Nicht einmal ein volles Jahr nach der Uraufführung des ersten Teils startete „A nightmare on Elm Street 2 – Freddys Rache“ in den Kinos – zu groß war der Erfolg gewesen, als dass man lange hatte warten wollen. Und so terrorisiert der entstellte Traumdämon diesmal den neu hinzugezogenen Jesse, indem er ihn in seinen Albträumen zum Morden animiert, in der Realität aber auch mal seinen Körper übernimmt und die blutige Arbeit selbst ausführt. Grausige Todesfälle und krasse Ekeleffekte sind einmal mehr vorprogrammiert...
Und sie fallen ähnlich spektakulär und originell aus wie im Vorgänger. Auch diese schnelle Fortsetzung überzeugt mit derben handgemachten Effekten, die von dämonischen Tiermonstern bis zu Freddy reichen, der sich gern selbst verstümmelt, indem er sich zum Beispiel die Kopfhaut herunterzieht und sein freiliegendes Gehirn präsentiert. Höhepunkt in Sachen Ekeleffektspektakel dürfte aber das Ausbrechen Freddys aus Jesses Körper sein – hier zeigen die Maskenbildner wirklich, was sie drauf haben. In Sachen Blut, Schleim und Feuer wird diesmal geklotzt und nicht gekleckert, und so wird „A nightmare on Elm Street 2“ zur rasanten Achterbahnfahrt, die mit krassen Effekten, düsteren Szenerien und böse-blutigen Ideen aufwartet.
Auch die Atmosphäre kann wieder überzeugen, auch wenn sie nicht ganz so dicht ist wie noch unter der Regie von Wes Craven. Aber nächtliche Bilder stillgelegter Industrieanlagen, dunkle Gassen, in blaues Licht getaucht, und einige beeindruckende Auftritte Freddys – wenn etwa Jesses Silhouette im Dampf einer Gruppendusche verschwindet und dafür Freddys dunkle Gestalt aus dem Nebel erscheint – sorgen auch so für wiederholte starke visuelle Momente. Dazu passt, dass man etwas mehr über Freddys Vergangenheit als Kindermörder erfahrt und er noch etwas mehr Dialoge bekommt als im ersten Teil. Und spätestens sein blutiger Angriff auf eine fröhliche Poolparty dürfte Genre-Fan-Herzen höher schlagen lassen – hier wird geschlitzt, bedroht und finster geschaut, was das Zeug hält.
Sonderlich tiefgründig ist das alles freilich nicht, und so teilt sich der zweite Teil nicht nur den Hang zu starken Effekten, sondern auch allerhand Minuspunkte mit dem Vorgänger: Die Story bleibt überschaubar und eiert gegen Ende ziemlich ziellos herum; viele Szenen und Details wirken geradezu hanebüchen unrealistisch; auch bleiben einige Zusammenhänge eher willkürlich (besonders in der ersten Hälfte wirken die mysteriösen Ereignisse im Haus in der Elm Street mehr wie in einem Geisterhausstreifen); und dass am Ende das Böse durch die Kraft der Liebe besiegt wird, wäre in Sachen Kitschfaktor eines alten Disney-Streifens würdig. Überhaupt gerät das Ende ähnlich unlogisch und willkürlich wie im Vorgänger.
Doch für das alles kann man als aufgeschlossener Genre-Fan durchaus entschädigt werden – etwa durch Freddys dämonisch-intensives Charisma. Robert Englund beweist hier noch mehr als zuvor, dass er die perfekte Besetzung für diesen finsteren Horror-Charakter ist: Mit seiner eher kleinen Statur, aber zutiefst böser Ausstrahlung schafft er es in jedem seiner zum Glück zahlreichen Auftritte, das Bild zu dominieren. Neben ihm haben die beiden menschlichen Hauptcharaktere keine Chance, die eh klischeehaft und blass bleiben und auch nicht sonderlich gut gespielt sind. Gegen Freddy kommt eben niemand an!
Insgesamt ist „A nightmare on Elm Street 2“ schon etwas schwächer und von weniger stringenter Inszenierung als der geniale erste Teil, kann aber dank hochwertiger, enorm aufwendiger und immer wieder beeindruckender und überraschender Effekte, des hochcharismatischen zentralen Killers und guten visuellen Ideen ebenfalls gut unterhalten – wenn man sich auf eine ganze Menge typischen 80er-Horror-Trash einlässt. Aber eben diese Elemente – ein schön skurriler Synthie-Rock-Score, die dazu passenden Frisuren, klischeehafte Eltern- und Teenager-Darstellende (die nicht einmal annähernd wie Teenager aussehen) und die ganz eigene 80er-Bildästhetik – machen den Film nicht nur für nostalgische Horror-Fans zum immer wieder sehenswerten Erlebnis. Spannend, blutig und böse – Freddy in Bestform!