Review

Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung eines Bootlegs!

"Tunnel der lebenden Leichen" (Britischer Originaltitel: "Death Line", US-amerikanischer Verleihtitel: "Raw Meat") ist ein britischer Horrorfilm von Regisseur Gary Sherman aus dem Jahr 1972, basierend auf einer von ihm verfassten Geschichte, die maßgeblich von Alexander „Sawney“ Bean, dem legendären Oberhaupt einer kannibalistischen Familie im Schottland des 15. Jahrhunderts inspiriert wurde. Das Drehbuch zum Film stammt von Ceri Jones, produziert wurde der Schocker von Paul Maslansky, Regisseur des Film "Black Zombies From Sugar Hill".

Ende des 19. Jahrhunderts wurden acht männliche und vier weibliche Arbeiter kleiner, maroder Baugesellschaften, die unter erschwerten Bedingungen eine U-Bahnstation unter dem Britischen Museum bauten, verschüttet und aus finanziellen Überlegungen aufgegeben. Von der Öffentlichkeit unbemerkt, überlebte jedoch eine kleine Gruppe den unterirdischen Einsturz in rettenden Nebenstollen und ernährte sich in der Folgezeit kannibalistisch. Seit jenem Jahr, 1892, fallen den Kannibalen immer wieder Personen zum Opfer, die den Verschütteten bzw. deren Nachkommen über Generationen das Überleben in den stillgelegten Tunneln sichern. In der Gegenwart gelingt lediglich zwei Nachfahren das Überleben: einem verwahrlosten, pestverseuchten Mann und dessen schwangerer, gleichsam entstellter Frau, für die er fürsorglich „Nahrung“ beschafft. Trotz seiner verhältnismäßig guten Betreuung, verstirbt dem namenlosen Mann im weiteren Verlauf der Handlung seine geliebte Gefährtin. In der jungen Studentin Patricia Wilson sieht er einen geeigneten Ersatz, um mit ihr seinen Nachwuchs zu zeugen...

"Vorsicht an den Türen!"

Britischer kann ein Horrorfilm nicht sein...

Was Regisseur Gary Sherman und Autor Ceri Jones da dem Zuschauer servieren, ist eine mit pechschwarzem Humor gewürzte Schlachtplatte mit einem superben Donald Pleasence als versnobter, grimmiger und Tee-schlürfender Inspector mit unverschämten Manieren und "The Man", jenem namenlosen Schrat, der durch die finsteren Tunnel des Russell Square schleicht und auf blutigen Beutezug geht. In einer kurzen Szene taucht Christopher Lee als arroganter MI-5-Agent Stratton Villiers auf und liefert sich mit Pleasence ein amüsantes Wortduell über Zuständigkeiten.

Nebenbei verweilt die Kamera gerne Minuten lang auf entstellte Leichen, an denen sich genüßlich die Ratten laben, von denen einige ein jähes Ende finden, wird ihnen doch von "The Man" der Kopf abgebissen.

Hier und da gibt es einen Mord, etwas Splatter wie die obligatorische "Axt im Kopf"-Szene oder das Aufspießen mit einem Besenstiel. Die Masken- und alle anderen Effekte verfehlen dabei ihre Wirkung nicht und tragen dazu bei, dass der US-Titel "Raw Meat" (=rohes Fleisch") vollkommen gerechtfertigt ist. Nebenbei erlaubt sich der Film noch ein wenig Gesellschaftskritik und ein Loblied auf die Monarchie.

Auch der Score der beiden Komponisten Will Malone und Jeremy Rose ist gut gelungen und auf die jeweiligen Situation angepasst.

Die unheimliche düstere Atmosphäre in den Tunneln kommt sehr gut zur Geltung, insgesamt kommt der Anteil an Horror- und Gruselstimmung jedoch deutlich zu kurz.

Von Spannung fehlt hier jede Spur, denn auch das Geheimnis um "The Man" und die anderen verschütteten Tunnelarbeiter wird viel zu früh aufgelöst.

Auch das Finale ist sehr unspektakulär geraten, viel zu wenig für einen schmutzigen, kleinen Horrorschocker.

Dabei wirkt der Schrat, so entstellt er auch sein mag, angesichts seiner tiefen Fürsorge zu seiner Frau weniger bedrohlich, sondern erhält tragische Züge, die beim Zuschauer Mitleid erwecken.

Da der schräge Humor bei "Tunnel der lebenden Leichen" im Vergleich zum Horroranteil eindeutig dominiert, verkommt der Film bei allen zündenen Gags eher zu einer geschwätzigen Komödie mit einem mäßigen Anteil anEkel-Einlagen, wobei er auf Dauer mehr langweilt als unterhält.

3 von 10 Punkte!

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