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Der finale Kurzfilm in der Kompilation „Animatrix" handelt von einer Widerständlerin, die in der realen Welt von zwei Maschinen verfolgt wird. Sie flieht durch ein Tunnelsystem, welches in einem Experimentallabor endet. Die Menschen wollen nach deren Ausschaltung eine der Maschinen aus der Sklavenschaft der Matrix befreien und sie von der „realen Welt" und dem Anschluss an die Resistence überzeugen. Die Verwandlung beginnt in einem virtuellen Computerprogramm...

Anhand dieses kurzen inhaltlichen Abrisses vermag man schon erkennen, dass „Matriculated" die ursprüngliche Idee von „Matrix" umkehrt: nicht mehr Menschen sollen in die „Matrix" eingespeist werden, sondern Maschinen sollen freiwillig auf die Seite der Widerstandskämpfer, der Menschen konvertieren. In einem kurzen, aber äußerst interessanten Gespräch nach 4 Filmminuten dieses 15-Minüters wird dann auch die Logik dieses zunächst absurd erscheinenden Vorhabens deutlich: Maschinen sind in der Matrix Sklaven, Werkzeuge. Sie können nicht zwischen „realer Welt" und „virtueller Welt" unterscheiden. An dieser Stelle wird Jean Baudrillards Simulationstheorie in seinem Werk „Agonie des Realen" wieder aufgegriffen: Woher wollen die Menschen wissen, dass sie sich hier in der Ödnis und beim Kampf gegen die Maschinen in der realen Welt befinden und nicht in einer weiteren Simulation? Woher wissen sie, dass sie nicht gerade träumen? Die Antwort lautet: Sie wissen, wie es ist, zu träumen und wissen, dass ihr Verstand existiert. „Cogito ergo sum". Selten wurde mit Descartes´ Formel und Versatzstücken der Aufklärung soviel Travestie betrieben wie hier. Doch während „Matriculated" philosophisch genau an dieser Hürde scheitert oder zumindest eine gewisse Fragwürdigkeit an den Tag legt, offenbart der Film abseits dieser Ebene durch psychedelische Bilder einer virtuellen Welt sein optisches und inhaltliches Potenzial: Erkennen Maschinen die krasse Virtualität der Simulation abseits der „Matrix"? Können Maschinen lernen ohne vom Menschen umprogrammiert zu werden und besitzen sie eigenen, rationalen Verstand? Alles Fragen, die gestellt und zum Teil nur durch die kryptische und lose Aneinanderreihung von Symbolen und visuellen Denkfiguren beantwortet werden. Die Mischung aus Zeichnungen und 3D-Animationen sind sehr gelungen, bedürften jedoch einer Erklärung, die der Film nicht liefert.

Fazit: „Matriculated" variiert das Schema der eingespeisten Menschen durch die Idee, dass dies auch mit Maschinen möglich sein könnte. Allerdings fehlt dem Film dabei die klare Struktur und der Zusammenhang besonders in den Szenen des virtuellen „Konvertierungsprozesses". So kann man „Matriculated" eine gewisse Faszination nicht absprechen, inhaltliche Plausibilität jedoch umso mehr.

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