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Und weiter geht es mit der Reihe "Remakes - Die die Welt nicht braucht", Heute: "Unbekannter Anrufer", basierend auf "When a Stranger Calls" aus dem Halloween-Folgejahr 1979. Im Schatten von "Halloween" vollkommen zu unrecht untergegangen, war "When a Stranger Calls" sicher einer der spannendsten und packendsten Filme, die je auf Zelluloid gebannt wurden, zumindest was Anfang und Ende betraf. Im Mittelteil wurde aus dem Horror dann ein annehmbares Killerdrama, dass sich redlich um die Vertiefung des Killercharakters bemühte und dies auch interessant hinkriegte, wenn auch nicht ganz ohne Längen. So einen Film 1:1 für das heutige Mainstreampublikum, welches nach glattgebügelter US-Horrorware ja derzeit nur so geifert, umzusetzen, wäre glatt zum scheitern verurteilt und somit entschieden sich Regisseur Simon West und Drehbuchdebütant Jake Wade Wall, nur die ersten 20 Minuten neu zu verwursten. Herausgekommen ist dabei ein vollkommen lahm ausgefallenes, viel zu aufgeblasen wirkendes Remake, das keinen Horrorfreund hinter den Ofen hervorlocken kann.

Story- und Drehbuchmäßig darf man schon mal absolut nichts erwarten und wenn ich absolut sage, dann meine ich das auch. Denn in diesem Punkt dürften wir es schon einmal mit einem der lächerlichsten und inhaltfreisten Horrorkinofilme zu tun haben, die es in den letzten Jahren so gegeben hat. Die Geschichte ist mit zwei Sätzen erzählt. Eine junge Frau wacht eines Abends als Babysitter über die Kinder eines stinkreichen Doktorpaares. Plötzlich bekommt sie merkwürdige Anrufe eines Mannes, der anscheinend nichts besseres zu tun hat, als junge Frauen zu erschrecken, bis die Babysitterin plötzlich erschreckt feststellt, dass die Anrufe aus dem selben Haus kommen. Mehr braucht es nicht zu wissen, da mehr Geschichte einfach nicht da ist. Im Grunde kriegen wir eigentlich nicht viel mehr zu sehen, als 80 Minuten anhaltenden Telefonterror der lahmsten Sorte, ab und zu unterbrochen von dem ein oder anderen Anruf einer der Freunde der Babysitterin. Charaktervertiefung, geschickte Wendungen oder ähnliches sind absolut nicht auszumachen, höchstens Anfänger werden vielleicht ab und an mal leicht überrascht werden. Horrorfreaks gähnen aber schon nach den ersten fünf Minuten.

Aber nicht nur die Story an sich ist kriminal lasch ausgefallen, auch das Drehbuch gehört Autor Jake Wade Wall links und rechts um die Ohren gedroschen. Nicht nur das er die Handlung wirklich nahezu durchgängig von einem Anruf nach dem anderen prägt und dabei völlig vergisst auch mal ein bisschen mehr Handlung Drumherum zu bauen, er lässt das ganze Treiben auch wirklich immens unlogisch daherkommen. Obwohl ich ja eigentlich keiner der Rezensenten bin, die sich gleich über das minimalste Logikloch höllisch aufregen, erst recht nicht bei einem Horrorfilm, so muss ich dieses mal aber dennoch zugeben, dass man es hier mitunter mit Logikbrüchen zu tun hat, die selbst der nachgiebigste Kinogänger nicht ungeschoren davon kommen lassen kann. Beispiele gefällig? Als der Killer Jill (die Babysitterin) von dem Handy ihrer Freundin aus anruft, wird der Name der Freundin auf dem Display des Haustelefons angezeigt. Wie kann das sein? Hat Jill sich etwa wirklich die Mühe gemacht und die Nummer samt Namen in das Telefon abgespeichert? Und wenn ja, warum sollte sie das, für die paar Stunden die sie in dem Haus verbringt, machen? Und noch ein Beispiel: Als Jill die Polizei anrufen möchte, lässt sie sich über die Auskunft(!) mit einem Sheriff in ihrer Nähe verbinden. Als sie ihn einige Zeit später wieder anruft, weiß sie plötzlich die genaue Nummer dieses Sheriffs aus dem Kopf. Woher denn bitteschön? Er hat ihr diese doch gar nicht genannt. Und wie konnte Jills Freundin durch die Zaunabsperrung kommen? Und warum hebt Jill die Taschenlampe nicht auf, als diese ihr aus der Hand fällt? Und wieso, um Himmels willen, geht sie wirklich jedes mal ans Telefon, wenn sie doch schon lange weiss, dass wieder nur dieser Blödmann sie anklingelt? Da würde ich doch einfach die Telefonstrippe aus der Telefondose ziehen! Und wieso ist jedesmal keiner erreichbar, wenn Jill mal selbst telefonieren möchte (von der Polizei mal abgesehen)? Fragen über Fragen (und das gerade hier Genannte ist nur ein minimaler Bruchteil), auf die das Drehbuch einfach keine Antwort geben möchte und die beim Zuschauer unaufhörliches Kopfschütteln bewirken.

