Review

ACHTUNG SPOILER

Wer nicht über diverse Details des Films informiert werden möchte, sollte hier aufhören zu lesen.
(Hinweis: Dieses Review beruht auf der ungeschnittenen R-Rated version, nicht auf der geschnittenen deutschen Fassung)

NIGHTMARE 2 - DIE RACHE

Story:
Fünf Jahre nach den grauenvollen Vorfällen in Springwood zieht die Familie Walsh in das Haus 1428 der Elmstreet. Ihr Sohn Jesse leidet fortan unter immer wiederkehrenden Alpträumen, in denen stets ein verbrannter Mann mit Hut und Klingenhandschuh vorkommt. Parallel dazu entwickelt Jesse teilweise beängstigende Verhaltensweisen. Zusammen mit seiner Freundin Lisa kommt er dem furchtbaren Geheimnis des Hauses auf die Spur; als er dann eines Nachts sich selbst in einem Alptraum wieder findet, in dem sein Sportlehrer ermordet wird und dieser am nächsten Tag tatsächlich tot ist, beginnt Jesse zu verstehen: Fred Krueger, der Serienmörder aus der Elmstreet, will Jesses Körper als Mordinstrument missbrauchen…

Wes Craven hatte mit dem ersten Teil der kultigen Horrorreihe eine Lawine ins Rollen gebracht und nebenbei auch den finanziellen Erfolg für die Produktionsfirma alles andere als gering ausfallen lassen. Und da seine innovative Idee um das Traummonster Freddy Krueger mächtig Kasse machte, machten sich die Produzenten von New Line Cinema eiligst daran, für $3 Mio. einen zweiten Alptraum auf das Publikum loszulassen. Knapp ein Jahr nach der Premiere des Originals lief Teil 2 am 1. November 1985 in den amerikanischen Kinos an (in Deutschland kam der Film aus irgendeinem Grund erst 1987 raus). Und obgleich FREDDY’S REVENGE alleine in den USA knapp $30 Mio. Kinoeinnahmen verbuchen konnte, ist es der unter Fans bis heute wohl umstrittenste Teil der Reihe.

Zuerst fällt einem die ungewohnte Story auf: Freddy benutzt den Körper eines Jugendlichen als Mordwaffe, anstatt mit seinem eigenen zu morden. Dies rief bei vielen negative Reaktionen hervor. Warum nicht gleich Freddy als ihn selbst zurückkehren lassen? Ich persönlich finde die Geschichte der Fortsetzung im Kern allerdings gut. Nicht eins zu eins dieselbe Masche vom tollen Vorgänger kopieren, sondern neue Einflüsse mit sich bringen. Allerdings macht eine gute Idee nicht gleich einen guten Film, denn zu der Idee gehören noch Drehbuch und Umsetzung. Und da beginnt es zu hapern.

Zunächst einmal lässt sich sagen, dass sich NIGHTMARE 2 handwerklich gesehen in keiner Weise hinter dem Erstling verstecken muss (was zugegeben auch recht peinlich für eine Fortsetzung eines $1,8 Mio. – Films gewesen wäre). Der Film bietet deutlich mehr tricktechnische Spielereien als Teil 1 und macht technisch gesehen eine gute Figur.
Beim Drehbuch sieht es da dann schon anders aus. Autor David Chaskin schafft es nicht, einen gleich bleibend hohen Angstfaktor zu erhalten, sondern überlädt den Film teilweise mit Schockmomenten, was im Ablauf dann zur Folge hat, dass Jesse teilweise alle fünf Minuten einen neuen Alptraum hat, hier ein Wellensittich explodiert, da ein Toaster von alleine Feuer fängt. Das sind Tatsachen, die einen schleichenden Spannungsaufbau wie im Erstling nicht zulassen. Das soll nicht heißen, dass NIGHTMARE 2 spannungslos dasteht. Es gibt so manche zittrige Sequenz im Film wie z.B. die Szene in der Dusche der Sporthalle. Spannungsaufbau und –potential erreichen hier allerdings definitiv nicht die volle Punktzahl.

