Review

Es gibt unzählig viele Filme nach deren Genuss ich das Kino mit enttäuschtem Blick und einigen Euros weniger in der Tasche verlassen habe und sich mir zwei Fragen geradezu aufgedrängt haben.
Warum zum Teufel hat es dieser Schwachsinn überhaupt ins Kino geschafft
und
Welchen Vertrag mussten die Macher dieses Höllenwerks dafür mit Blut unterzeichnen
Darauf folgt meist die Erkenntnis, dass für solch einen Streifen sogar die Leihgebühr einer Videothek zu viel gewesen wäre.

Filme, die auf DVD ihre Premiere feiern, aber noch besser auf die große Leinwand gepasst hätten, kommen indes nur sehr selten vor (ich könnte sie wahrscheinlich an den Fingern einer Hand abzählen).
Das wiederum führt mich zu „Lucky # Slevin“.

„Lucky # Slevin“ ist das beste Beispiel für einen Film, der im Kino ein Augenschmaus gewesen wäre, aber als DVD Premiere verschwendet wurde.

Wahrscheinlich liegt das daran, dass „Luck # Slevin“ aufgrund seiner komplexen Story zu kompliziert für die Amerikaner war (mussten anscheinend mehr denken als bei „Hostel“ oder „Saw 3“), deshalb dort gefloppt ist und man somit in Deutschland und Österreich auf Nummer sicher gehen wollte und den Streifen direct-to-DVD vermarktet hat.
Information am Rande: „Lucky # Slevin“ hat im Amiland lediglich 22 Millionen Dollar eingespielt und es Weltweit immerhin auf 53 Millionen gebracht.

Regie bei diesem außerordentlich spannenden und innovativen Low Budget Thriller (28 Millionen Dollar) führte Paul McGuigan, der schon mit „Gangster Nr1“ sein Gefühl für interessante Crimestories bewiesen hat.
Die Darstellerliste von „Lucky # Slevin“ liest sich wie das Who is Who in Hollywood. Josh Hartnett führt die edle Riege um Bruce Willis, Morgan Freeman, Ben Kingsley, Stanley Tucci und Lucy Liu souverän an.

Etwas über den Plot zu schreiben, ohne Details von der Auflösung zu verraten ist zwar schwierig, aber trotzdem einen Versuch wert:

Der Film beginnt ohne Umschweife mit einigen brutal inszenierten Morden und einer, von dem Killer Mr. Goodkat (Bruce Willis wie er Leibt und Lebt) vermeintlich zur Ablenkung, erzählten Rückblende.
Ohne weiter auf die Morde oder die Rückblende einzugehen, wird man danach direkt ins Geschehen geworfen.
Slevin (herrlich stoisch: Josh Hartnett) ist, nachdem ihn seine Freundin beschissen hat, er seinen Job und seine Wohnung verloren hat, man ihm die Brieftasche (mit seinem Ausweis) geklaut und die Nase gebrochen hat, gerade in New York, im Apartment seines Freundes Nick Fisher, angekommen. Schon nach kurzer Zeit wird er von seiner Nachbarin (überaus hinreißend: Lucy Liu) mit Fragen bombardiert und kurz darauf von zwei zwielichtigen Typen entführt.
Ganz nebenbei wird ihm, auf Grund seiner herrlich sarkastischen Kommentare die gebrochene Nase noch ein zweites Mal gebrochen.
Man schleppt ihn zum „Boss“ (Morgan Freeman als schwarzer Pate) und dieser erteilt ihm, im Glauben Nick Fisher vor sich zu haben, prompt einen Mordauftrag.
Doch damit nicht genug. Auch der zweite Gangsterboss, genannt der Rabbi (souverän: Ben Kingsley), dessen Sohn Slevin töten soll, hat einen brisanten Auftrag für Nick aka Slevin.
Slevin gerät von einem Schlamassel in den Nächsten und trägt trotzdem jeden neuen Schicksalsschlag mit lakonischer Gelassenheit.
Welche Rollen der Killer Mr. Goodkat und der krumme Detective Brikowski (schmierig: Stanley Tucci) in diesem perfiden Plan spielen, stellt sich erst im Laufe der Handlung heraus.

