Review
von Henry Spencer
ACHTUNG ! SPOILER !
„Meine Feinde glaubten, sie hätten mich getötet, mich Dr. Fu Man Chu, den künftigen Herren der Welt. Dabei wissen sie nicht, dass ich sie schon gepackt habe. Nirgends werden sie Zuflucht finden vor meiner Rache." Mit diesen Worten aus dem Off beginnt der fünfte und letzte Film aus der von Harry Alan Towers produzierten Filmserie um den asiatischen Superverbrecher.
Dr. Fu Man Chu (Christopher Lee) strebt mal wieder noch nach der Weltherrschaft. Er ist im Besitz einer Chemikalie, mit der er die Weltmeere im Handumdrehen in Eis verwandeln kann. Von seinem Hauptquartier aus, einer alten Festung in Anatolien, stellt er den Regierungen der Welt ein Ultimatum: Entweder Kapitulation oder totale Vernichtung. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, lässt er einen Ozeandampfer gegen einen Eisberg prallen, worauf dieser sinkt und hunderte Menschen sterben. Außerdem entführt er den Wissenschaftler Dr. Herakles / Prof. Henderson (df) (Gustavo Re), da dieser im Besitz einer für Fu Man Chu wichtigen Formel ist. Da Herakles aber schwer Herzkrank ist, bringt Fu auch noch Dr. Curt Kessler (Günther Stoll) und dessen Assistentin Dr. Ingrid Koch (Maria Perschy) in seine Gewalt. Die beiden Ärzte werden gezwungen, eine Herzoperation an Herakles durchzuführen.
Als weitere Demonstration seine Macht zerstört Fu Man Chu zwischendurch mal eben einen Staudamm, wodurch wieder zahlreiche Menschen ihr Leben lassen müssen. Inzwischen ist der Erzfeind von Fu Man Chu, der Scotland Yard Inspektor Nayland Smith (Richard Greene) in Anatolien eingetroffen. Zusammen mit seinem Freund Dr. Petrie (Howard Marion Crawford) dringt er in den Unterschlupf von Fu ein und befreit Dr. Herakles. Curt und Ingrid gelingt ebenfalls die Flucht durch einen geheimen Tunnel. Kurz darauf kommt es zu einer heftigen Explosion, wodurch die gesamte Festung zerstört wird. Dr. Fu Man Chu selbst und seine treu ergebene Tochter Lin Tang (Tsai Chin) verschwinden...
Christopher Lee zum fünften und letzten Mal in einer seiner Paraderollen als asiatischer Erzbösewicht Dr. Fu Man Chu. Wie schon im vorherigen Film "Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu" hat er auch hier kaum mehr zu tun, als möglichst Böse dreinzuschauen und sinistre Drohungen von sich zu geben. Das allerdings hat er gut drauf. Der in der Türkei gedrehte Film, für Jess Francos Verhältnisse eine aufwendige Produktion mit vielen Komparsen, präsentiert u.a. einen Subplot um einen gewissenlosen Opiumhändler namens Omar Pasha (Jose Manuel Martin) und dessen sadistischer Tochter Lisa (Rosalba Neri), die sich mit Fu Man Chu verbünden. Jess Franco selbst ist in einer kleinen Rolle als phlegmatischer Inspektor Ahmet zu sehen.
Der Kameramann Manuel Merino arbeitet auch bei DIE FOLTERKAMMER DES DR. FU MAN CHU wieder mit vielen Zooms, allerdings nicht so exzessiv und aufdringlich wie in „Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu". Die Herzoperation an Prof. Henderson wurde z.B. recht beeindruckend gefilmt, mit vielen Großaufnahmen der Darsteller, die ganz in weiß gekleidet in einem weißen OP agieren. Francos Gespür für Action- und Stuntszenen ist jedoch auch bei diesem Film wieder eher gering und so fallen diese auch entsprechend unbeholfen aus. Dennoch wirkt der ganze Film etwas homogener als der Vorgänger, da hier das Augenmerk mehr auf den Untaten der Titelfigur liegt und der Subplot nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Gleich zu beginn des Films gibt es erst mal gut 5 Minuten Archivmaterial zu sehen, so aus dem zuvor gedrehten „Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu" und aus dem s/w Film „A Night to Remember". Bei der Staudamm-Szene (ca. 4 Minuten ) handelt es sich ebenfalls um Material aus einem anderen Film. Am Ende überschlagen sich dann die Ereignisse und die sowieso schon arg strapazierte Logik der Story bleibt komplett auf der Strecke.
Insgesamt ist DIE FOLTERKAMMER DES DR. FU MAN CHU ein halbwegs unterhaltsamer Hokuspokus, in dem die Folterkammer aber weitgehend unbenutzt bleibt. Der obligatorische Schlussmonolog von Fu Man Chu: „Die Welt wird meiner Rache nicht entgehen." bzw. „The world shall hear from me again." blieb nach diesem Film allerdings ohne Folgen.
Die Originalfassung (88:27 Minuten) und die deutsche Fassung des Films (80:34 Minuten) unterscheiden sich in diversen Kleinigkeiten. Die Vorspannmusik ist in beiden Versionen unterschiedlich, ebenso wie die Gestaltung der Credits. Auch in diesem Falle sind die Credits der spanischen Fassung mal wieder erheblich umfangreicher als die der deutschen oder der Originalfassung.
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