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Dr. Fu Man Chu (Christopher Lee), der seinen Doktortitel vermutlich beim Humbug-Fernstudium in Deutschland gemacht hat, will es noch mal wissen. Denn auch nach der in Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu erlittenen Schmach erweist er sich veritabler Stehaufschurke & giert weiterhin nach der Weltherrschaft. Also entweder das oder die totale Zerstörung! Nein, der Mann kennt keine Kompromisse. Diesmal hat er eine Waffe entwickeln lassen, die Wasser binnen Sekunden in Eis verwandelt.

Zu Demonstrationszwecken erschafft er einen Eisberg & versenkt damit die Titanic! Gut, höchstwahrscheinlich soll das irgendein beliebiger Dampfer sein, aber da man (bläulich eingefärbtes) Footage aus dem Film Die letzte Nacht der Titanic verwendete, liegt diese Schlussfolgerung einfach zu nahe, als dass man sie ignorieren könnte. Lustigerweise wütet dazu Burt Kwouk in der Kommando-Zentrale & zwar exakt so, wie er es bereits in Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu getan hat. Und so wie damals erweist sich sein Einsatz auch jetzt als erfolglos. Ein Hoch auf die Zweitverwertung. Wenn es gut genug für einen Film ist, wieso soll es dann nicht gut genug für einen weiteren Film sein?

Der letzte der von Harry Alan Towers produzierten Fu-Man-Chu-Folme ist ein herrlich bescheuerter Pulp-Spaß, welcher von Jess Franco so geschickt inszeniert wurde, dass man sich ständig fragt: Ist das jetzt unfreiwillig komischer Trash oder doch hohe augenzwinkernde Camp-Kunst, die schon heftig an der Grenze zur Parodie kratzt? Die Antwort darauf überlasse ich jedem selbst. Ich habe mich jedenfalls köstlich amüsiert, auch über den Antagonisten. Fu Man Chus Bösartigkeit wird nur noch von seiner Dämlichkeit übertroffen. Er ist so überzeugt von seiner Unfehlbarkeit & so besessen von seinen Plänen, dass er jede Gefahr ignoriert. Der Behälter überhitzt? Egal. Eine Gefangene haut ab? "Let her go! She cannot escape." Einmal wünscht er sich sogar, sein Erzfeind Nayland Smith (Richard Greene) möge in seine Festung kommen, was der dann auch prompt tut, mit absehbaren Konsequenzen.

Tsai Chin gibt wieder die ihrem Papa nacheifernde Schurkentochter Lin Tang, Rosalba Neri spielt eine türkische Gangsterbraut & die imposante Burg, die der Doc übernimmt, wird von den unfähigsten Wachen bewacht, die ich je in einem Film gesehen habe. Eine Herz-Transplantation gibt’s auch zu bestaunen. Und apropos staunen... Die Ausleuchtung mancher Szenen ist so grellbunt, dass es schon surreale Ausmaße annimmt. Grün, purpurn, orange, lila, ein Delirium der Farben. Beim chaotischen Finale qualmt dazu noch die Nebelmaschine, als ob es kein Morgen gäbe. Insofern ein "schöner" Abschluss der Reihe, der mir viel Vergnügen bereitet hat. In bewährter Tradition hat man die deutsche Version wieder zurechtgestutzt; etwa 8 Minuten fehlen im Vergleich zur Originalfassung.

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