Was dem Film sehr zu Gute kommt, ist seine finstere Optik und die düstere Atmosphäre. Die wesentlichen, spannenden Sequenzen spielen sich größtenteils nachts ab und auch die Alptraumwelten sind real gehalten und nicht so abgedreht, wie die weiteren Teile sie darstellen. Auch die Figur des Freddy Krueger kommt hier noch finster und unheimlich rüber, bevor es in Teil 3 mit gehörig mehr Augenzwinkern und Sarkasmus zur Sache geht – hier ist er noch einmal als das unheilvolle, dunkle und angsteinflößende Monster dargestellt; das alles wie gesagt eine Nummer kleiner als beim Original, aber immer noch lobenswert und für den Horrorfan sehr bekömmlich, denn eines der Dinge, die mich an Teil 3,4,5 und 6 am stärksten gestört haben, ist, dass Freddy mit jedem Auftritt immer langweiliger, lächerlicher und oberflächlicher wurde, weil er um jeglichen angsteinflößenden Zug nach und nach beraubt wurde. Diese Tatsache ist hier noch nicht vorhanden. Die einzigen Abzüge gibt es lediglich für die deutsche Synchronstimme von Freddy, die viel zu basslastig und künstlich wirkt, außerdem für die Unlogik, die selbst an sich düstere, spannende Szenen fragwürdig erscheinen lässt. Wie kann Jesse zum Beispiel nachdem er von Freddy ‚zerlegt’ worden ist, wenige Sekunden später wieder in einem Stück dastehen?

Musikalisch gesehen wurde eine völlig neue Richtung eingeschlagen, die kultige Nightmare-Mucke fehlt, stattdessen geht’s nun in die orchestrale Richtung. Der Soundtrack ist jedoch gelungen. Schauspielerisch gibt es keine Rekordleistungen zu vermelden. Da die Hauptfigur der Geschichte nun männlich ist, haben wir Mark Patton in der Hauptrolle, der einen guten Job macht, der Rest ist auf gutem bis miserablem Niveau. Die deutsche Synchronisation ist wie gesagt nicht gerade die Beste, aber dafür können die Darsteller ja nix.

Und was machen die Goreeffekte? NIGHTMARE – MÖRDERISCHE TRÄUME schmort immerhin heute noch auf dem deutschen Index (unrated version) und hielt einige sehr gelungene Splattereffekte parat, die noch komplett in Handarbeit entstanden waren. NIGHTMARE 2 bleibt hinter dem Vorgänger in dieser Hinsicht nicht zurück – die Effekte sind ordentlich erarbeitet worden und es gibt durchaus harte und vor allem originelle Einfälle zu bewundern; bestes Beispiel die Szene, in der Freddy aus Jesse ’herauskommt’ in dem er ihm zunächst die Bauchdecke aufreißt und sich dann Jesse’s Körper ähnlich einem Anzug abstreift. Auch der Tod des Sportlehrers ist in meinen Augen sehr gelungen – ich denke aber, aus der gesamten Sequenz (nächtliche, einsame Umkleidekabinen etc.) hätte man definitiv mehr Spannung schöpfen können, was aber allgemein auf die Grundidee der Reihe zutrifft. In Deutschland existiert offiziell nach wie vor keine ungeschnittene Version des zweiten Teils, was WARNER HOME VIDEO aus der deutschen Videofassung machte, bleibt unbegreiflich: der Film wurde für eine Jugendfreigabe so stark gekürzt, dass praktisch alle Goreszenen draußen sind. Der Verleih wollte wohl eine Indizierung umgehen. Kurios: NIGHTMARE 3 ließ WARNER in Deutschland uncut.

Fazit: Der Film an sich kommt an das Original nicht mehr heran. Ein wirklich schockierender Qualitätsabfall ist zwar nicht zu verzeichnen, doch ist die verstörende Atmosphäre des 1. Parts hier zu großen Teilen nicht mehr vorhanden, dennoch kommt tatsächlich echte Gruselstimmung auf. Was die Story angeht muss man sich erst etwas eingewöhnen - dass sich Freddy eines anderen Körpers bedient, um zu töten, ist untypisch für ihn. Trotz vielen Beschwerden über fehlende Logik und mangelnde Spannung halte ich den zweiten Teil für den letzten echten Horrorfilm der Reihe (Teil 7 ausgenommen), der gegenüber den weiteren Fortsetzungen nicht effekteüberladen und knallbunt daherkommt sondern noch auf eine düstere, beklemmende Atmosphäre setzt. Aufgrund des teils zu eintönigen Ablaufs und dem nicht mehr so raffiniert ausgefeilten Spannungsaufbau verbucht der Streifen im Vergleich zum ersten Teil hier Minuspunkte. Dennoch: die Katastrophe schlechthin ist der Film keineswegs geworden, sondern ein überdurchschnittlicher Horrorfilm, den sich echte NIGHTMARE – Fans geben sollten. Eine würdige Fortsetzung? Über Geschmack lässt sich nun mal nicht streiten.

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