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Die junge Jill Johnson muss eine überzogene Handy-Telefonrechnung abstottern und wird deshalb von ihren Eltern zum Babysitten verdonnert. So muss sie am Abend einer Schul-Party die beiden Kinder des Ehepaares Mandrakis in deren abgelegenen Luxus-Domizil am Rande eines Wäldchens hüten, was sich zunächst recht langweilig anlässt. Unheimlich wird es, als Jill in dem (fast) menschenleeren Haus immer wieder von seltsamen Anrufen aufgeschreckt wird... und bei dem besagten "Unbekannten Anrufer" handelt es doch glatt um einen polizeilich gesuchten Massenmörder, der erst kürzlich eine komplette Familie mit bloßen Händen in kleine Stücke gerissen hat und nun Jill und ihre beiden Schützlinge ins Visier nimmt... Eigentlich hatte "Con Air"- und "Lara Croft: Tomb Raider"-Regisseur Simon West ja durchaus die richtige Idee, sich für seine vorliegende Neuverfilmung von Fred Waltons 1979er-Thriller "Das Grauen kommt um 10" lediglich auf dessen Beginn zu konzentrieren und den besten Teil - nämlich eben die zwanzigminütige Intro-Sequenz - quasi auf abendfüllende Länge aufzupumpen. Das Ergebnis ist ein recht anachronistischer Streifen geworden, der nochmal satt das Psychopathen-Kino der späten 70er Jahre aufleben lässt, mit seiner gewalttechnisch entschärften Teenager-in-Angst-Masche knappe zehn Jahre nach Wes Cravens "Scream - Schrei!" aber auch noch ganz gut in die Nachwelle des 90er-Neo-Slasher-Booms passt und eigentlich ziemlich perfekt auf eine jugendliche Zielgruppe zugeschnittenen Thrill und Spannungs-Momente liefert. Die Kids von vor 20 Jahren mögen sich bei "Unbekannter Anrufer" demnach auch vollumfänglich abgeholt gefühlt haben, der erwachsene Rezipient hingegen hatte schon damals das Problem, dass das alles inhaltlich doch ziemlich abgetakelt und altbekannt dahergekommen ist... und das nicht nur, wenn man Waltons Original bereits kennt, denn das dient hier wie gesagt ja eher als, hmm, "Inspiration" denn Vorlage. Dessen psychologische Verwinkelungen bezüglich des Killers wurden dann auch gänzlich zugunsten oberflächlicher Suspense-Unterhaltung und eines ausgedehnten Final-Girl-Finishs über Bord geschmissen, wodurch der Film auf der anderen Seite aber erzählerisch auch absolut fettfrei daherkommt und eigentlich über die gesamte Distanz wie geschmiert läuft. Inszenatorisch ist Simon West mit einigen passend getimten Schocks auf der sicheren Seite und auch die aufwendig gestaltete Studio-Kulisse des Hauses wird gut genutzt und immerzu ins rechte Licht gerückt, weswegen das Ganze als eher familienfreundliche Variante eines typischen Schlitzerfilm-Stoffs doch durchaus irgendwie okay ist. Nur Camilla Belle als Jill ist da echt mal keine zweite Jamie Lee Curtis, dürfte aber für die Zuschauer im korrekten Alter zumindest noch als akzeptable Indentifikations-Figur fungieren. Dem von Narbengesicht Tommy Flanagan gemimten Irren leiht im amerikanischen Original übrigens Lance Henriksen für die Anrufe seine markante Stimme, was für den Genre-Veteran bestimmt ein leicht verdienter Scheck gewesen ist, denn der hat hier nur vier oder fünf Zeilen Text. Noch 'ne ganz persönliche Anmerkung zum Schluss: Ich ziehe den 2006er-"Unbekannter Anrufer" sowohl dem 1979er-Original als auch dessen TV-Fortsetzung "Stimme der Dunkelheit" von 1993, die für meine Begriffe seit jeher weit über Wert gehandelt wurden und beide ziemlich langweilig sind, definitiv vor...!

6/10

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