Damme sehen. Der restliche Cast wie Julie Cox (Death Machine), Alan Mckenna (Blessed), William Tapley (Trial & Retribution V) und Razaaq Adoti (Doom - Der Film) agieren auf gutem B-Movie-Niveau, auch wenn keiner besonders herausragt.

Vielleicht liegt die recht gute Inszenierung von Second in Command daran, dass Jean-Claude Van Damme nun wieder auf Klasse statt Masse setzt, und dabei heimlich hofft, irgendwann wieder in die Dienste eines Top-Regisseurs (z.B. John Woo) treten zu dürfen. Jedenfalls schlägt er hier den richtigen Weg ein, statt wie Kollege Seagal immer den gleichen öden Mist zu servieren. Mal ehrlich, dessen letzte Filme gleichen sich mehr oder weniger wie ein Ei dem anderen. Second in Command versucht sich hingegen eher als Kriegs-Thriller, weshalb die Action auch ein wenig zu kurz kommt. Das ist aber halb so schlimm, denn die Action, die zu sehen ist, wurde durchweg professionell über die Bühne gezogen und Wert auf etwas Realismus wurde auch noch gelegt. Lange darauf warten muss man auch nicht, denn gleich nachdem unser lokaler Hero eine Reporterin im Hotel in die Künste der Bettakrobatik eingewiesen hat, taucht im gleichen Hotel auch schon der erste Unruhestifter auf, dem Van Damme dann schnell zeigen darf, wie der Hase von nun an läuft. Glücklicherweise ist unser allseits beliebter Belgier noch in Form und besinnt sich bei Nahkämpfen auf seine Martial Arts-Künste zurück. Neben fiesen Aktion wie das Ausdrücken von Augen und Tritte in die Kronjuwelen, lässt Jean-Claude auch eindrucksvoll das Messer schwingen. "Ha, was der Seagal kann, kann ich schon lange!" wird er sich vermutlich gedacht haben. Die Explosionen wurden auch schön altmodisch gestaltet und können (bis auf die Tunnelsprengung) überzeugen. Der CGI-Sklave wird nur selten zu Hilfe geholt, und wenn, dann sieht es aufgrund des niedrigen Budgets etwas billig aus, wenn z.B. die animierten Helis zur finalen Rettung über der Botschaft aufkreuzen. Abseits der routinierten Action konzentriert sich der Streifen auch auf seine Handlung, die man zwar schon von anderen Filmen (z.B. Assault on Precinct 13) kennt, aber immer noch ein gewisses Spannungspotential besitzt. So tappt Second in Command auch nicht in die alte Klischee-Falle mit dem Verräter in den eigenen Reihen, sondern löst diese Situation recht gut. Auch die Atmosphäre und die Optik weisen wenige Mängel auf. Ein bisschen Black Hawk Dawn-Flair kann da schonmal aufkommen. Wird in Sachen Optik ein teilweise dokumentarischer oder realistischer Stil benutzt, so tut sich bezüglich der Akustik leider wenig, was die eine oder andere Actionsequenz bestimmt nochmal aufgewertet hätte. Wie wäre es mit einem richtigen krachigwummigen Score in The Rock-Manier gewesen? Die Verpflichtung eines Hans Zimmers oder Graeme Revells hätte wohl auch das Produktionsbudget gesprengt. Na jut, man kann auch nicht alles haben...

Mein Fazit ist, dass sich die Fans des kickboxenden Belgiers wieder auf sonnige Zeiten freuen können, wenn Jean-Claude diesen Kurs beibehält. Ein absoluter B-Böller in The Mechanik-Manier ist Second in Command zwar nicht, dafür aber passabler Army- & Kriegs-Thrill mit einem wieder aufblühenden Actionstar!

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