Review

Fangen wir mit was Gutem an: Regisseur Simon West, der uns mit „Con Air“ wenigstens einen brauchbaren Action-Schinken geschenkt hat, versucht sich bei seinem „When a stranger calls“-Remake in Sachen Spannungsaufbau.
Bei nur etwas über 80 Minuten Lauflänge beutet er eine Situation breit aus, die Story eines babysittenden Teenagers in einem abgelegenen Haus am See, die erst von einem unbekannten Anrufer per Telefon und dann von ihm persönlich bedrängt wird, ein psychopathischer Killer offenbar.

Ohne jetzt in unkontrollierbare Gore-Orgien abzurutschen, setzt West dabei komprimiert auf Suspense und sorgfältig abgezirkelte Schocks und bezieht die komplette Atmosphäre aus dem weiträumigen phantasievollen Haus und seinen vielen dunklen Ecken.

Leider war es das aber dann auch schon mit den guten Momenten, alles weitere ist eher dürftig ausgefallen, wobei ein schwaches Drehbuch noch den Tiefpunkt darstellt.
Zunächst wären die Positiva einzuschränken, indem man leider melden muß, dass man Suspense auch überspannen kann, oftmals lässt West seinen Spannungsaufbau über einen endlose Brücke gehen und das kann nur funktionieren, wenn dann die Überraschungen nicht mit endloser Ansage kommen.
Unbedarfte Naturen und Leute, die eh keine Horrorfilme gucken, jagt das sicherlich immer noch eine Höllenangst ein (die Situation ist ja auch durchaus realistisch), alte Horrorfilm-Buffs kratzen sich dabei nur müde am Po.

Da fällt es dann auch unangenehm auf, dass die Grundsituation erstmal fast eine Stunde aufwendet, ehe es dann in der Schlußviertelstunde richtig zur Sache geht, aber da ist der Drops schon gelutscht, zusätzlich wird man durch ein apruptes Ende brüskiert, die nur ein „was, das war’s schon?“ provoziert. Ein angehängter Schlußgag wirkt da auch nicht gerade einfallsreich.

Aber noch andere Schwächen winken fröhlich in diesem Sammelsurium aus alten Slasherfilmen, in denen weibliche Teenager „Ist da wer?“ rufend durch dunkle Häuser laufen.
Da wäre zunächst mal die Exposition, die eine ganze Reihe von Nebenfiguren einführt, ohne dass sie für den späteren Film von Bedeutung wären.
Der Ex-Freund taucht auf, spielt aber nur als Testanrufer eine Rolle und verschwindet dann, dafür taucht zwischendurch eine Blondinen-Tiffze (die auch noch Tiffany heißt) auf, ohne dass das was bringen würde. Obwohl schon total verängstigt, schickt unsere Heldin sie aber sinnfrei wieder weg, woraufhin Tiffie dem Urvater aller Horrorklischees zum Opfer fällt: Wagenschlüssel fällt runter (und sofort einen halben Meter unter den Wagen), dann steigt man ein, dann liegt ein Mini-Ast im Weg, man steigt wieder aus und wird ermordet…gääähn…).

Die Schlüsselelemente des Showdown werden uns ferner mit dem Holzhammer serviert und Intelligenz und totale Dummheit wechseln sich bei der Protagonistin munter ab, übrigens der unmotivierteste Babysitter aller Zeiten, der erst durch den Killer erinnert werden muß, dass auch noch Kinder im Haus sind. Die wiederum sind unerklärlich einfallsreich im Versteckfinden, während sie sich in die Hose machen.
Ansonsten faustgroße Löcher im Plot, wohin man sieht, die Musik dröhnt, wo Stille effektiver gewesen wäre und dass tatsächlich einmal die mehrfach groß eingeblendete Katze für einen „Schock“ herhalten muß ist fast schon eine Beleidigung.

Den Vergleich zum Original sollte man lieber scheuen, außer der Grundsituation ist nichts geblieben, der klassische Anruf ist nicht mal ein Höhepunkt, die gesellschaftskritischen Bezüge sind komplett verschwunden.

Am Ende werden ein paar Teenager dennoch oft genug in den Film gelaufen sein, um eine Fortsetzung zu generieren, die durch die ganzen Halloween-Bezüge eh schon aus der letzten Reihe schreit, aber wirklich wertvoll scheinen hier höchstens das aufregende Setdesign und der Umgang mit Licht und Schatten zu sein. (4/10)
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