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In den Gängen einer englischen U-Bahn-Station verschwinden Menschen, doch ein Inspektor und ein Studentenpärchen gehen der Sache nach und stoßen auf eine Spur, die mit einem Stolleneinsturz in der Vergangenheit zusammenhängen.

So einfach wie sich die Geschichte anhört ist sie auch. Doch da der Film in den 70ern gedreht wurde und nicht nach 2000 erwartet einen kein überfrachteter CGI-Overkill, sondern eine feine Horrorfilmperle, die von der Atmosphäre und den Figuren lebt.
Da hätten wir das amerikanische Studentenpaar, das nach England kommt, dort auf einer U-Bahn-Treppe einen bewußtlosen Mann finden, der, nachdem sie dies der Polizei gemeldet haben, verschwunden ist. Dies wiederum ruft Inspektor Calhoun (großartig: Donald Pleasence) auf den Plan, der die Studenten fortan auf dem Kieker hat, doch bald stellt sich heraus, dass bei einem Stolleneinsturz in der Vergangenheit Menschen verschüttet worden sind, die wegen des Konkurses der Baufirma nicht befreit wurden und seitdem unter der Erde ihr Dasein fristen und sich untereinander fortpflanzten. Der letzte überlebende, mit Beulenpest infizierte und an Blutarmut leidende Unterweltler braucht nun ab und an Blut, um seinen Durst zu stillen.
Okay, die beiden Studenten bleiben charakterlich etwas blass, aber man kann mit ihnen mitleiden, wenn der weibliche Part vom Höhlenwesen entführt wird und der junge Mann auf eigene Faust eine Befreiungsaktion startet. Der Inspektor dagegen ist ein Sympathiebolzen durch und durch. Mit seiner kauzigen Art, seinen lockeren Sprüchen und Eigenarten wie zum Beispiel dem obligatorischen Tee, dessen Beutel er mit einem Dartpfeil aus der Tasse zu stochern pflegt weiß er durchweg zu unterhalten, so dass es eine Freude ist, ihm bei seinem Treiben zuzuschauen, was nicht zuletzt an der tollen Darbietung Donald Pleasences liegt. Christopher Lee schaut ebenfalls mal kurz rein als MI5-Agent, wobei es sich hier nur um einen Miniauftritt handelt, der jedoch Fans des Mimen eine Freude bereitet.
Doch auch bei dem (ich nenn ihn jetzt einfach mal) Monster handelt es sich nicht um ein einfaches böses Wesen, nein, die Motive für seine Taten werden nach und nach verdeutlicht und man leidet stellenweise richtig mit ihm mit, wenn er sich beispielsweise liebevoll um seine schwangere Frau kümmert, die trotz Zuführung von Blut bald das Zeitliche segnet.
Hinzu kommt die gute technische Umsetzung durch herrlich düstere aber niemals zu dunkle U-Bahn-Gänge und teilweise sehr gelungene Kamerafahrten wie man sie zum Beispiel bei dem minutenlangen Schwenk durch die Behausung des Wesens mit alle den Leichen in verschiedenen Verwesungsstadien.
Die Maske des Beulenpestlings ist ebenfalls überzeugend und es gibt zudem ein paar blutige Effekte, die aber niemals übertrieben dargestellt werden.

Insgesamt ist "Tunnel der lebenden Leichen" ein stimmiger Horrorfilm, der durch seine Figuren und die Umsetzung überzeugt, die typische 70er Jahre Horrorfilmstimmung atmet und ohne allzu großes Blutvergießen auskommt.

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