Erst war es ein europäischer Hit, dann müssen die Amis natürlich von einer relativ neuen Idee ein Remake schaffen. Nur leider ist dann auch immer ein amerikanisches Merkmal, einen Film nie so kompromißlos und europäisch aufzuziehen, sondern ihn zu domestizieren. Man schleift die Ecken ein wenig ab, fügt ein Happy End bei und sorgt für namhafte Besetzung in allen führenden Rollen, so daß das Euro-Remake-Geschrei nicht die US-Zuschauer fernbleiben läßt, die jede je existierende Idee auf amerikanische Gedanken zurück führen.
Statt Anne Parillaud jetzt also Bridget Fonda, der man ja ebenso gut einen fransigen Bubikopf verpassen kann und die somit ideal aussieht, um alle nötigen Besson-Einfälle eins zu eins zu kopieren.
Und so geschieht es dann auch.
Wer also Bessons Film kennt, kennt diesen hier auch und zwar wie durch Butterbrotspapier abgepaust. Klar sieht man das Budget, das hier geflossen ist, der Ton ist nicht ganz so kühl, die Szenen und Bilder sind runder, die Farben wärmer, die Verhaltensweisen amerikanischer, aber das macht die Story nicht unbedingt besser.
Dazu kommt noch, daß Fonda reichlich blass bleibt in dem Bemühen, Gefühle zu erwecken, die die ganze Bandbreite unserer Emotionen abdecken.
Das natürliche Grauen fehlt allerdings, denn dieser Film wirkt nur noch wie ein Kunstprodukt, ohne Bezug zur Realität.
Dabei ist die Besetzung sonst adäquat zusammengesucht. Gabriel Byrne hat die nötige Tiefe, um in Karyos Fußstapfen zu treten, Ferrer wie immer das funktionelle Arschloch, Mulroney der glatte, schöne Liebhaber, Bancroft eine angenehm graue Eminenz und Keitel ein schöner Cleaner, aber gerade weil es so bedächtig ausgesucht wurde, wirkt es steril und konturenlos. Auch die kalte Brutalität der Vorlage wurde in eher kalkulierbarere Werte umgesetzt, was nicht gerade aufregend wirkt.
Wer das Original nicht kennt, wird sich passabel unterhalten fühlen, alle anderen werden vermutlich das Gefühl der Überproduziertheit vermutlich über die volle Länge nicht los. (4/10)