Review

Ganz so schlecht, wie er dann immer gemacht wird, ist "Nightmare 2" nun auch wieder nicht. Sicherlich hätte es bessere Methoden gegeben, ein inhaltlich genauso kreatives Feuerwerk wie beim Original zu erschaffen, aber man muss es dem Drehbuchator und dem Regisseur lassen, dass sie zumindest versucht haben, die Reihe rund um den verrückten Killer Freddy Krueger in eine andere Richtung laufen zu lassen.

Das nun erste Sequel mit dem nicht sehr originellen Namen "Freddys Revenge" startet rund fünf Jahre nach den Ereignissen aus dem Original. In das Haus von Familie Thompson ist nun eine neue Familie eingezogen, bestehend aus dem strengen Papi, der naiven Mutti, dem irgendwie dusseligen Schwesterchen und nicht zuletzt Jesse, der wortgemäß zur Hauptfigur "mutiert". Außer dem Vater weiß natürlich niemand, was furchtbares in diesem Haus schon passiert ist (Und ich dachte, sowas verbreitet sich wie Laubfeuer), aber Jesse kriegt langsam eine Vorahnung. Er träumt von Freddy Krueger himself und kriegt die Geschichte um diesen Mörder bruchstückhaft langsam mit. Doch Freddy scheint es Leid, nur in den Träumen anderer tätig werden zu können, weswegen er sich gerade Jesse als neuen Wirt aussucht, um durch ihn Morde außerhalb der Traumwelt zu begehen. Doch Jesse will dagegen ankämpfen.

Nimmt man es ganz genau, kann man im Prinzip sagen, dass man hier das Werwolfs-Thema leicht abgewandelt hat - nur, dass die betroffenende Person zu Freddy statt zu einem Wölfchen mutiert. Dementsprechend kriegt man auch nicht viel mit von surrealen Traumwelten, in denen Freddy sich in den Nachfolgern noch austoben kann. Stattdessen lenkt man das Geschehen wie eben schon gesagt in eine völlig andere Richtung, was sehr häufig als Negativpunkt gewertet wird. Die Leute wollen den wahnsinnigen Krueger in einer Traumwelt sehen, nicht in der Realität, ohne nennenswerte Kräfte - abgesehen von seinem Handschuh.

Das hätte alles nur eine kleine Spannungsspritze vertragen. Es kommt zwar nicht direkt Langeweile im eigentliche Sinne auf, aber irgendwie wirkt das Treiben hier ermüdend, vor allem, weil Freddy noch seltener auftaucht als im Vorgänger. Meistens sieht man entweder Jesse, wie er um seinen Verstand kämpft, oder seine Freundin Lisa erzählt ihm die gruselige Geschichte, die sich vor fünf Jahren ereignet hat. Das noch gepaart mit der ein oder anderen, zum Teil wirklich schon absurden Schockszene, und raus kommen tut "Nightmare 2". Warum absurd? Nun, aus irgendwelchen Gründen lässt man Freddy hier fast schon zum perversen Mörder werden. Da wird zum Beispiel ein homsexueller Sportlehrer nackt in die Dusche gehangen und mit einem Handtuch verprügelt, was immer wieder an seinen Arsch klatscht, bis der knallrot ist ... aaaha? Interessant generell die Figur des schwulen Sportlehrers, der wohl nur eingebaut wurde, um ein paar klischeehafte Witze über Homosexuelle machen zu können.

Auch die anderen Charakter sind nicht mehr als die übliche Ware, tun aber zumindest nicht ganz so weh. Jesse ist zugegebenermaßen keine Schönheit und schreit auch noch wie ein Mädchen (was dem Film eine unfreiwillig lächerliche Note verleiht), während seine Freundin Lisa eben nur die typische Freundin darstellt, die sich dem Hauptcharakter langsam nährt. Daneben gibt es noch die stereotypen Nebendarsteller, was beim durchtrainierten besten Kumpel anfängt und bei der Tusse mit Pornostimme aufhört. Robert Englund als Freddy hier nun auch zum zweiten mal in seiner Paraderolle, nervt er dann doch irgendwann mit seiner schrecklichen, deutschen Synchronstimme. Krueger hört sich an, als wäre er besoffen, hätte chronischen husten und ist zu allem Übel noch erkältet. Das ist nicht ganz so schreckenerregend, wie es sich die Synchronsprecher vielleicht dachten.

Sobald der Film spannend wird, streift er aber den Mantel von schauspielerischer Standart-Kost ab, um doch noch spannende Unterhaltung zu bieten. Unangefochtenes Highlight bleibt Jesse's Verwandlung zu Freddy Krueger, der im wahrsten Sinne des Wortes aus ihm herausbricht. Das wurde für damalige Verhältnisse richtig gut in Szene gesetzt, und auch sonst sind die Effekte so gut wie erste Sahne. Wirklich was zu beanstanden hat man nicht. Gut, beim Finale hätte man eventuell etwas weniger auf die Tränendrüse drücken sollen. Mittlerweile wirkt es fast schon stupide, dass Freddy im Prinzip durch einen ehrlich gemeinten Kuss von Lisa zerstört wird - viel schlimmer ist dann aber, dass Jesse tatsächlich noch aus den ehemaligen Überresten des Traumkillers wie Phoenix aus der Asche steigt. Wäre das aufgesetzte Ende im Anschluss nicht, wäre dies hier ein Horrorfilm mit einem Happy End. Bäh!

Ein paar komische/doofe Sachen warten dann auch noch auf. Die Hausvögel von Familie Walsh werden bekloppt und greifen ihre Besitzer an - der Drehbuchautor war wohl ein Fan von "Die Vögel". Höhepunkt aber, als der militante Vogel in der Luft explodiert. Da wird man doch irgendwie an den Hai aus "Batman hält die Welt in Atem" erinnert, der ebenfalls explodiert. Die einzige, nur angedeutete Sexszene wird auch unangenehm unterbrochen, in dem man zeigt wie Freddys Zunge über den Körper von Lisa streift. Pfui. Richtig blöde wirds aber, wenn Jesse irgendwie ohne jeden Grund des Nachts ausreißt und in eine Schwulenbar spaziert, wo er prompt von seinem Sportlehrer angemacht wird, der ihn in die Schule schickt, um ihn auszupeitschen. Na lecker, da kann man verstehen, dass er nach dem besagten "Handtuch-Mord" panisch und nackt die Straße entlangrennt.

Jedenfalls ist das alles nicht sooo schlimm, wie es häufig dramatisiert wird. Sicher, für eingefleischte "Nightmare"-Fans mag dieser Teil, der sich inhaltlich von seinen Kollegen abhebt, eine herbe Enttäuschung gewesen sein, aber als eigenständiger Horrorfilm mit Bezügen zum ersten Teil, macht "Nightmare 2" sogar einigermaßen Spaß. Zwar zieht sich trotz der eh mageren 80 Minuten alles ein wenig schleppend voran, aber dafür entschädigen dann Sachen wie die "Verwandlung" von Jesse in Krueger. Das sich Wes Craven deutlich von dieser ersten Fortsetzung distanziert, ist mehr oder weniger verständlich und verstärkt nur den Hass der Fans. Ergo ein unterschätztes Sequel, was durchaus Potenzial hat.

Fazit

Schauspielerisch zwar etwas dürftig, entpuppt sich "Nightmare 2" dank seiner (verhältnismäßig) mutigen Neuerungen als unterhaltsames, leider nicht immer spannendes Sequel. Es kommt nie so richtig an seinen Vorgänger ran, gibt sich aber Mühe, der Reihe neue Seiten zu schenken. Nicht schlecht.

6/10

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