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Ein beschauliches Dorf in malerischer griechischer Landschaft ist der Schauplatz merkwürdiger Geschehnisse, bei denen immer wieder junge Touristen verschwinden. Auch Pfarrer Father Roche (Donald Pleasence) ist alarmiert, doch wie so oft findet der örtliche Gendarm keine Spur und legt auch wenig Ehrgeiz an den Tag, das Verschwinden aufzuklären.
So wendet sich Roche nicht zum ersten Mal an einen New Yorker Freund, den Privatdetektiv Milo Kaye (Kostas Karagiorgis), den er brieflich verständigt. Kaye hält wenig bis gar nichts von religiösen Dingen, und das beschriebene Wirken des Teufels beeindruckt ihn ebensowenig, dennoch nimmt er die nächste Maschine nach Griechenland.
Mit einem riesigen US-Cabrio kreuzt er schon kurz danach in jenem Dorf auf, sammelt den Pfarrer und die junge Touristin Laurie Gordon (Luan Peters) ein und macht sich selbst ein Bild: da gibt es einen geheimnisvollen Tempel, den das verschwundene Pärchen besucht hatte, einen Tempel des Minotaurus. Pater Roche hat eine Ahnung, daß dort das Böse wirkt, doch finden sich dort keine Spuren der jungen Leute. Auch die verschwiegenen Dorfbewohner sind keine Hilfe, nur der adelige Baron Corofax (Peter Cushing), der in einem benachbarten Herrensitz logiert und stets mit Chauffeur aufkreuzt, erregt Milos Misstrauen, da dieser sein Enkelkind mit Kultgegenständen spielen läßt - Kultgegenständen, die auf eine ganz besondere Verbundenheit zum Minotaurus hindeuten...

Nicht daß man sich besonders viel erwartet hätte, doch wenn Streaminggigant Netflix einen alten Gruselschinken aus den Siebzigern ins Portfolio nimmt, kann man durchaus mal einen Blick riskieren - immerhin treten mit Pleasence und Kushing zwei altgediente Mimen auf, deren filmisches Wirken durchwegs positive Erinnerungen hervorruft.
Leider gilt dies nicht für The Devil's Men, denn dem Streifen des griechischen Regisseurs Kostas Karagiannis gebricht es schon an einem einfachen dramaturgischen Aufbau. Statt behutsam ein gruseliges Szenario aufzubauen, erfährt der Zuseher bereits in der ersten Szene, daß ein paar bunt maskierte Sektenmitglieder - unzweifelhaft unter der Führung von Baron Corofax - vorzugsweise junge Pärchen zu Ehren einer steinernen Figur in der Tempelgrotte erdolchen.

In der Folge geht es daher mehr oder weniger nur darum, daß der etwas betulich auftretende Pfarrer mithilfe externer Verstärkung die Kuttenbrüder auf frischer Tat ertappt. Doch obgleich sich der Privatschnüffler betont locker gibt und mit fast allen Beteiligten Streit sucht, fehlt es an Beweisen, daß der mondäne Baron, der Polizist und die Dorfbewohner unter einer Decke stecken. Erst ganz zum Schluß fällt Hochwürden dann ein, daß Weihwasser und ein heiliges Kreuz doch ganz nützlich sein könnten.

Der Minotaurus als solcher spricht während der Zeremonien mit tiefer Stimme und stößt dabei unablässig Feuer aus den Nüstern, was die Kamera vergleichsweise gut einfängt, während die Kills im Gegenschnitt wenig blutig und vor allem bei äußerst gesittetem Verhalten aller Anwesenden erfolgen. Da wird nicht rumgeschrieen oder wild an der Kette gezerrt, mit denen die zu Opfernden auf den bequem anmutenden Steinsesseln befestigt sind, sondern stumm erträgt man das anscheinend Unvermeidliche. Sonderlich furchteinflößend wirkt die Minotaurus-Sekte damit keineswegs, erst recht nicht Hohepriester Corofax, wenn er in seinem leuchtend roten Gewand salbungsvoll Gebete herunterleiert.

Zwischendurch gibt es dann auch mal nachts Action, wenn die Sektenmitglieder in schwarz um die Häuser ziehen, dabei wahlweise eine blonde Jungfer oder auch ein Auto mit leerem Tank entführen - viel Sinn macht das allerdings nicht und Spannung kommt so erst recht keine auf.
Die unwirkliche Atmosphäre mag auch in der offenbar unvollständigen Tonspur begründet liegen, denn obgleich die englischen Originaldialoge in dieser 94 Minuten langen europäischen Fassung punktgenau mit den Lippenbewegungen der Darsteller zusammenpassen, hat man auf essentielle Hintergrundgeräusche völlig vergessen: mehrfach sieht man Milo und den Pfarrer im Cabrio fahren und hört auch deren Unterhaltung, doch fehlen währenddessen die Fahrgeräusche (Motor, Bremsen etc.) komplett - erst als der Wagen steht, hört man dann z.B. die Handbremse und das Öffnen der Tür wieder deutlich. Dies gilt auch für einige andere Szenen, speziell bei den Opferungen im Tempel, bei denen sich wie erwähnt nicht nur die Gefangenen, sondern auch die in bunte Tücher gewandete Gemeinde mucksmäuschenstill verhält.

All dies verfestigt dann einen eher negativen Eindruck, besonders das fulminante Ende, das in einer Art Luftballonplatzen kulminiert. Eine insgesamt bräsige Geschichte, deren Entstehungsjahr man anhand Kameraführung und Sound eher in den 1960ern verorten würde. Für Retrofreunde und Fans der beiden Hauptdarsteller sicher einen Blick wert, alle anderen sollten eher einen Bogen um The Devil's Men machen. 3 Punkte.

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