Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen Originalversion von Warner.Bros!
"Codename: Nina" von John Badham ist die Neuverfilmung von Luc Bessons Killerballade "Nikita". Da ich das Original nur schwach in Erinnerung habe, ziehe ich keinerlei Vergleiche, sondern beschränke mich nur auf das Remake.
Um es gleich auf den Punkt zu bringen: mit dem Actionfilm "Blue Thunder - Das fliegende Auge", der Bram Stoker-Adaption "Dracula ´79", der Actionkomödie "Ein Vogel auf dem Drahtseil" oder dem Real Time-Thriller "Gegen die Zeit" bewies Badham nicht nur Vielseitigkeit als Regisseur, sondern vor allem auch mehr Fingerspitzengefühl.
"Codename: Nina" verfügt zwar über ein beachtliches Star-Ensemble, ist aber nichts weiter als ein perfekt fotografiertes, hochglanzpoliertes und mit etwas Action aufgemotztes Thriller-Drama, das weder hier noch da überzeugen kann.
Bridget Fonda meistert die Wandlung von der Koksschlampe zur professionellen Auftragskillerin mit Bravour, wirkt aber in ihrem Kostüm und der langweiligen Frisur mehr wie ein Mauerblümchen beim Vorstellungsgespräch für einen Job als Sekretärin.
Darüber hinaus wirken die dramatischen Elemente viel zu aufgesetzt und kommen aufgrund einer viel zu lang gezogenen Einführung mitsamt den geschwätzigen Trainingsstunden zu kurz, wobei Ninas Zerrissenheit zwischen Pflichterfüllung und Liebesleben mehr Raum verdient hätte. Vor allem ihre ständigen Bettgeschichten mit dem Fotografen J.P., der von Dermot Mulroney naiv und nervtötend zugleich verkörpert wird, sind auf Dauer nur ermüdend und wirken wie Lückenfüller zwischen diversen Mordaufträgen.
Auch in puncto Action kann Badhams Film nicht annähernd überzeugen. Die einzelnen Attentate und Schießereien sind zwar handwerklich routiniert inszeniert, insgesamt kommt das Feuerwerk trotz einiger Shoot-Outs zu steril herüber und lediglich Ninas Abschlussprüfung im Restaurant kann den Zuschauer etwas überzeugen.
Da man den Verlauf der Handlung - auch ohne das Original gesehen zu haben - vorausahnen kann, hält sich auch die Spannung arg in Grenzen, zumal das Spektakel ohnehin sehr emotionslos in Szene gesetzt wurde.
Der deutsche Komponist Hanz Zimmer hat auch schon wesentlich bessere und dynamischere Scores abgeliefert - bei "Codename: Nina" sind es einzig die choralen Gesänge, die den Streifen noch adäquat untermalen.
Während Harvey Keitel in seiner Nebenrolle als Cleaner noch das unspektakuläre Finale etwas aufpeppt, sind es vor allem die streckenweise erschütternden Dialoge, die so weh tun, dass man sich eine Kugel aus Ninas Waffe wünscht, um sich selbst oder die Drehbuchautoren zu erschiessen.
"Codename: Nina" ist ein langweiliges Hochglanzprodukt mit der Substanz einer Seifenblase. Routiniert abgedrehter Durchschnitt, mehr langatmig als aufregend und nur mit Wohlwollen und ausreichend Sitzfleisch zu ertragen.