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"Du darfst nicht länger schweigen" - der Titel bringt es auf den Punkt. Es geht um vernarbte, aber nicht vergessene Wunden der Vergangenheit, die Menschen wie der Fischer Haldor (Wilhelm Borchert) und seine zeitweilige Verlobte Salvör (Heidemarie Hatheyer) mit sich herumtragen. Und eine zentrale Botschaft dieses filmischen Melodrams nach einer Erzählung von Kristmann Gudmundsson ist: Nur indem man die Verständigung sucht, kann man alten Hass und bittere Enttäuschung überwinden.

Heidemarie Hatheyer, eine Garantin für die glaubwürdige Darstellung zweifelnder, enttäuschter, wenn auch nicht verzweifelter Frauengestalten, gibt der zurückgewiesenen stolzen Frau ein überzeugendes Gesicht. Die Figur Salvör erinnert in ihrem Stolz, der das Gegenbild zu dem Charakter der Frau, an die sie Haldor verliert, der als passiv-empfindsam dargestellten Maria, abgibt, an die noch vom Heidentum gekennzeichneten eigenwilligen Frauenfiguren isländischer Sagas. Dem Autor der Literaturvorlage, der in ärmlichen Verhältnissen auf Island aufwuchs, werden diese Geschichten bekannt gewesen sein. Wohingegen die Salvör entgegengesetzte Figur Maria (Ingrid Andree), der dieser Name sicher nicht ohne Grund seitens des Autors zuteil wurde, schon durch ihre kniende Haltung beim Betreten von Haldors Haus auf die Demut verweist, die das christliche Frauenbild einfordert.

Robert A. Stemmles Einrichtung der Vorlage und Inszenierung weiß solche Schlüsselszenen sinnfällig zu gestalten. Wie auch in einer Szene, in der Salvör von Haldor mit der Auflösung der Verlobung konfrontiert wird und ihn mit dem Gegenstand seines Treueversprechens, einem metallverzierten Gürtel - also einem traditionellen Symbol der Jungfräulichkeit, aber auch der weiblichen Hausgewalt - ins Gesicht schlägt. Hier wird die sprichwörtliche Wunde seelischer Natur zu einer ganz konkret sichtbaren, und dass Haldor sie so lange mit der Hand bedeckt hält, mag auch für seine Scham bezeichnend sein, die ihm der Treuebruch bereitet.

Wer ein wenig bewandert im deutschen Film der 50er Jahre ist, der wird beispielsweise auch Paul Henckels wiedererkennen, der als Musiker und "Allerhandmann" ein wenig für Heiterkeit sorgt. Dass sein Drehleierspiel in der Nachvertonung mit Gitarrenklängen wiedergegeben wird, mag als Kuriosität am Rande verzeichnet bleiben. Auch Darsteller wie Werner Hinz als philanthropischer Kaufmann Samuelsen und der junge Piet Clausen als Ragnar bleiben sehr positiv im Gedächtnis. Es bleibt nur zu hoffen, dass diese Epoche des deutschen Films auch weiterhin durch Neuveröffentlichungen gewürdigt wird.

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