Review

Nach dem Überraschungserfolg von „A Nightmare of Elm Street“ war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis Traumkiller Freddy Krueger wieder auf Teenager losgelassen wurde. Schon ein Jahr später war es soweit und wie auch in den anderen bekannten Serien (Halloween, Freitag der 13.) war der zweite Teil eine wenig inspirierend zusammengebastelte Angelegenheit.

Der von Jack Sholder inszenierte zweite Teil beinhaltet zwar einige Elemente aus dem ersten Teil, wie die Schlafangst und den Verweis auf Teil 1, indem man Jesse das Tagebuch der vermeintlich toten Nancy finden lässt, geht im Nachhinein mit einem anderen Ansatz an den „Traumkiller“ heran.

Hier sind nicht die Protagonisten und sonstigen Teenagerbewohner einer speziellen Straße bedroht, sondern die des Thompson-Hauses allein. Der Fokus liegt auch speziell auf der Hauptfigur Jesse, der in den üblichen Liebesnöten steckt und dank Freddy nicht zum Schuß kommt.
Allerdings ist das keine Sache von reinen Traumverfolgungen, stattdessen materialisiert sich Krüger diesmal aus der Hauptfigur heraus – Jesse wird langsam zu Freddy und ermöglicht ihm ein verstärktes Massaker in der realen Welt auf einer – wie 80er kann es werden – Pool Pary mit leicht bekleideten Teens und miesen Frisuren.

Hatte ich den Film vor Jahren noch als inspirationsarm abgetan, so bietet heute „Nightmare 2“ ganz andere Einblicke, wenn man Jesse plötzlich als männliche Variante des üblichen „Final Girl“ wertet und dann noch den mit der Farbrolle aufgetragenen homoerotischen Subtext hinzufügt, der praktisch aus jeder Szene trieft.

Ob nun das Skript tatsächlich von Anfang an so angelegt war oder Mark Patton (zufällig tatsächlich schwul) die Rolle bewusst oder intuitiv so anlegte oder die Regie ihn in diese Richtung führte, wird wohl nicht mehr zu Befriedigung aller Beteiligten geklärt werden können, allerdings ist Patton nach diesem Film alsbald aus dem Business weitestgehend ausgeschieden (auch weil er „abgestempelt“ war) und wurde Innenausstatter.

Es fällt aber schwer, an einen Zufall zu denken, wenn man sich die Schlüsselszenen ansieht: der missglückte versuchte Koitus mit seiner Freundin; der düstere Killer, von dem ständig gesprochen wird, er sei „in ihm“, der Gang zum besten Kumpel vom Sport, als es mit der Freundin nicht klappt, mit dem Auftrag, über seinen Schlaf zu wachen, das alles ist schon sehr auffällig. Dazu kommt, dass Patton praktisch jede Szene mit einem offenen Sommerhemd mit haarloser Brust bestreitet oder er und sein Kumpel Ron stetig in ultraknappen Shorts und Unterhosen herumlaufen. Den klischeehaften schwulen Sportlehrer aus der klischeehaften Gay-Bar, der unter der Dusche gemeuchelt wird, hab ich dabei noch gar nicht erwähnt.

Bei all diesem Zeugs wirkt Freddy einerseits wie ein Störenfried, andererseits wie eine mögliche AIDS-Metapher, nicht mehr wie eine typisch teenagerhafte Bedrohung (die Jungs und Mädels sind sowieso alle viel zu alt für ihre Rollen).

Die wesentliche Schwäche bleibt jedoch leider die Agilität Kruegers, der hier allerlei für jedermann sichtbaren Telekinesemumpitz auslöst, um sich dann wie der wildgewordene Watz durch eine kreischende Poolparty zu slashen, was ihm eine Menge seiner Wirkung und seines Mythos raubt (abgesehen davon, dass es deutlich enthüllt, dass Robert Englund eben von ganz normaler, gar nicht bedrohlicher Statur ist).

Am Ende muss es dann doch wieder das Mädel retten, wobei Kim Myers zwar bemüht ist, aber nicht die Strahlkraft hat, sich gegen die Subtexte oder die sehr guten FX zu behaupten. Wenn sie im Finale plötzlich von der Neben- zur Hauptfigur befördert wird, fehlt dem Film leider immer noch der identitäre Fixpunkt.

Krueger selbst kommt hier weniger intensiv zum Tragen, obwohl er mehr Sprach- und Spielanteile hat, rettet aber meistens den Tag in einem wirklich sehr auf 80er geföhnten Spektakel, das heute allein vom Look monströse Heiterkeit auslösen könnte.

Zum Glück kehrte das Skripttrio Craven, Russell und Darabont (!) mit Teil 3 dann wieder zurück zum „mysteriösen“ und „bizarren“ Freddy, der sich durch fremdartige Traumwelten slasht, dennoch sollte man „Nightmare 2“ nicht als Flop ansehen, sondern als untypischen Freddy-Teil, der nicht so glatt in den Kanon passt. Erfolgreich war er dennoch, spielte das Zehnfache seines Budgets wieder ein.
Für eine Sichtung bitte dringend mit Haarspraydose bewaffnen! (5/10)

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