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Vielleicht sollte es Hollywood endlich einmal lassen, jeden Film, der in den 70ern oder 80ern gut lief als Remake für das neue Jahrtausend zu adaptieren. Da wurde "TCM" in Werbeclipästhetik verpackt und von Michael Bay produziert, der "Hügel der blutigen Augen" von "High Tension"-Regisseur Alexandre Aja wurde zeitgemäß mit dem englischen Originaltitel wiederaufgeführt. Waren das noch Beispiele für recht gelungene Neuauflagen, so ist "Unbekannter Anrufer" - ein Remake von "Das Grauen kommt um 10" - dies nicht. Die Story wirkt mittlerweile wie der 20. Abklatsch von "Scream", die Charaktere sind flach und handeln bar jeder Logik, der Film langweilt streckenweise sogar.

Die Story: Gill (Camilla Belle) hat ihre Telefonrechnung übersprapaziert und darf die Schulden bei ihren Eltern als Babysitterin "abarbeiten". Das natürlich nicht irgendwo, sondern (Achtung Klischee:) in einem architektonisch ausgefeilten Designerhaus am Arsch der Welt. Natürlich ist die Nacht stürmisch und nass-kalt, so dass sie irgendwann ein unheilvoller Anrufer erst telefonisch, dann persönlich lebensbedrohlich belästigt...

So weit, so gut. Doch leider hat der unoriginelle Film deutliche Schwachpunkte. Das Motiv, warum der Killer Gill heimsucht, wird nicht klar. Warum plötzlich eine Freundin von Gill vor der Tür steht, um sie zu besuchen noch viel weniger. Vielleicht wollte der unfähige Drehbuchautor damit eine mögliche Verdächtige liefern. Der sonst so actionerprobte und traumwandlerisch sichere Regisseur Simon West ("Con Air") versagt ebenso auf ganzer Linie: den Killer bekommt man erst nach über einer Filmstunde dieses (dieses zum Glück bloß) 80-Minüters zu sehen, dann gibt es mal einen kurzen, aber zumindest spannendes Katz-und-Maus-Spiel zu sehen, das wiederum recht enttäuschend endet. Am Ende des Films im (SPOILER:) Krankenhaus steht eine ärgerliche, da obligatorisch-einfallslose Traum-Pointe. Auch zwei oder drei gelungene Schockeffekte über den gesamten Film verteilt, verlagern die Amplitude der Spannungskurve nicht wirklich signifikant nach oben. Obwohl das düstere Szenario durchaus beklemmend ist, verliert der Zuschauer spätestens nach einer halben Stunde Langeweile, Ereignisarmut, etlichen Pseudoschocks und Beziehungsproblemen - kurz: irrelevanten Belanglosigkeiten - die Geduld. Während es im Original ordentlich zur Sache ging (Kinder tot), wurde hier Gewalt für eine niedrige Freigabe - bis auf ein oder zwei Szenen beim Showdown - tunlichst vermieden. Ebenso verhält es sich mit der Logik: Warum latsche ich durchs Haus, wenn ich weiß, (WIEDER KLEINER VORHERSEHBARER SPOILER:) dass der Killer da irgendwo rumgeistert? Und warum hole ich nicht schon nach dem ersten seltsamen Vorfall die Polizei? Na ist ja auch Wurscht, wen interessiert das schon. Dann musste aber noch die verquast-designte architektonische Meisterleistung von Haus mit betont künstlerischer Ader bemüht werden. Warum? Wahrscheinlich deswegen, weil genau solche extravaganten Buden in "Panic Room" und "Hostage" Spannung generierten - was hier leider nach endlosen Aneinanderreihungen von Pseudo-Schocks und hanebüchenen Logiklöchern nicht mehr gelingen will. Auch sieht dabei Glaubwürdigkeit anders aus: Dieses Pseudo-Künstleratelier von Haus wirkt ebenso wie das Ehepaar kinderfeindlich ohne Ende. Warum sie dennoch welche haben bei ihrem scheinbar hoch selbstbewussten Lifestyle bleibt ebenso wie der Killer draussen im Dunkeln. Wenn wenigstens die Figuren interessant wären - doch es werden leider nur die obligatorischen, flachen Stereotypen geliefert, mit denen man sich nun aber absolut nicht zu identifizieren vermag. Von den Klischees von schlechter Verbindung bishin zu Idiotie des Killers will ich hier gar nicht erst anfangen.

Fazit: "Unbekannter Anrufer" ist ein nur streckenweise spannender, gänzlich ironiefreier Pseudo-Schocker ohne eigene Ideen und Logik. Nicht richtig schlecht, aber einfach nur enttäuschend; die durchaus beklemmende Ausgangssituation wird gänzlich zugunsten von Teenie-Problemen verschenkt und zu viele Fragen bleiben offen. Schwach.

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