"Wenn ich nen Schwanz hätte, würd ich eine flachlegen. Wir können das Zweitbeste tun." ... "Und das wäre?" ... "Lass uns Leute umnieten!"
Kevin Smith's provokative Satire auf Kosten der Kirche hatte in den Endneunzigerjahren für Furore gesorgt. "So etwas kann man doch nicht zeigen.", "Blasphemie", "Gotteslästerung", so hieß es. Glücklicherweise leben wir in einer, größtenteils, freien Welt in der selbst eine Satire dieser Art nicht völlig in Ungnade fällt.
Die auf der Erde wandelnden, vor Gott in Ungnade gefallenen Engel Loki (Matt Damon) und Bartleby (Ben Affleck) wollen nur eines: Zurück in den Himmel. Dies ist aber ohne die Zustimmung des erstgenannten nicht möglich. Durch Zufall erfahren sie von einem Schlupfloch: ein Kardinal aus New Jersey ruft zu einer Erneuerung der Kirche auf und verspricht allen, die durch das Tor einer Kirche in New Jersey schreiten, Vergebung. Die beiden Engel hoffen so, in den Himmel zurückkehren zu können. Damit wäre allerdings die Unfehlbarkeit Gottes widerlegt und alle Existenz würde nichtig werden. Bethany (Linda Fiorentino), eine vom Glauben abgewandte Angestellte in einer Abtreibungsklinik und gleichzeitig letzte Nachfahrin von Christus, wird von der Stimme Gottes, Metatron (Alan Rickman), angewiesen sich dieser Sache anzunehmen und die beiden Engel aufzuhalten, da Gott gerade eine Pause in seiner Herrschaft eingelegt hat und nicht auffindbar ist. Zur Seite stehen ihr die beiden schrägen Propheten Jay (Jason Mewes) und Silent Bob (Kevin Smith höchspersönlich). Doch der Todesengel Azrael (Jason Lee), ebenfalls vor Gott in in Ungnade gefallen und in die Hölle verdammt, welcher sich nichts sehnlicher als die Nichtigkeit allen Seins wünscht, trommelt sein Schergen zusammen und wirft der göttlichen Schar Steine in den Weg.
Smith lässt hier ein wahrhaftiges Feuerwerk aus Absurditäten auf den Zuschauer einschlagen. So läßt er beispielsweise eine strippende Muse auftreten oder einen schwarzen 13. Apostel (Chris Rock) vom Himmel fallen, schlägt mit aus Fäkalien entstandenen Dämonen um sich oder stellt mit Aussagen, wie beispielsweise dass Jesus schwarz ist, die gesamte Bibel auf den Kopf. Die leichte Gesellschaftskritik über die Unterdrückung der schwarzen und Frauen sei hier nur am Rande bemerkt.
Insbesondere die erste Hälfte ist mit zur Situation passenden dummen Sprüchen, über die man sich mit Tränen in den Augen amüsieren kann, nur so gespickt. Der Ausspruch "Massenvernichtung ist so ziemlich das anstrengendste was du dir vorstellen kannst" des Engels Loki zu seinem Mitstreiter Bartleby und vor einem unwissendem Waffenhändler oder "Wunderschöne, nackte Weiber mit dicken Titten fallen nicht einfach vom Himmel, klar?" des Querulanten Jay nachdem der 13. Apostel vor ihm aus dem Himmel vor die Füße knallt, sind nur zwei punktgenaue Gags die auf der Stelle zünden.
Wie man liest ist der Humor bzw. die Dialoge von sarkastisch, zynisch bis zu obszön und vulgär geraten was einige sicherlich anstößig quittieren.
Der Versuch in der zweiten Hälfte ein paar einfühlsame Momente und Diskussionen über den Glauben selbst mit einzubinden nimmt leider das Tempo aus dem Geschehen, ziehen die Laufzeit ungewollt in die Länge und sind zudem nicht ausdrucksstark genug, denn viel zu schnell verliert sich "Dogma" wieder in seiner kindlichen Verspieltheit.
Zum Schluss wird es kurzzeitig etwas actionreicher wenn die zwei bzw. drei Parteien aufeinander treffen. An eine biblische Apokalypse erinnert das recht trashig / kitschige Finale was zu diesem Thema recht gut passen mag, aber vielleicht doch ein wenig überzogen wirkt.
Sehr gut gelungen ist der hochkarätige Cast. Die Schauspieler passen maßgeschneidert in ihre Rollen. Ben Affleck und Matt Damon harmonieren hervorragend und tragen den halben Teil der Geschichte von selbst. Das Gespann Kevin Smith und Jason Lee halten mit völlig abstrusen Witzeleien und einer starken Mimik bei erstgenanntem bei Laune, Chris Rock schafft sogar den Spagat dieser beiden Personen. Alan Rickman lädt als ständig genervte Stimme Gottes immer wieder zu Schmunzlern ein. Abgerundet wird diese Männerrunde durch die sehr ansehliche Salma Hayek, welche bereits in "From Dusk till Dawn" für sabbernde Männermünder gesorgt hat und einer sehr wandlungsfähigen Linda Fiorentino. Einzig der als Bösewicht deklarierte Jason Lee mag nicht dämonisch genug rüber kommen.
Da ich mit Filmen, die ständig mit albernen Kommentaren daher kommen, nicht sonderlich viel anfangen kann, fällt meine Bewertung allein daher etwas niedriger aus, wobei mich gerade der punktgenaue Humor sehr angesprochen hat. Ebenso die Längen in der zweiten Hälfte mindern das pure Unterhaltungskino. Auf jeden Fall ein Film den man mal gesehen haben sollte. Was danach passiert ist jedem selbst überlassen.
Achja... Gott ist eine Frau und hat Sinn für Humor. Man sehe sich allein das Schnabeltier an. :)
6 / 10