Und selbst wenn man es wirklich schaffen sollte, über all die klaffenden Ungereimtheiten hinwegsehen zu können, wird einem immer noch nicht viel geboten. Ein wirkliches Gruselgefühl kommt z. Bsp. kaum auf, da einem der Täter viel zu harmlos erscheint. Hübsch brav auf PG-13 getrimmt, lässt der Killer am Telefon nur äußerst selten mal eine Drohung oder ähnliches vom Stapel. "Sehen sie nach den Kindern" wird genau einmal gesagt und "Ich will dein Blut auf meiner Haut spüren" ist vielleicht auch noch mal leicht erschreckend. Ansonsten wird noch ein bisserl ins Telefon gestöhnt und das wars dann auch schon. Sicher, im realen Leben könnte man davon vielleicht wirklich Schiss kriegen, aber im Film? Dazu kommt, dass die Schockeffekte allesamt viel zu vorhersehbar sind und schon auf weitem Flur "gerochen" werden können. Einzig und allein im Finale kommt dann mal etwas Abwechslung und Tempo ins Programm, aber wirklich überzeugen kann auch das nicht. Kurzum, zum Gruseln ist "Unbekannter Anrufer" wirklich nur bei blutigsten Anfängern geeignet.

Einziger rettender Punkt ist die grundsolide Inszenierung des hirnrissigen Treibens. Wie so oft, so greift natürlich auch West in die allseits beliebte und meist recht wirkungsvolle Horrorklischeetüte und fischt dabei z. Bsp. einen ganz nett wirkenden Sturm, einige exzellente Kamerafahrten, eine gute Ausleuchtung des Sets, sowie einen wirklich brachial klingenden Score heraus. Wirklich Innovativ ist dabei allerdings nichts, doch bei Anfängern kann dadurch die ein oder andere Schweissperle sicher dennoch hervorgerufen werden. Alteingesessene werden sich aber höchstens über den ein oder anderen geschickt gesetzten Soundeffekt erschrecken, z. Bsp. wenn ihnen plötzlich eine Taube um die Ohren fliegt. Ansonsten dürfte ihnen aber selbst die Inszenierung einfach nur zu gewöhnlich vorkommen.

Darstellermäßig gibt es nicht viel zu berichten, da man es ja die ganze Zeit eigentlich nur mit einer einzigen Darstellerin zu tun hat. Und diese, Camilla Belle ist ihr Name, sieht vielleicht ganz nett aus, hat in Sachen Schauspielertalent aber nicht viel zu bieten. Die völlig verängstigte Figur der Jill nimmt man ihr jedenfalls absolut nicht ab. Allerdings sehen ihre Kollegen (in punkto Schauspielerei) auch nicht viel besser aus, nur kriegt man diese eben kaum zu Gesicht. Im US-Original kann man sich allerdings über Lance Henriksen freuen, der dem Fremden am Telefon seine Stimme leiht. Ansonsten herrscht aber auch in diesem Punkt Ebbe.

Fazit: Langweiliges und völlig unnötiges Remake des Horrorklassikers "When a Stranger Calls", was mit seinem Vorhaben, 20 sauspannende Minuten auf 90 Minuten aufblasen zu können, kläglichst scheitert. Die Story ist ein Hauch von Nichts, das Drehbuch löchrig bis zum geht nicht mehr, die Gruselstimmung auf absolut jugendfreiem Niveau und die (weitgehendst solide) Inszenierung viel zu gewöhnlich, als das sie Alteingesessenen noch etwas antun könnte. Aufgrund des wuchtigen Scores, sowie den annehmbaren Werten in punkto Soundeffekten und Ausleuchtung, können Anfänger sicher dennoch einen Blick riskieren, doch wirkliche Alpträume, so wie sie beim Original durchaus möglich sind, dürften selbst sie nicht bekommen. Alles in allem somit wirklich unnötig wie ein Kropf und nur bei ganz sanften Gemütern wirklich erschreckend!

Wertung: 3,5/10 Punkte

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