Jedem der jetzt behauptet es gäbe schon unendlich viele You got the wrong guy - Filme (z.B.: Jackie Chans „Spion wider Willen“) gebe ich Recht. Muss ihn jedoch im selben Moment auch darauf Hinweisen, dass „Lucky # Slevin“ mit solchen Filmen ungefähr so viel gemeinsam hat wie der Papst mit Jenna Jameson.

Dem herrlich skurrilen und witzigen Beginn, der vor allem von Hartnetts lakonischer, bemitleidenswerter und überaus sympathischer Darstellung von Slevin getragen wird, folgen ein spannender Mittelteil und ein außergewöhnlich gut durchdachter und dichter Showdown.
Die perfekte Mischung aus Comedy, Action, Spannung und Ernst hat mich sofort an Shane Blacks beste Drehbucharbeiten („Last Boy Scout“, „Lethal Weapon“) erinnert.

Vor allem die Rückblende kann in allen Belangen überzeugen. Musik, Kleidung, Frisuren und Farben sind perfekt auf die Vergangenheit abgestimmt; das Erzählte ist spannend und brutal und der Clou der sich daraus entwickelt exzellent.
Nur dieser Rückblick hätte schon 10 Punkte verdient.

Die Gewaltszenen sind dezent verteilt, aber, vor allem in den ersten Einstellungen, umso eruptiver und blutiger.

Lobenswert ist auch, dass man nicht nur eine komplexe Geschichte serviert bekommt, sondern, dass diese auch noch bis ins kleinste Detail aufgelöst wird. Sogar der kultige cansas city shuffle wird am Ende äußerst passend erläutert.

Die Darstellerleistungen sind exzellent und jede einzelne Rolle wurde perfekt besetzt.Wenn ich ganz ehrlich bin, hätte ich keinem der Darsteller eine solche Leistung zugetraut.

Bruce Willis wirkte in den letzten Jahren eher müde („16 Blocks“ war ein dröges quasi Remake). Josh Hartnett hielt sich mit Schnulzen alla „Sehnsüchtig“ und Filmen, in denen er entweder ständig unter- oder überfordert war (z.B.: „Black Dahlia“) über Wasser. Ben Kingsleys letzter guter Film liegt mit „House of Sand and Fog“ auch schon einige Jahre zurück und kann solche Ausrutscher wie seine infantile Leistung in „A sound of Thunder“ und sein grauenhaftes Spiel in „Bloodrayne“ auch nicht ungeschehen machen. Lucy Liu hat mit Filmen wie „Drei Engel für Charlie“ auch nicht gerade meine Freundschaft und mein Vertrauen gepachtet. Morgan Freeman war wohl der Einzige, dem ich auch schon im Vorfeld eine passable Leistung zugetraut habe.

Die Musik (vor allem im Schlussteil) ist ausgezeichnet und nie unpassend.
Die Kulissen, allen voran die genialen Tapeten mit den exakt dazu passenden Kleidungsstücken, und die Ausstattung (ein gläsernes Schachbrett etc.) sind vortrefflich gewählt.

Ich bin wirklich froh, dass ich dem Film trotz seines absolut nichts sagenden Covers und seines schlechten Klappentextes eine Chance gegeben habe.

Fazit:
Eine geniale Idee gepaart mit tollen Darstellern, Blut, Plot Twists und einem super Ende.

Grandioser Wortwitz, tolle Dialoge, spannende Story, Drama, Action, Thrill und eine glaubhafte Liebesgeschichte verschmelzen zu einem Film, der mit einem super Happy End (das auch mich zufrieden stellt) perfektioniert wird.

Wohl einer der besten Thriller aller Zeiten.

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