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Über welche Zutaten sollte eine romantische Komödie verfügen ?

Möglichst originelle Ausgangssituation, in der Einer der beiden Liebes-Aspiranten unter falschen Tatsachen in das gemeinsame Abenteuer gerät - Aufklärung dieser Untat mit anschließendem Liebesentzug des getäuschten Partners - herzerwärmende Darstellung der dann folgenden Trauerphase - Happy-End durch rege Mithilfe wohlmeinender Freunde.

Ich muß gestehen, daß dieses Rezept bei mir oft gewirkt hat und ich mir einige Werke dieses Genres immer wieder gerne ansehe - trotz exakten Wissens der kommenden Ereignisse, einfach weil es so schön ist.

Daran erkennt man, daß es gar nicht so sehr auf die Story ankommt (wobei Originalität und Finesse sicherlich kein Fehler ist), sondern auf die Art der Umsetzung : Glaubwürdigkeit der Charaktere, Identifikation, Timing, Charme und Witz - und genau daran mangelt es bei "Zum Ausziehen verführt".

Das beginnt schon bei der Ausgangsidee, die sehr um Außergewöhnlichkeit bemüht ist.
Paula (Sarah Jessica Parker) arbeitet als "Ausziehhilfe", das heißt sie bringt Männer, die auch noch im gehobenen Alter bei ihren Eltern wohnen, dazu auszuziehen - engagiert und empfohlen von genervten Eltern.
Ihre Methode, die sie bei diesen "Losern oder Eremiten" (Zitat ihre Freundin und Mitbewohnerin Kit) anwendet, liegt darin, durch eine vorgetäuschte Liebesbeziehung die Männer dazu zu bringen mit ihr zusammen zu ziehen - und schon haben sie Mamas Herd verlassen ! - Natürlich ohne Sex (wie sie versichert), aber wahrscheinlich reicht bei diesen armen nie von Frauen beachteten Kerlen (und andere kann man sich ja im Alter von Mitte 30 kaum an Mamas Schürze vorstellen) schon ein feuchter Händedruck .

Der Film traut dieser Idee selber nicht, denn er zeigt Paula keinen Moment bei dieser Arbeit, außer in einer kurzen Szene mit Patton Oswald. Hier wird das Ganze aber nur persifliert, indem eine besonders abartige Spezies "Loser-Mann" gezeigt wird, die dann auch noch ständig auf's Klo muß, so daß man als Betrachter hier eher mit Paula mitfühlt.

So drückt der Film sich komplett um die Perfidität und Verlogenheit ihres "Berufes". Denn die Vorstellung, daß eine Frau Liebe und eine zukünftige Beziehung vorgaukelt, um dann - sobald der arme Kerl in die gemeinsame Wohnung eingezogen ist - die Reißleine zu ziehen, ist dermaßen armselig, daß das Paula jegliche Sympathie gekostet hätte.

So aber erleben wir sie nur bei der Bearbeitung des Prachtburschen Trip (Matthew McConaughey), der es sich bei den Eltern bequem gemacht hat, um sich so noch ungestörter als Frauenheld und Freizeitsportler mit seinen Freunden auszuleben.

Geschickt zeigt der Film dann auch erst einmal Trips übliche Methode ,zu aufdringlich werdende Frauen abzuservieren, um dann gleich zur ersten Begegnung zwischen ihm und Paula überzuleiten, die scheinbar völlig normal in einem Möbelladen stattfindet. Dadurch entsteht beim geneigten Betrachter der Eindruck, der Bösewicht wäre Trip und die anzuwendenden Methoden sind eine Art Notwehr sowohl der Eltern als auch der engagierten Paula.

Und genau hier liegt das Grundproblem des Filmes - die Ausgangssituation ist nicht authentisch, sondern funktioniert nur mit dieser Manipulation.

Nehmen wir einmal im Vergleich dazu die Rolle der Melanie Griffith in "Die Waffen der Frauen" gegenüber Harrison Ford. Sie täuscht ihn bezüglich ihrer Position, aber das geschieht erst eher zufällig (ihm gegenüber) und dann traut sie sich nicht mehr, ihm die Wahrheit zu sagen, weil sie Angst hat ihn zu verlieren. Jeder kann das nachempfinden.

Hier dagegen ist der gesamt Aufbau der Beziehung eine einzige Täuschung, doch der Film will das gar nicht wahrhaben. Selbst privat mit ihrer Freundin redet Paula keine Sekunde so ,als ob ihr Trip irgendwie unangenehm wäre und es sich ja im Grunde um einen der Prostitution durchaus verwandten Job handelt (zumindest von ihrer Seite). Von vornherein findet sie ihn süß und nimmt so auch schnell Abschied von sonstigen "Berufsregeln".

Leider nimmt man Sarah Jessica Parker und MatthewMcConaughy die Gefühle füreinander gar nicht ab ,was der Film noch dadurch unterstützt, indem er jede Art privater oder gar zarter Momente zwischen den Beiden vermeidet. Da wird dann mal gerne schnell und hart zur Sache gegangen, aber besinnliche Momente werden immer durch slapstickartige Zwischenfälle unterbrochen.

Dadurch verliert "Zum Ausziehen verführt" seine Glaubwürdigkeit und Identifikation. Und genau dieses Mitfühlen, Mitzittern ist doch das Wichtigste und Schönste an der romantischen Komödie.

Doch stattdessen verkörpert der Film eine ähnlich bürgerliche Scheinmoral wie in "Wedding Date".
Hier werden offensichtlich verlogene Methoden und Prostitution als legitim abschwächt (quasi durch die aufkommende Emotion ungeschehen gemacht), aber gleichzeitig das hohe Lied des angepaßten Lebens von erwachsenen Menschen in konservativen Lebensformen propagiert. Der im Grunde genommen anarchische Ansatz in Trips Leben erfährt keinerlei Sympathie und auch seine besten Freunde fallen ihm mit mahnendem Zeigefinger am Ende in den Rücken.

Sarah Jessica Parker wirkt dagegen wie der reinste Engel mit Piepsstimme und unschuldigem Blick und mit tadelloser immer schicklicher Kleidung - dabei hätte ihr ein wenig schwarze Seele gut getan.

Fazit : sehr konstruierte Liebeskomödie mit zwar routiniert, aber keine Sekunde inspirierend spielenden Stars. Optisch gefällig aufgemacht, aber nur äußerlich unterhaltend mit den typischen Versatzstücken, denen jegliche Identifikation oder Emotion fehlt - letztendlich in seiner bürgerlichen Scheinmoral sogar ärgerlich.

Für echte Liebhaber romantischer Komödien gänzlich ungeeignet (3/10).

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