"The House that dripped Blood" - im Deutschen mit dem unzureichenden Titel "Totentanz der Vampire" bezeichnet, ist die dritte Anthologieproduktion von Amicus Productions, dem kleinen Bruder der "Hammer Films", was britischen Horror der 60er und 70er angeht, doch der Standard blieb gepflegtes Mittelmaß.
Diesmal gab es vier Episoden plus die übliche Rahmenhandlung, in der ein Polizeiinspektor dem Verschwinden eines Schauspielers nachspürt, doch bevor man über dessen Schicksal in der Schlußepisode erfährt, muß man sich erst anhand der Infos von Dorfpolizist und Vermieter durch drei weitere Schicksalsgeschichten kämpfen.
Im Gegensatz zu "Dr.Schreck" etwa wirkt "House" ein bißchen konventioneller, damit etwas mehr 70er-like, aber auch geschlossener inszeniert. Der Gruselfaktor hält sich aber in Grenzen, aus heutiger Sicht.
Als teilweisen oder kompletten Handlungsort haben alle Episoden das titelgebende Landhaus gemeinsam, wobei jedoch nicht das Haus das Übernatürliche beherbergt, sondern eher die Figuren und ihre Absichten und Schicksale wiederspiegelt.
Die beste Story ist auch gleich die Erste, in der Denholm Elliot als Horrorschriftsteller fürchtet, daß eine seiner Buchschöpfungen, ein irre grinsender Würger, zum Leben erweckt ist und ihm und seiner Frau nach dem Leben trachtet. Zwar hat man hier schon nur die Frage im Hinterkopf, ob es sich um einen Spuk oder ein Komplott handelt, aber Tom Adams als Würger ist ausnahmsweise mit seinen Halbdunkelauftritten so richtig creepy.
Es folgen der Reihe nach die schon üblichen Auftritte der Gruselikonen Cushing und Lee. Cushing gibt sich in einer Wachsfigurenstory die Ehre, die mit verstörender Musik und guter Kameraarbeit neben einem ausgezeichneten Setting (das Kabinett) aufwarten kann, Lee spielt den Vater eines seltsamen Mädchens, das man möglichst nicht mit Spielsachen und ähnlichem Zeug allein lassen sollte, weil Voodoo eine lustige Sache ist. Leider ist die dritte Episode etwas sehr "talky" und langgezogen und kommt lange Zeit nicht auf dem Punkt. Es ist zudem diskutabel, ob man Chloe Franks Kinderperformance nun natürlich oder nervtötend untalentiert finden will.
In Sachen Humor kann "The Cloak" zum Schluß punkten, die in der Grundaussage den vier Jahre später entstandenen "Das Schreckenshaus des Dr.Death" mit Vincent Price vorweg nimmt, in der auch ein alternder Horrordarsteller den guten alten Zeiten in einer billigen Neuproduktion hinterher trauert. Hier treten dann auch erstmals Vampire ins Rampenlicht, ebenso wie die voluminöse Oberweite von Ingrid Pitt, die gut in Szene gesetzt wurde. Erfreulich aber vor allem die abwechslungsreiche und launige Leistung von Jon Pertwee, der kurz nach dem Film als dritter Dr.Who-Darsteller Karriere hoch drei machen sollte.
Die Schlußpointe rund um die Rahmenhandlung ist heutzutage die Erwähnung nicht mehr nötig und auch nicht wirklich überraschend, aber alles in allem hat man es mit einer gut aussehenden, stilvoll abgedrehten Episodenhandlung zu tun, die allerdings (entgegen dem Titel) fast blutleer und eher etwas verkopft umgesetzt wurde, was auch den qualitativ unterschiedlichen Büchern von "Psycho"-Autor Robert Bloch geschuldet ist. Die allerletzte Abgründigkeit fehlt den Stories jedoch, trotz den Schicksalen, die den Bewohnern bevorstehen, zumeist lechzt man schon bald nach der Schlußpointe.
Insofern vermutlich die britischste dieser Anthologien: 5/10.