Review

Der Rabbi, gespielt von Ben Kingsley, und der Boss, gespielt von Morgen Freeman führen zwei verfeindete Mafia-Clans an und Slevin, gespielt von Josh Hartnett ist mittendrin. Er wird mit einem Freund verwechselt, der beiden Geld schuldet und muss einerseits Geld für den Rabbi auftreiben, wird aber andererseits vom Boss erpresst, den Sohn des Rabbis zu töten.

Von fast allen Kritikern und auch hier in der OFDB wurde "Lucky Number Slevin" mit Quentin Tarantinos "Pulp fiction" verglichen, ich persönlich finde dieses Werk aber wesentlich besser als Tarantinos Kultfilm und das einzige, was mit eben diesem Film übereinstimmt sind die skurrile Inszenierung, das hohe Maß an innovativen Einfällen und die starke Besetzung. Die Story ist dabei hervorragend und nicht so vollkommen sinnfrei wie bei Tarantinos Werk und bietet einige Überraschungen. Die Charakterkonstruktion ist bewusst übertrieben und wenn sie zu vielschichtig geworden wäre, hätte man das Ende vorweggenommen und das wiederum wäre bei diesem genialen Showdown eine Katastrophe gewesen. Die Handlung ist schlicht und einfach genial. Hier und da wird das eine oder andere Gangsterfilm-Klischee verwendet, aber im großen und ganzen glänzt der Film durch dutzende innovative und überraschende Wendungen, die den Zuschauer mehrfach hinters Licht führen und nicht einmal die aufgesetzte Love-Story um Slevin und seine Nachbarin, gespielt von Lucy Liu, stört, im Gegenteil, sie hilft sogar noch dabei, Spannung und Dramatik zum Ende hin zu steigern. Gerade damit der Showdown so gut zündet, ist ein etwas zerfahrener Erzählstil mit mehreren Rückblenden nötig und genau das gelingt ebenfalls, der Film ist damit noch intelligenter, noch verschachtelter, aber dennoch verständlich und mitreißend, nahezu perfekt eben. Die Dialoge sind bizarr und überzeichnet, sind aber ebenfalls sehr gut gemacht und über weite Strecken überaus amüsant, auch wenn der eine oder andere vielleicht ein bisschen zu skurril oder zu langatmig ist. Mit dieser überraschenden und innovativen Story ist "Lucky Slevin" ein kleines Juwel, dass im Kino meiner Meinung nach viel zu wenige Beachtung gefunden hat.

Gerade bei diesem ausgefeilten und witzigen Dialogen ist es wichtig gute Darsteller zu haben, die diese möglichst amüsant und trocken auf die Leinwand bringen und bereits bei einem Blick auf den sensationellen Cast sollte klar sein, dass dies gelungen ist. Selbst eingefleischte Hollywood-Koryphäen und Oscar-Preisträger wie Ben Kingsley oder Morgan Freeman lassen sich noch einmal den Spaß am Spiel anmerken und vor allem Kingsley, der zuletzt des Öfteren mit mittelmäßigen Leistungen in unterdurchschnittlichen Filmen wie "Rules - Sekunden der Entscheidung", "A.I. künstliche Intelligenz" oder "Suspect Zero" zu sehen war, leistet als Gangsterboss hervorragende Arbeit und auch Freeman hat offensichtlich Spaß an diesem Gangsterfilm. Bruce Willis, der eine, nicht ganz so leicht zu durchschauende Position in diesem Verwirrspiel hat, spielt entsprechend geheimnisvoll, geht aber verglichen mit seinen starken Kollegen unter, wobei er in den Action-Szenen natürlich mal wieder erste Klasse ist. Josh Hartnett hat die eigentliche Hauptrolle und brilliert durch sein relativ loses Mundwerk und ein charmantes Zusammenspiel mit seiner Kollegin Lucy Liu. Nach seinen Hauptrollen in "Pearl Harbor" und "Black Hawk Down" ist er endlich mal wieder in einem gelungenen Film zu sehen und zeigt, dass er mehr Potential hat, als man von dem Sunny-Boy erwartet hätte. Lucy Liu ist mal wieder charmant wie eh und je und ist neben der eigentlichen Handlung um die beiden Gangsterbosse eine willkommene Randerscheinung und trägt mit dem gelungenen Zusammenspiel mit Hartnett zur Steigerung der Dramatik bei. Ich habe bisher selten einer so vollkommenen Besetzung bei der Arbeit zusehen können, zumal die übrigen Darsteller ebenfalls voll und ganz überzeugen können.

Aber nicht nur die Darsteller hatten offensichtlich Spaß bei der Arbeit, denn auch Regisseur Paul McGuigan läuft nach seinen eher mittelmäßigen Werken "The Acid House", "Gangster No. 1", "Sehnsüchtig" (auch mit Josh Hartnett) und zuletzt "The Reckoning" zu absoluter Hochform auf. Mit einem schnellen Erzähltempo und einem perfekten Erzählstil mit mehreren Rückblenden arbeitet er hervorragend auf das geniale Finale zu und erreicht damit einen hohen Spannungsbogen und lockt den Zuschauern virtuos auf mehrere falsche Fährten. Er setzt seine Darsteller perfekt in Szene und inszeniert auch die genialen Dialoge mit beiläufigen Gags hervorragend und sorgt damit für Spannung, Überraschungen und Humor. Darüber hinaus baut er ein paar Action-Szenen und ein paar blutige Szenen in seinen Film mit ein und sorgt so für einen hohen Schauwert. Trotz des hohen Tempos mit dem McGuigan voran prescht würde ich "Lucky Slevin" nicht als kurzweilige bezeichnen. Damit ist "Lucky Slevin" auf jeden Fall empfehlenswert und das nicht nur für Fans von solch skurrilen Werken.

Fazit:
Mit einem namenhaften und brillierenden Cast, dem man den Spaß am Spiel förmlich ansieht, einer genialen Story, die den Zuschauer gleich auf mehrere falsche Fährten lockt und des Öfteren überraschen kann und mit einer starken Inszenierung, die Action, Spannung und humorvolle Dialoge bietet ist "Lucky Slevin" eine hervorragende Gangster-Komödie, die mit ihrem verschachtelten Erzählstil einen der besten Showdowns der Filmgeschichte liefert.

94%

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