Und noch n Remake.
Manchmal müssen auch fast vergessene Perlen dran glauben, wie das 1979 entstandene „Das Grauen kommt um 10“. Regisseur Simon West („Tomb Raider“) hat es tatsächlich gewagt, die ersten 20 Minuten des Originals auf gut 80 Minuten aufzublasen.
Das Original: Babysitterin Jill wird von unbekanntem Anrufer terrorisiert, der sich die ganze Zeit im Haus befand und die Kinder bereits getötet hat, die Polizei nimmt ihn fest, er landet in der Psychiatrie, kommt raus und hat es erneut auf die Babysitterin von damals abgesehen, die mittlerweile selbst Mutter ist.
Das Remake: Babysitterin Jill wird von unbekanntem Anrufer terrorisiert.
Da muss eine junge Camilla Belle als Babysitterin fast die komplette Handlung tragen, denn sie und ihr Telefon stehen fast allein im Vordergrund.
Die Frau sieht zwar vom Scheitel bis zur Sohle knuffig aus, agiert aber nur bedingt überzeugend, nämlich in den Szenen, wo es um Angst und Panik geht.
Und die bekommt der Zuschauer leider nur allzu selten zu spüren.
Anstatt sich auf die Angst vor dem Unbekannten zu konzentrieren und somit Spannung zu erzeugen, reißen Anrufe von High School Mitschülern das Niveau immer wieder runter. Und dann noch der unerwartete Besuch der ehemals besten Freundin, die mit Jills Typen gepimpert hat, verschwinden soll und selbstverständlich als Todesopfer irgendwo im Haus wieder gesichtet wird…
Die Bedrohung wird als solche kaum erfasst und man hat fast schon den Eindruck, als würde West die bekannte Szene aus „Scream 1“ wiederholen und bis zum Erbrechen ausschlachten.
Im Original hörte man immer wieder dieses angsteinflössende „Haben sie nach den Kindern gesehen?“ Hier kommt´s nur einmal.
Doch Überraschung: Anders als in der Urfassung sieht Sitterin Jill nach, beide Kinder schlafen und im Verlauf muss sie innerhalb des Luxuslandhauses mit zwei dauerhaft brüllenden Blagen vor dem Killer flüchten, dessen Motiv nicht näher erläutert wird. Man erfährt zu Beginn nur, dass er in der Nähe eines Rummelplatzes bereits eine Familie ausgelöscht hat.
Die Jagd gerät zwar ansehnlich temporeich und seitens Jill auch geistreich, wird aber viel zu abrupt und unspektakulär beendet.
Nun ist das Setting natürlich ein anderes als damals. 1979 reichte ein einfaches Gebäude vollkommen aus, da man voll sich auf die unscheinbare Macht des Anrufers konzentrierte.
Nun muss jedoch etwas Ansehnliches her: Ein High Tech Landhaus inmitten der urigen Wald-und-Seelandschaft Colorados darf es schon sein: Alarmanlage, Wärmesensoren, Fernbedienung für den Kamin…
Das gibt für die allgemeine Optik durchaus etwas her, wenn das geräumige Haus in bunten Farben zurückhaltend erleuchtet wird und außerhalb ein Regensturm naht, weil das Finale nicht mehr weit ist.
Dennoch lässt all dies keine dichte Atmosphäre entstehen, - austauschbar, zu modern, zu verspielt und zu sehr ablenkend vom eigentlichen Kern.
Dazu ertönt die Musik mit zumeist wallenden, grummeligen Klängen und das dauerhaft und fast ohne Verschnaufpause. Ein gezielter Einsatz wäre hier Gold wert gewesen, wenn der Rest schon nicht viel bewirken kann.
Gelangweilt habe ich mich nicht, wohl auch, weil ich natürlich ständig das Original im Hinterkopf hatte. Aber als eigenständiger Film bietet Wests Remake doch zu wenig.
Sollte ein Remake nicht bestenfalls zeitgemäß sein und die Schwachstellen des Originals ausbessern?
Die ersten Minuten des Originals waren optimal, so etwas lässt sich nicht auf Spielfilmlänge ausdehnen.
West hat´s versucht, ist zwar nicht komplett gescheitert, aber eine positive Überraschung ist´s leider auch nicht geworden.
Einmal mehr ziehe ich das Original vor.
5 von 10 Punkten