Manchmal könnte es so einfach sein. Man castet einfach zwei gut aussehende Hauptdarsteller, verpasst ihnen passgenaue Rollen, steckt sie in eine 08/15-Liebeskomödie und schon hat man einen Publikums-Hit gelandet! Oder etwa doch nicht, Mr. Dey? Im Falle von „Zum Ausziehen verführt“ handelte Regisseur Tom Dey scheinbar genau nach diesem Erfolgsrezept, doch leider versandet diese RomCom gänzlich in den schon eingefahrenen und breitgetretenen Bahnen des Genres…
Tripp (Matthew McConaughey) ist 35 Jahre alt, erfolgreich, charmant und sieht blendend aus. Der Traum aller Frauen also. Aber jede Medaille hat auch ihre Kehrseite; in Tripps Fall ist das die Tatsache, dass er noch bei seinen Eltern lebt. Denn wo ist es bequemer als im „Hotel Mama“? Richtig! Nirgends! Doch unter diesem Umstand leiden nicht nur seine Eltern und Freunde, sondern letzten Endes auch irgendwie Tripp selbst, denn eine richtige Beziehung bekommt er nicht zustande. Abhilfe in jeglicher Hinsicht soll da Paula (Sarah Jessica Parker) leisten: Sie wird von Tripps Eltern (Kathy Bates & Terry Bradshaw) engagiert, um ihren Sohn zum Ausziehen zu verführen…
Ja, das hatten wir alles schon mal. Schlimm ist das jedoch mitnichten, denn sonderlich große Innovationen kann man im Taschentuch-Zück-Genre nicht wirklich erwarten. Was man jedoch auf jeden Fall erwarten kann ist emotionaler Tiefgang. Und daran mangelt es im Falle von „Zum Ausziehen verführt“ doch zu offensichtlich. Ihren Anteil daran haben eigentlich alle Beteiligten. Seien es Tom J. Astle und Matt Ember, aus deren Federn das Drehbuch stammt, und die sich mit „Failure To Launch“ der altbekannten RomCom-Schablone bedienten ohne diese nennenswert auszufüllen oder gar auszuschmücken; oder Regisseur Tom Dey, der dieses Material 1:1 übernahm und offenkundig absolut gar nichts zum Gelingen dieses Filmes beizutragen hatte; oder seien es eben die beiden Hauptdarsteller.
Ja, es ist schon irgendwie tragisch, wenn man nach bereits eingangs erwähntem Schema F zwei große Stars engagiert hat, um beim Publikum punkten zu können und gerade diese Stars nun nur zu einem blassen Aufleuchten in der Lage sind. Zwar merkt man sowohl McConaughey als auch Parker an, dass sie engagiert bei der Sache sind, doch der letzte Funken Leidenschaft konnte wohl bei den Dreharbeiten zu „Failure To Launch“ nicht gezündet werden. Daran krankt dann auch die Darstellung der Beziehung zwischen Tripp und Paula, denn so richtig kauft man Parker und McConaughey halt nicht ab, dass sie einander im Laufe des filmischen Geschehens nicht nur körperlich sondern auch emotional näher kommen. Viel überzeugender agieren da dann doch die wundervoll besetzten Nebenrollen. Kathy Bates und Terry Bradshaw hätte man in ihrer Verkörperung des verzweifelten Elternpaares ruhig noch etwas mehr Screentime zugestehen können, ebenso wie der wundervollen Zooey Deschanel, die mit ihrer Rolle der Killer-Emanze Kit noch für die meisten Lacher sorgen kann, und auch Tripps Freunde lockern das Geschehen merklich auf. Aber gute Nebendarsteller reichen nun einmal nicht aus, um den Kahn vorm Versinken zu bewahren…
Und so entwickelt sich „Zum Ausziehen verführt“ in seiner vorhersehbaren Machart zu einer Liebeskomödie, die weder mit emotionalen noch mit erwähnenswerten humoristischen Höhepunkten aufwarten kann. Prädikat: Massenware. 4,5/10