Nicht ganz so berühmt wie die beiden großen Selbstjustizfilme der 70er, nämlich „Dirty Harry“ und „Death Wish“, nicht zuletzt des 2004er Remakes wegen in Fankreisen durchaus bekannt: „Walking Tall“, hierzulande „Der Große aus dem Dunkeln“ genannt.
Groß ist Buford Pusser (Joe Don Baker) auf jeden Fall, aber er kommt weniger aus dem Dunkeln, sondern aus der Ringerszene. Dort und beim Militär hat er genug kämpferische Fähigkeiten erlangt um sich gegen Schmierlappen zu wehren – z.B. die casinobetreibende Lumpenbande, die einen alten Kumpel ausnimmt. Trotzdem ist die Horde zu stark und prügelt dem Helden die Scheiße aus dem Leib, der aber mit einem dicken Holzknüppel wiederkehrt und das Rematch gewinnt. Es ist der gute alte amerikanische Brauch sich nichts gefallen zu lassen, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Faust auf Fresse.
Das Fieslingspack spielt aber nicht fair und petzt, doch so einer wie Buford zeigt bei der Gerichtsverhandlung die Narben vor und wird freigesprochen. Nicht nur das, er lässt sich danach zum Sheriff wählen und geht gegen die Übelwichte und ihre korrupten Freunde in den oberen Etagen vor…
Buford Pusser gab es wirklich, „Walking Tall“ basiert auf seinen Erlebnissen, doch ein wenig Naivität schwingt bei der eifrigen Arbeit am Mythos schon mit. Neben der etwas pathetischen Rede vor Gericht ist es die „Unsere kleine Farm“-Romantik zu Beginn des Films, die ein wenig an den Nerven zerrt: Grüne Wiesen, nette Großeltern und lauter putzige Tierchen stehen für ein unschuldiges ländliches Amerika, das von Korruption, Prostitution und Glücksspiel bedroht ist, in Gefahr sind einfältige Dorftrottel wie der ehemalige Kumpel Bufords, der zu den ersten Kollateralschäden im Kampf des Betonkopfs gegen die Übelwichte gehört.
Doch mit fortschreitendem Verlauf ändert sich der Ton und das nicht nur, weil die Gewalttaten zunehmen. In den Verlusten ist auch zu ersehen, dass Bufords störrisches Pochen auf dem Recht als Bürger (und später auch Sheriff) zwar idealistisch ist, ihn aber auch diverse Menschen aus dem Umfeld kostet – er selbst wird im Verlauf des Films dreimal halbtot aufgelesen und wieder zusammengeflickt. Trotzdem steht „Walking Tall“ hinter seinem Helden, will nur verdeutlichen, dass der Kampf fürs Recht nicht der einfachste ist.
Dabei verlässt sich der Film selten allein auf die Action, denn im punkto Schauwerte kann es „Walking Tall“ nicht ganz mit „Dirty Harry“ aufnehmen. Die vorhandenen Actionszenen sind aber von einer rohen Kraft, die durch die Verwendung von Bufords hölzerner Weapon of Choice schön symbolisiert wird, und kompetent in Szene gesetzt, auch wenn der eine oder andere Moment etwas abfällt – z.B. die inhaltlich unsinnige und schlecht montierte Szene, in welcher der alte Sheriff Buford überfahren will und dabei nur selbst von der Brücke rauscht.
Interessant ist dabei auch der Sog, den Phil Karsons Film trotz seiner episodenhaften Dramaturgie entwickelt: Bufords Kampf gegen die Bösewichte wird nur in Etappen gezeigt, die nur lose miteinander verbunden sind, verschiedene Gegner werden unterschiedlich abgefertigt: Größeren Übelwichten schießt man einfach in den Kopf, korrupte Richter werden gewitzter in die Schranken gewiesen, wie die wohl lustigste Szene des sonst eher grimmigen Films zeigt, wieder andere werden verhaftet oder über den Jordan geschickt, da sie sich der Verhaftung widersetzen. Dabei entstammen die Bösewichte unterschiedlichen Ethnien und sozialen Schichten, aber kommen zu einer Schurkenkonferenz zusammen, die etwas seltsam wirkt (kennt man normalerweise nur aus Superheldenstorys oder Parodien). Schön jedoch, dass „Walking Tall“ hier differenziert, die einen als einsichtiger, die anderen als grundverdorben einstuft und dabei nicht alle über einen Kamm schert. Allgemein bemüht sich „Walking Tall“ sowieso um ein Bild, das den Menschen anhand seiner Taten und nicht anhand von Hautfarbe, Schicht oder Vergangenheit bewertet: Zu Bufords Truppe gehören Schwarze, die von Bufords weißen Freunden immer noch schräg beäugt werden, und ein ehemals fieser Deputy, der sich vom Saulus zum Paulus wandelt.
Joe Don Bakers enorme physische Präsenz und seine Schauspieltalent verhelfen „Walking Tall“ ebenfalls zum Gelingen, wobei Baker den Film über weite Strecken tragen muss. Der Rest supportet ordentlich, bleibt aber trotz einer Laufzeit von rund 2 Stunden stets nur zweite Geige. Man denke nur an Brenda Benet als Prostituierte, von der man irgendwann zwischendrin erfährt, dass sie mittlerweile Bufords Informantin ist – gerade dann, als es für eine neue Aktion Pussers dramaturgisch nötig ist, nicht vorher.
Insofern hat „Walking Tall“ so seine Schönheitsfehler, ist aber mit seinen Ecken und Kanten ein spannender, mit Elan in Szene gesetzter Selbstjustizfilm mit einem starken Hauptdarsteller und gelungenen Actionszenen.